Geschichten aus 1000 und einer Nacht mit Myrath & Roses of Thieves im Orto Bar (2026)

foto: IGORAC 2026
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Myrath, Roses of Thieves
Dienstag, 21. 4. 2026
Orto Bar, Laibach, Slowenien


Diesmal wieder als Einzelkämpfer unterwegs ins (fast) Unbekannte. Die Vorband Roses of Thieves kannte ich vorher nicht, Myrath hingegen, wie so viele andere Prog-Metal-Bands, habe ich sporadisch gehört – mal ein Album hier, mal ein Song dort, mal ein Konzert auf irgendeiner Plattform. Was ich gehört hatte, hat mir immer gefallen: grandioser Gesang, erstklassige Instrumentalisten, eingängige Melodien, synkopierte Rhythmen. Gestört hat mich dabei – hier gestehe ich meine kulturelle Ungeduld –, mehrfach die orthodoxe arabische Rhythmik und die Melodien der frühen Alben.

Ungarische Sextett Roses of Thieves startete sein einstündiges Set pünktlich um acht Uhr. Die zierliche, neu dazugestoßene Sängerin Ivett und ihre Crew aus Bassist, Gitarrist, Schlagzeuger, Geiger und Akkordeonist schalteten sofort in den höchsten Gang und spielten ihr geschliffenes Repertoire vor dem begeisterten, zu etwa einem Drittel gefüllten Ortič runter. Diese Band steht für mich für das Sprichwort: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Alle Mitglieder sind routinierte und durchaus gute Musiker, doch die Band und die Performance haben uns deutlich mehr gegeben als das. Ansteckende Energie, eingängige Songs, Ethno-Einlagen und mitreißende Stimmung haben selbst den letzten Zauderer in Bewegung gebracht. Überraschenderweise (oder doch nicht?) sorgte das Cover des Instant-80s-Hits Boys (Summertime Love) der vollbusigen Instant-Berühmtheit Sabrina für die größte Begeisterung. Der Sound war für eine Vorband wirklich gut – das Akkordeon ging etwas unter, dafür beherrschten überraschend kontrastreich Bass und Geige gemeinsam das Klangbild. Weil ich immer etwas zu meckern haben muss: gestört haben mich die eingespielten Chorgesänge und Keyboards. Eine sechsköpfige Band könnte ihre Musik doch live spielen?

Setlist:
1. Fend off the Dark
2. Be the Captain
3. Synonym for Blasphemy
4. White Wolf
5. Not Your Fate
6. Boys (Summertime Love) (Sabrina Salerno cover)
7. Blunderbuss
8. Keep the Night Inside
9. Can’t Look Back
10. Once Upon a Time
11. Taste of Freedom
12. Hymn of Hell
13. Not Your Fate

Myrath. Legacy. Vermächtnis. Diese tunesische Band, inzwischen in Paris ansässig, hat ihr erstes Album Hope bereits 2007 veröffentlicht. Anfangs noch als arabische Variante von Symphony X abgetan, hat die Gruppe über die Jahre ihren ganz eigenen musikalischen Ausdruck entwickelt, der natürlich aus dem reichen Fundus des Progressive Rock und vor allem des Metals schöpft. Den internationalen Durchbruch schafften sie 2016 mit dem Album Legacy, auf dem sie ihre arabischen Fesseln ein wenig lockerten und international zugänglichere Rhythmen und Melodien einführten, ohne dabei auch nur für einen Augenblick ihre Herkunft und musikalischen Wurzeln zu verleugnen.

Und so führten sie uns mithilfe einer anmutigen und geheimnisvollen Tänzerin durch den Abend – getragen von der hypnotischen Kraft der unglaublichen Stimme Zaher Zorgatias, der mit gelassener Stärke und kristallklaren Empfindungen den angenehm halbvollen Orto in den Bann zog. Das war wohl der technisch ausgereifteste Auftritt einer Musikgruppe, den ich je in meiner langen und reichen Konzertkarriere gesehen habe. Alle Mitglieder wirkten seltsam entspannt, produzierten dabei aber energiegeladene und emotional aufgeladene Musik, die einen vollkommen mitnahm. In all diesem „Zen-Buddhismus“ machte mir der Schlagzeuger ein wenig Sorgen, dessen Bühnenoutfit andeutete, er käme aus einem von der Pest heimgesuchten Gebiet. Oder dass die Pest uns im Orto Bar auf der Lauer liegt.

Unbedingt erwähnen muss ich den Gitarristen und Bandgründer Malek Ben Arbia. Komplexe Riffs, verträumte Soli, höllische Breakdowns – alles floss aus seiner Siebensaiter mit überirdischer Leichtigkeit. Auf meiner persönlichen Rangliste der „leichtfüßigen“ Metal-Gitarristen belegt er den zweiten Platz. Direkt hinter Jorn Viggo Lofstad von Pagan’s Mind.

Das Publikum verschmolz mit der Band zu einer Einheit, und Zaher steuerte die Energie im Club mühelos. Der Sound war kristallklar, aber mit dem nötigen Energie-Kick. Wer auch immer dafür gesorgt hat, hätte das Team vom Konzert vor genau einer Woche so einiges lehren können. Eine besondere Erwähnung verdienen die Besucher Sanela und Blaž, alte Freunde von Zaher, die den Rest des Konzerts leicht von den Bühnenlichtern angestrahlt verbrachten.

Die Vertreterinnen des zarten Geschlechts haben wesentlich zur hervorragenden Konzertdurchführung beigetragen. Ivett als Sängerin der Vorband – und im Song Until the End übernahm sie den Part von Elize Ryd (Amaranthe), die auf der Studioversion singt. Und die exotische Tänzerin unbekannten Namens, die die geheimnisvollsten Teile der Setlist bereicherte. Als Gnadenstoß hatten Myrath Believer aufgespart – ein beängstigendes Meisterwerk vom bereits erwähnten Durchbruchsalbum Legacy.

Setlist:
1. The Funeral
2. Born to Survive
3. Dance
4. Until the End
5. Into the Light
6. The Clown
7. Through the Seasons
8. Tales of the Sands
9. Still the Dawn Will Come
10. Breathing Near the Roar
11. Endure the Silence
12. Beyond the Stars
13. No Holding Back
14. Soul of My Soul
15. Les Enfants du soleil
16. Believer

Es ist schon sehr lange her, dass ein Live-Auftritt einen solchen Eindruck auf mich hinterlassen hat. Wahnsinnig, intensiv, erstklassig. Wenn ihr auch nur eine kleine Ader in euch habt, durch die Prog-Power-Blut strömt, verpasst das nächste Konzert von Myrath auf keinen Fall. Ernsthaft.

Text und Fotos: Igorac


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