Sting und die Songs seines Lebens – wieder in Ljubljana (2019)

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Location: Ljubljana / Arena Stožice / Slowenien
Datum: Dienstag, 04.06.2019


Zu uns zurückgekehrt ist Sting, einer der bekanntesten britischen Musiker. Der charismatische Mann zählt bereits 67 Jahre, hält aber dennoch in konstantem Tempo unermüdlich Konzerte ab und veröffentlicht neue Alben – womit er sich längst den Ruf einer Musikikone verdient hat. Stings regelmäßige Touren machen in der Regel in erreichbarer Nähe für slowenische Fans halt, doch diesmal musste man für ein vollständiges Konzerterlebnis nicht in eines der Nachbarländer reisen, denn Sting kehrte nach 2011 erneut in die Ljubljaner Stožice zurück.

Gordon Matthew Thomas Sumner, wie sein bürgerlicher Name lautet, veröffentlichte im Mai ein neues Studioalbum – allerdings ohne neue Songs, sondern mit überarbeiteten Versionen seiner alten Hits, sowohl aus der Solokarriere als auch aus der Zeit mit The Police. Die fünfzehn Songs des aktuellen Albums »My Songs« bekamen neue Arrangements und einen moderneren Sound, was gemischte Kritiken unter den Hörern hervorrief – besonders bei den Puristinnen und Puristen, die dem Erbe der klassischen Rockschule treu ergeben sind.

Die Stožice-Halle begann kurz nach acht Uhr abends der britische Singer-Songwriter James Walsh aufzuwärmen, seines Zeichens Frontsänger der britischen Alter-Pop-Rocker Starsailor. Walsh machte seine Sache gut, obwohl die Rolle des Vorprogrammkünstlers bei einem großen Hallenkonzert eine echte Herausforderung ist. Neben eigenem Material platzierte der 38-jährige Musiker auch Lennons Coverversion Jealous Guy ins Set, und nach einem halbstündigen Programm verdiente sich der Mann mit der Akustikgitarre in den Händen Applaus von einem mittlerweile beachtlich gefüllten Auditorium.

Dann ging’s richtig los! Nach einem kurzen Umbau eröffnete Sting den Auftritt mit dem Knaller Message in a Bottle – ein klares Signal, dass sich an diesem Abend die Hits aneinanderreihen würden. Das Bühnenbild war schlicht: Sting hat nie mit megalomaner Konzertproduktion geliebäugelt, sondern stets auf die Ursprünglichkeit der Musik selbst gesetzt. Mit einer dynamischen Abfolge aus härteren und treibenden einerseits sowie sanfteren und langsameren Nummern andererseits hielt Sting das Publikum mühelos in der Hand und brachte es zum leichten Mittanzen. Das berühmte Englishman in New York erklang in einem anderen Gewand als das Original, da kein Saxofonist in der Begleitband war – dafür band Sting das Publikum intensiv in die Performance ein, und schon früh im Auftritt hob sich diese gierige, einzigartige Magie von Stings Bekenntnismusik über die ganze Arena.

Im Mittelteil des Auftritts rückte das Scheinwerferlicht auch einzelne Begleitmusiker stärker in den Fokus. Mit eigenen Soloeinlagen präsentierten sich die Backgroundvokalistinnen und -vokalisten Melissa Musique und Gene Noble, die bis dahin im Gesamtklangbild kaum wahrnehmbar gewesen waren. Shape of My Heart und Fragile – bei dem Sting als einziges Mal während des gesamten Konzerts den Bassgitarre beiseitegelegt und zur Akustikgitarre gegriffen hatte – stellten den emotionalen Höhepunkt des gemeinsamen Abends dar. Der Gesang mit seiner unverwechselbaren Farbe bleibt trotz der Jahre des Musikers ein einfühlsamer Wachrüttler der Seele und damit eines der zentralen Fundamente jedes seiner Auftritte. Von da an schaltete Sting einen Gang höher und brachte das Konzert auf den Flügeln zeitloser The Police-Hits endgültig zum Abheben. Den New-Wave-Beigeschmack und das leichte Flirten mit Reggae-Rhythmen würzte Sting bei Walking on the Moon zusätzlich, indem er das berühmte „Get Up, Stand Up“-Motiv von Bob Marley einflocht – womit der britische Künstler die Menschen direkt über die Musik zur gesellschaftlichen Aktivität aufruft: Er ist seit Jahren für seinen Einsatz in verschiedenen Bereichen des Umwelt- und Menschenrechtsschutzes bekannt. Trotz routinierter Darbietung ist Stings Bühnenpräsenz so stark, dass das Publikum bei den bekanntesten Nummern wie So Lonely, Desert Rose und Roxanne ihm fast aus der Hand gefressen hat. Die Songs flossen lebhaft ineinander über, und viel zu schnell war die Zeit für die Zugaben gekommen – den Abschluss machte der kommerziell erfolgreichste Track der The Police-Karriere, Every Breath You Take. Wie es bei Sting bereits Gewohnheit ist, wenn er sich beim Auftritt wohlfühlt, verlängerte er auch diesmal die reguläre Zugabe noch um eine weitere: das lebhafte Next to You vom allerersten Anfang seiner musikalischen Laufbahn.

Eine Stunde und drei Viertel vergingen wie im Flug! Stings Präsenz ist stark genug, um das Publikum mühelos und routiniert auf den Flügeln zahlreicher Hits zu begeistern und mit Energie aufzuladen. Die Jahre scheinen an ihm abzuperlen – möge das noch möglichst lange so bleiben! Wer das Konzert in Ljubljana verpasst hat, sollte schnell zur Nachprüfung antreten: Stings Europatournee hat gerade erst begonnen, und bald tritt er wieder in erreichbarer Entfernung auf – und zwar am 4. Juli in Graz.

Autor: Urban Bolta
Fotos: Tadej Bolta

Setliste:
1. Message in a Bottle
2. If I Ever Lose My Faith in You
3. If You Love Somebody Set Them Free
4. Englishman in New York – ohne Jazz
5. Every Little Thing She Does Is Magic
6. Brand New Day
7. Fields of Gold
8. Seven Days
9. Waiting for the Break of Day
10. Shape of My Heart
11. Fragile – mit Akustikgitarre
12. Wrapped Around Your Finger
13. Walking on the Moon
14. So Lonely
15. Desert Rose
16. Roxanne
—Zugabe I.—
17. Can’t Stand Losing You
18. Demolition Man
19. King of Pain
20. Every Breath You Take
—Zugabe II.—
21. Next to You


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