15 Jahre Kamelmetall von Gonoba (2019)

0 464

Die Zeit, in der Gonoba auf ihrem Höhepunkt war, war eine unschuldige Zeit; die Zeit der legendären Metal Manija in Komen, des „Braveheart“-Jordans, der Nudeln in den Pissoirs bei den Tribute to Miki-Konzerten und ähnlicher Erlebnisse. Es war aber auch die Zeit, in der Gonoba eine der tragenden Säulen der heimischen Metal-Szene war – was die Jungs mit den Platten Chains of Ignorance und Endless Cycles unter Beweis stellten, die bis heute den Ruf genießen, zu den besseren Sachen zu gehören, die der heimische Metal je produziert hat. Ihre Abwesenheit war deutlich spürbar, und deshalb war die Ankündigung eines Konzerts zum 15. Jubiläum umso schöner.

Die Kamele wurden für die Hauptstützen des Abends von Licence to Hate aus Postojna bestiegen, die seit 2010 aktiv sind und letzten Herbst ihr Studiodebüt Immune to This Brutality veröffentlicht haben. Die Jungs sorgten für ein solides Warm-up, denn ihr Ansatz des Death/Thrash Metal mit ausgeprägter melodischer Note setzte sich schnell und angenehm in den Ohren des Publikums fest, das langsam aber stetig in das obere Stockwerk des Orto tröpfelte. Licence to Hate bleiben zwar noch etwas im Schatten von Stadtgenossen wie Vigilance oder Morbid Creation, doch das dürfte sich nach dem Gehörten schon bald ändern. In gut einer halben Stunde präsentierten Licence to Hate ihre Vision von technischem Death Metal, in dem vor allem schnelle Gitarrenriffs, Blast-Beat-Drums und ein souverän grollendes Vocals regieren. Licence to Hate haben ihre Aufgabe mehr als erfüllt, es fehlt ihnen aber noch etwas Bühnenkm, was sich vor allem in den ungelenken Pausen zwischen den Songs zeigt, die den Schwung ein wenig bremsen.

Eine noch komplexere und technisch anspruchsvollere Geschichte rezitierten danach die technischen Death-Metaller Paragoria aus Rečica, die letztes Jahr nach einer ziemlich langen Pause auf die Konzertbühnen zurückgekehrt sind und dort zum Glück noch immer ausharren. Paragoria arbeiten seit einer Weile mit dem neuen Schlagzeuger Bojan Bebr-Vovk (ex-Thraw), der sich in der Band bereits gut eingelebt hat und mit seinem Beitrag die Band tatsächlich noch zerstörerischer klingen lässt. Paragoria bissen sich gnadenlos durch ihr dreiviertelstündiges Set, das aus Killern von Decompostion of Mind und vielversprechenden neuen Songs bestand, und sorgten damit einmal mehr problemlos für einen wahren Orkan an technischem Death Metal, inspiriert von Bands wie Death und Gojira. Schade um die technischen Probleme bzw. die gerissene Saite am Bass von Jernej Štorgelj gegen Ende, weshalb er den Rest nur noch mit seinen Stimmbändern bestreiten musste – aber egal, Paragoria haben mal wieder den hohen Standard gerechtfertigt, den wir jedes Mal von ihnen erwarten.

Die Nachricht, dass Gonoba für ein Konzert zu ihrem 15. Jubiläum von den Kamelen auferstehen würde, war eine der schönsten und am wenigsten erwarteten Überraschungen auf heimischem Boden der letzten Jahre. Schon als sich Gonoba irgendwann um 2011 zum ersten Mal von den Bühnen verabschiedete, vergossen wir Kameltränen, doch die Jungs beglückten die slowenische Metal-Szene nach gut einem Jahr Abwesenheit mit dem zweiten Album Endless Cycles – um sich danach leider wieder relativ schnell zu verabschieden. Angesichts der mehrjährigen Abwesenheit war trotz der Freude auch etwas Skepsis im Raum, doch Gonoba töteten jeden Zweifel bereits mit den ersten paar Töten, als sie bewiesen, dass ihnen die Auszeit überhaupt nichts angemerkt hat. Sie klangen teuflisch gut – wie in den besten Zeiten! Noch mehr Besonderheit und Festlichkeit verlieh dem Ereignis die Tatsache, dass sich den alten Kollegen der Originalgitarrist Matjaž Jurjevec anschloss, der gemeinsam mit Hopsy, Koki, Mičot, Brane und Grega ein überragendes Set dynamischen und ansteckenden Heavy/Death/Thrash Metals abfeuerte, bei dem das Herz höherschlug. Wie sehr Gonoba vermisst wurde, wurde noch deutlicher, als die Jungs bei bester Spiellaune unter anderem die unvergesslichen Procreation, Human Error, The Black Side of Life, Victim of Myself, Endless Cycles und sogar das uralte Avalanche vom ersten Demo im schönsten Licht präsentierten! Gonoba haben einmal mehr bewiesen, dass ihr Metal, voll wunderbarer Gitarrenläufe, der bestklinkenden Basslinien der slowenischen Metal-Szene, erdbebenartigem Schlagzeug und rauem Gesang, wie ein Parasit ist, der sich tief ins Gehirn eingräbt und von dort nicht mehr wegzubewegen ist. Die rappelvolle Halle des Orto sprach für sich darüber, wie sehr Gonoba vermisst wurde und welch starkes Siegel sie auf der heimischen Metal-Szene hinterlassen hat. Und wie Hopsy es schön auf den Punkt brachte: Wenn die Hallen ein paar Jahre früher so gut besucht gewesen wären wie diesmal das Orto, hätten sie nie aufgehört. Also – falls das nicht wirklich das letzte Konzert von Gonoba war (was ich inständig hoffe): Stürmt zum nächsten Konzert wie eine Stampede wilder Kamele!

Fotos: Nina Grad

Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki