The Mahones sind auf der Bühne des Quantic Pub aufgetreten

Foto: IGORAC 2026
0 116

The Mahones, 35th Anniversary Tour
Dienstag, 24. 2. 2026
Quantic, Bukarest, Rumänien


„Tragikomische Erfahrung“

Immer wenn ich nach Bukarest komme, treffe ich meinen alten Freund und ehemaligen Kollegen Victor. Der sorgt stets für das Abendprogramm, und diesmal hat er aus dem Angebot der Stadt, die niemals schläft, das Konzert der irischen Folk-Punker kanadischer Herkunft, The Mahones, ausgewählt. Ich hatte noch nie von ihnen gehört, aber warum nicht mal irischen Stomper-Nummern lauschen, so wie ich sie von den bekannteren und kommerziell erfolgreicheren Bands The Pogues, Dropkick Murphys und Flogging Molly kenne? Im Quantic war ich schon bei ein paar Konzerten und der Laden ist ideal für solche Sachen – eine Kneipe in beiden Flügeln und eine Halle für rund 1.000 Besucher in der Mitte.

Das Vorprogramm haben wir ausgelassen, vertieft in ein Gespräch bei ausgezeichnetem Bier und Nachos mit rumänischen Würstchen. Um neun marschierten wir in die Halle, in der – sage und schreibe – etwa 50 Leute standen. Die schauten verdutzt auf die Bühne, wo Sänger und Gitarrist Finny McConnell (kann man sich einen passenderen Namen für einen Sänger in einer irischen Punk-Folk-Band ausdenken?) und seine Crew verloren herumschlichen – bestehend aus Bassist Sean „R!ot“ Ryan, Schlagzeuger Guillaume Lauzon, einem polnischen Geiger unbekannten Namens und einem Mundharmonikaspieler, der einsam in einer dunklen Ecke auf der rechten Seite der Bühne stand. Warum war das Publikum überrascht, fragt ihr?

Weil die Band im eigentlichen Sinne keine Musik spielte. Finnys Gitarre war auf Lautstärke 0 „aufgedreht“, Bass und Geige waren gestimmt – ich kann nicht mal sagen, jeder in seiner eigenen Tonart, sondern jeder in seinem eigenen Universum. Der Mundharmonikaspieler fiel hin und wieder mit irgendeinem inkohärenten Verbindungssolo ein. Der Einzige, der das Konzert ernst nahm, war der Schlagzeuger, der versuchte, das auseinanderfallende Klangchaos zusammenzuhalten.

Finny brabbelte ins Mikrofon Anekdoten aus den alten, guten Zeiten, als The Mahones angeblich auf den Weltbühnen zusammen mit den lieben Freunden aus den oben genannten Bands gebrannt und gestrahlt hätten. Bassist und Geiger improvisierten derweil jeder seine eigene Melodie gleichzeitig. Der Mundharmonikaspieler versteckte sich gekrümmt in seiner Ecke, der Schlagzeuger aber beharrte mit einem wahnsinnigen Glanz in den Augen mutig bei seinem Tun. Ein paarmal wollten sie sogar einen Song anfangen, brachen aber nach ca. zwanzig Sekunden verzweifelt ab. Finny verkündete stolz – während er aus der Whiskyflasche nippte –, dass sie direkt aus dem Tourbus auf die Bühne gekommen waren und natürlich den Soundcheck verpasst hatten. Wer hätte das gedacht?

Aus dem Publikum begannen rumänische Schimpfwörter zu hageln, ich legte mit „Play some fuckin‘ music, please“ nach, doch Finny beruhigte mich schnell mit der Aussage, er sei kein Musiker und Sänger, sondern ein Geschichtenerzähler. Und das noch ein paarmal. Victor und ich begannen, immer öfter an die Bar zu pilgern, um mit Bier den Schmerz zu betäuben und uns zu vergewissern, dass auf der Bühne doch irgendeine Art von Musik stattfindet.

Dieses Martyrium dauerte knapp eine Stunde, die Leute aber blieben hartnäckig dabei, weil es offenbar nichts Besseres zu tun gab. Dann aber geschah ein kleines Wunder. Als hätte die Wirkung von dem, was die Band vor dem Konzert im Tourbus konsumiert hatte, leicht nachgelassen. Finny stapfte zum Verstärker und drehte ihn auf 6, jemand hatte in der Zwischenzeit die Bassgitarre gestimmt, und die Jungs fingen an zu spielen. Da sie sich ihre eigenen Songs wahrscheinlich nicht mehr merken konnten, flüchteten sie sich zu The Pogues- und The Ramones-Klassikern sowie akustischen Balladen. Und so feierten wir die nächsten eineinhalb Stunden. Die Setlist war wahrscheinlich SO, die Hand würde ich aber nicht dafür ins Feuer legen.

The Mahones gibt es seit 35 Jahren – laut Finny die irische Punk-Band mit der längsten aktiven Laufbahn. Sie haben 13 Alben veröffentlicht und waren früher wahrscheinlich in besserer Verfassung als an diesem verregneten Abend in Bukarest. Wie ich sehe, waren sie ein paar Tage zuvor auch in Kranj (Trainstation SubArt), und für die slowenischen Fans hoffe ich von Herzen, dass es bei ihnen musikalisch besser gelaufen ist.

Ich weiß auch nicht. Ich bin immer für eine alkoholselige Eskapade zu haben, aber das hier war wirklich unter aller Kanone. Der verstorbene Shane MacGowan sah mit all seinen Aussetzern wie ein blutiger Anfänger aus im Vergleich zum aufgedrehten Finny und seinen Kollegen. Es besteht auch die geringe Möglichkeit, dass es sich um eine choreografierte Performance handelt, die komisch sein soll. In dem Fall richte ich Finny und seiner Truppe aus: Studiert euch etwas anderes ein.

Die Band versprach ein Get-together nach dem Konzert, doch alle Besucher – mit Victor und mir an der Spitze – sprinteten so weit wie möglich von der Bühne und den fröhlichen „Iren“ weg. Zum Vergessen.

Autor: Igorac
Fotos: Igorac

Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki