Snarky Puppy überzeugend in den regnerischen Križanke
Ort: Ljubljana / Križanke / Slowenien
Datum: Samstag, 22.06.2019
Die Jazz-Sensation Snarky Puppy hat endlich auch ein Konzert in Slowenien angekündigt. Die Band hat dieses Jahr das Album Immigrance veröffentlicht, für das sie eine lange Promo-Tour angekündigt hat. Genau zur rechten Zeit machten Snarky Puppy im Rahmen der Jubiläumsausgabe des 60. Ljubljanski Jazz festival Halt. Das Konzert war ursprünglich im Kino Šiška angekündigt, aber die Karten waren im Nu weg, weshalb das Ganze in die Križanke verlegt wurde. Die Erwartungen waren hoch, doch das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung.
Ausgerechnet beim stärksten Regenguss mussten die slowenischen Ecliptic auftreten, die sich aus anerkannten slowenischen Musikern zusammensetzen. Ecliptic stehen für eine Fusion vieler Genres. Im Vordergrund steht zwar immer noch eher Jazz Rock, doch schon bald kommen weitere Genres hinzu. Auch Hip Hop wird ziemlich geschickt eingeflochten. Leider war das Wetter während des Auftritts auf dem Tiefpunkt, also bleibt zu hoffen, dass sich Ecliptic bald unter besseren Bedingungen präsentieren können.
Bei Snarky Puppy sah es zunächst so aus, als würde das Wetter genauso schlimm bleiben wie bei Ecliptic. Etwa die Hälfte des Konzerts über regnete es, danach beruhigte sich das Wetter glücklicherweise, und man konnte den Auftritt des Kollektivs endlich richtig genießen. Trotz des Regens lieferten Snarky Puppy, die bereits den prestigeträchtigen Grammy gewonnen haben, einen nicht weniger überzeugenden Auftritt ab. Das Programm moderierte Bassist Michael League, der wie der Kopf der Band wirkt, obwohl bei Snarky Puppy eine große Zahl von Musikern mitwirkt. Im Kollektiv haben bisher über 40 Musiker mitgewirkt. Auf Tour gehen aber ungefähr 10 Musiker.
Das Kollektiv hat in seiner Karriere bereits dreizehn Alben veröffentlicht. Die Songs sind lang, daher musste eine Auswahl getroffen werden. Vor allem galt es, die Fans auch mit dem ein oder anderen Hit zu bedienen – etwa mit Shofukan vom Album We Like It Here (2014), das die Band einem viel breiteren Publikum bekannt machte.
Bei Snarky Puppy ist vor allem das Unerwartete zu erwarten. Die Musiker von Weltklasse zauberten ein echtes musikalisches Schmankerl, bei dem die Genres von Anfang bis Ende ineinander flossen. Als Grundlage nahmen sich Snarky Puppy natürlich den Jazz, aber im Jazz selbst gibt es so viele Subgenres, dass sie nie ausgehen – und die Band ist sich dessen sehr bewusst. Im Mittelpunkt stand das Album Immigrance, das vor einigen Monaten erschienen ist. Vom Album stach der gespielte Track Xavi am meisten heraus, mit dem die Band ihre Instrumentenbeherrschung und außergewöhnliche Könnerschaft unter Beweis stellte.
In ihrem Repertoire streiften Snarky Puppy vieles an. Man hörte viele Jazz-Fusion-Einflüsse, auch Funk-Elemente waren zu vernehmen, und die Liste ließe sich fortsetzen. Der Einfluss von Mahavishnu Orchestra und Return to Forever ist offensichtlich. Der Bassist ließ mit seinem Spiel durchblicken, dass er sich auch an Jaco Pastorius bzw. Weather Report geschult hat. Durch den Einsatz verschiedenster Keyboards drängte sich auch die Assoziation zu Frank Zappa auf. Snarky Puppy sind also ein Mix aus allem Möglichen. Ihr musikalisches Wissen ist wirklich bewundernswert. Die Songs selbst sind interessant aufgebaut, viel Raum bleibt auch für Soli. Allerdings stachen manche Mitglieder mehr heraus als andere. Der Gitarrist kam erst am Ende mit einem Solo-Einschub richtig zu seinem Recht, während er davor kaum zu hören war.
Snarky Puppy agieren als Kollektiv. Alle sind hochgradig ausgebildet, beherrschen ihre Instrumente bis ins kleinste Detail, kein Rhythmus macht ihnen Probleme. Fehler waren keine zu erkennen. Doch an einem gewissen Punkt wirkte es eher wie der Auftritt eines Musikzirkels von Akademikern. Trotz der hervorragenden Eingespieltheit fehlt dem Kollektiv die Seele. Das echte »Feeling« wie bei den alten Jazz-Fusion-Bands ist nicht zu spüren. Aber das ist eigentlich auch der einzige Kritikpunkt.
Das Konzert von Snarky Puppy war trotz des Regens ein voller Erfolg. Das Publikum machte deutlich, dass ihre Rückkehr mehr als willkommen ist – es ist ein echter Genuss, Musikern zuzuschauen, die mit einem hohen Maß an Perfektionismus spielen. Was zu sehen war, bestätigt auch, dass die Band keine Eintagsfliege ist, sodass man vom Kollektiv noch viel erwarten darf.