Alter Bridge, Daughtry, Sevendust – unvergessliches Konzertspektakel in Zagreb (2026)
Auftretende: Alter Bridge / Daughtry / Sevendust
Ort: Zagreb / Boćarski dom / Kroatien
Datum: Samstag, 31. 1. 2026, von 19.00 Uhr bis 23.00 Uhr
Alter Bridge, Daughtry und Sevendust! Ein Wahnsinnspaket auf der neuen Europatournee, angeführt von den floridianischen Ikonen des sogenannten ‚Metals mit Makel‘, Alter Bridge! Alter Bridge veröffentlichten gleich zu Jahresbeginn – mitten in der europäischen „What Lies Within“-Tour – das begeisternd brillante neue Studioalbum „Alter Bridge“, das die Band nach vier Jahren seit dem Vorgänger „Pawns & Kings“ erneut nach Zagreb führte.
Als sie im November 2022 in der Mala dvorana des Dom Sportova auftraten (damals mit Halestorm und Mammoth WVH – Rockline Konzertrezension), kamen sie diesmal in die Halle Boćarski dom (auf Deutsch würde man das in etwa als ‚Boccia-Heim‘ übersetzen), die ca. 3.000 Personen fasst und die sich bereits bei unseren früheren Besuchen als perfekte Wahl erwiesen hat, wenn es um Konzertlocations dieser Kapazität geht.
Diesmal brachten Alter Bridge noch zwei wirklich erstklassige Bands mit. Sevendust sind heute echte Legenden des ‚verbogenen‘ Metals, die modernen Rocker Daughtry, die ebenfalls auf eine ansehnliche Kilometerzahl zurückblicken können, sind besonders aufgrund des Magnetismus ihres außergewöhnlichen Vokal-Anführers Chris Daughtry unglaublich beliebt.
Es war einer jener Konzert-Samstage, an dem alles genau so zusammenpasst, wie es soll. Mit Ausnahme der Tatsache, dass auf den Straßen bereits der Einfluss des nahenden Vollmonds (diesmal im Löwen) zu spüren war, was zu kopflosen Manövern führte, die wir auf der Fahrt von Pivka durch Ljubljana in Richtung unserer südlichen Nachbarin beobachten konnten, fiel alles nahezu perfekt zusammen. Erstens: ein Parkplatz direkt vor dem Veranstaltungsort, und zweitens: eine Kneipe mit endloser Auswahl an den wildesten Craft-Bieren gleich daneben. Wer will mehr? Eine ganze Garnison von Menschen, die sich unaufhörlich in eine einzige Richtung schlängelte. Massenhaft Publikum auch aus Slowenien und aus noch so weit entfernten kroatischen Regionen. Ein wirklich erstklassiges Spektakel kündete sich an.
Fünfzehn Minuten nach sieben sprangen die Veteranen Sevendust auf die Bühne. Eine Band, die nach der Grunge-Welle auftauchte und die zu dieser Zeit auf modische Weise klassischen Metal mit Einflüssen aus Grunge, Hip-Hop und Funk verknüpfte, weshalb man sie schnell in die Reihe eines neuen Trends namens Nu-Metal einordnete. Sevendust zeichnet aus, dass die Band durchgehend dieselbe Besetzung beibehält. Das Quintett hat in seiner langjährigen Karriere bereits 14 Studioalben veröffentlicht, und das neue „One“ wurde Anfang Mai dieses Jahres angekündigt! In einer halben Stunde haben sie ordentlich aufgeräumt. Erwartungsgemäß! Lajon bleibt ein wahnsinniger Frontmann! Neben seinem feuerspeienden Gesangsauftritt sorgte er durchgehend mit zusätzlichen Tricks für exzellente Stimmung und fesselte das Publikum mit seiner Charisma blitzschnell an sich. Die Band ist hochgefahren und in bester Form. Der extravagante Schlagzeuger Morgan Rose mit Gesichtsbemalung wütete an seinem Schlagzeug-Set, die Band lieferte einen außergewöhnlich eingespielten Set, durchtränkt von hochoktaniger Energie, durch den man ein unglaublich harmonisches Gitarrenspiel wahrnahm, das wie eine Bombe ultimativer Widerspenstigkeit wirkte. Sevendust hoben das Publikum perfekt in die Höhe, und eine halbe Stunde war definitiv zu wenig für diese Begegnung! Das Konzert eröffneten sie mit dem uralten Black – der Debüt-Single aus dem gleichnamigen Erstlingswerk, das der Band gleichzeitig den Durchbruch brachte. Ein Song, der nicht fehlen darf! In den Setlist integrierten sie auch den brandneuen Track Is This The Real You vom kommenden Album „One“, während der Rest der Spielzeit von Material der Kultplatten „Animosity“ (2001) und „Seasons“ (2003) ausgefüllt wurde. Kilometerzahl, Erfahrung! Man würde diese Band gerne bei einem Soloauftritt erleben, was allerdings einen transatlantischen Flug erfordern würde!
Noch dies: Den Auftritt bestritt die Band ohne den langjährigen Gitarristen Clint Lowery, der die Tournee auf Anraten der Ärzte auslassen musste. Er hatte sich kürzlich Halswirbel verletzt. Seinen Platz übernahm kein Geringerer als der Manager der Band Alter Bridge, Tim Tournier, den der eine oder andere von euch vielleicht auch schon bei einem der Soloauftritte von Myles Kennedy gesehen hat, wo er die Rolle des Bassisten übernimmt (Rockline erlebte ein solches Konzert 21. 7. 2018 auf der Burg Udine).
Daughtry ist eine Band, hinter der die Persönlichkeit des außergewöhnlichen Sängers Chris Daughtry steht. Nachdem er es geschafft hatte, in der fünften Staffel des amerikanischen Talentwettbewerbs unter die besten Vier zu kommen, und nach einer Reihe von Coverversionen bekannter Künstler, mit denen er durch seinen Gesang begeisterte, stieg sein Marktwert schon zu Beginn seiner Karriere rasant an. Deshalb gründete er seine Band und katapultierte sich bereits mit dem gleichnamigen Debütalbum unter die kommerziell heißesten Interpreten der neuen Ära. Daughtry spielten drei Viertelstunden. Im Repertoire dominierten Songs der beiden kürzlich veröffentlichten „Shock To The System“-EPs, die Daughtry einzeln veröffentlichten und die in den letzten zwei Jahren besonders beim amerikanischen Publikum sehr gut ankamen. Die Band reihte im Anfangsteil nacheinander drei der neuesten Singles aus der zweiten „Shock The System“-EP (Divided, The Bottom, The Day I Die), was die Tendenz andeutet, die Band in härtere, treibendere Sphären zu lenken! Massiver, tiefer gestimmter Sound! Und Chris im Mittelpunkt. Man genießt wirklich das Chamäleonhafte seiner Gesangsdarbietung. Die Singles melodiös. Eine nach der anderen, jede mit dem Ertrag einer hoch musikalischen Ästhetik, die zum Mitsingen einlädt. Hymnisch, bombastisch und überwiegend in mittlerem Tempo gehalten. Der Mann hat schon immer mit seiner Wahl an Adaptionen überrascht. Kürzlich überraschte er auch mit einer Adaption eines Songs, der im Original den berühmten AOR-Pionieren aus San Francisco, Journey, gehört, als er sich ihres Evergreens Separate Ways (Worlds Apart) annahm. Dieser Klassiker funktionierte im Repertoire auch in Zagreb fantastisch gut! Ein Moment, der auch ein paar ältere Herren zum Mitsingen brachte, die (wie ich) in den Achtzigern mit dieser Musik aufgewachsen sind. Die Leute drehten die Köpfe, während ich aus voller Kehle die Verse dieses Songs grölte. Klar, im Boćarski dom war ich an diesem Abend definitiv von einem anderen Planeten gelandet! Nicht fehlen dürfen natürlich die Hits vom Debütalbum „Daughtry“ – It’s Not Over und Home, das Chris allein, in einer akustischen Version aufführte. Nach Heavy Is The Crown (Album „Dearly Beloved“, 2021) hatte die Band genug Zeit für eine theatralische Zugabe (die man von einer Vorband normalerweise nicht erwartet), als sie mit einem weiteren neueren Single Artifical zurückkehrte und ihr Niveau einmal mehr unter Beweis stellte. Eingespielheit, Sound, Publikumsinteraktion. Vollkommene Perfektion.
Sowohl Daughtry als auch zuvor Sevendust traten damit zum allerersten Mal überhaupt in Kroatien auf! Das gilt jedoch nicht für Alter Bridge, die Hauptstars des Abends, für die es ihr zweiter Auftritt auf dem Boden unserer südlichen Nachbarin war! Ich möchte hinzufügen, dass keine dieser Bands in Slowenien aufgetreten ist, und das wird wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben. Nun, Mark Tremonti schaffte es mit seiner Band Tremonti, 2018 in Tolmin beim Festival Metaldays aufzutreten (Festivalbericht – dritter Festivaltag), Myles Kennedy hingegen mit Slash am slowenischen Kulturfeiertag 8. 2. 2013, als der berühmte Guns ‚N Roses-‚Frosch mit den Verschwörern‘ in der Hala Tivoli Halt machte (Rockline Konzertrezension).
Es ist 21.15 Uhr! Die Menschen drängten sich in die ersten Reihen. Gedrängt. Der Saal vollgestopft. Ich kann sagen, dass das Venue knapp davor war, als ‚ausverkauft‘ zu gelten. Alter Bridge schlugen erwartungsgemäß mit Material des neuesten Albums „Alter Bridge“ los und sprengten zu Beginn zügig den Putz von den Wänden, als sie mit unfehlbarem Schwung mit der Attacke-Hymne Silent Divide einstiegen. Die Band verblüffte bereits zu Beginn mit der geradezu sprichwörtlichen Perfektion, die das außerordentliche Geflecht aus rhythmischem Groove und einer massiven Klangwand aus Gitarren-Riffs umfasst, in die der außergewöhnliche Myles Kennedy mit seiner vokalen Brillanz eingebettet ist. Myles bestätigte bereits zu Beginn, dass er auch ein sehr, sehr guter Gitarrist ist. Alter Bridge nutzen das dankbar, und Myles ist zwischen den Songs auch mit seinen Soli sehr aktiv! Es folgten die „Fortress“-Favoriten – das düstere Addicted To Pain und danach Cry of Achilles, das die Band im Vergleich zur vorigen Tournee aus der Zugabe in den eigentlichen Eröffnungsteil des Konzerts verschoben hatte. Dieses Zaubern mit Klassikern goss Öl ins Feuer und bestätigte die außergewöhnliche Verbindung zwischen der Band und dem Publikum! Cry of Achilles war auch der erste Moment, bei dem Tremonti und Kennedy (aufgrund einer anderen Stimmung) erstmals während des Konzerts die Gitarren tauschten. Man sollte sich drei magische Buchstaben merken: PRS! Das garantiert von vornherein den Sieg.
Neben dem feuerspeienden Groove und der packenden Klanggewalt, für die der Name Alter Bridge bekannt ist, bleibt von jeher auch die verfeinerte Lieferung bombastischer Refrainmelodien das grundlegende Leitmotiv der Band, die sich sofort unter die Haut schleichen. Genau so war auch die Reihe der übrigen Songs im Repertoire beschaffen. Daher wundert es auch nicht, dass die Band sich in der Vergangenheit mit einem Sinfonieorchester zusammengetan hat. Es handelt sich nämlich um Kompositionen, denen man nichts wegnehmen kann. Und auch nichts hinzufügen. Deshalb verlief das Konzert rasant und mit außerordentlicher Intensität. Die Energie war brillant. Wohin man auch schaute, herrschte absolute Begeisterung. Und Alter Bridge fühlten sich großartig. Deshalb lieferten sie noch das gewisse Tüpfelchen auf dem i, wenn man nicht nur von Konzertroutine spricht, sondern wenn man jede Sekunde beobachten kann, wie die Band mit vollem Schwung alles genießt, was sie auf der Bühne tut. Das dramatische neue What Lies Within und danach der „Fortress“-Klassiker – die Magie lässt nicht nach. Letzteren hatte die Band nach mehreren Jahren wieder ins Konzertrepertoire aufgenommen. Das Publikum springt aufgewühlt und beherrscht ekstatisch auch die Texte (besonders die vordere Hälfte des Saals war extrem aufgeladen). Gerade im finalen Teil des Auftritts zauberte in dieser Hinsicht eine bildhafte Geschichte die akustische „Blackbird“-Ballade Watch Over You, bei der der gesamte Saal Myles‘ feinfühligen Gesang begleitete.
Mit Ausnahme der drei neuen spielte die Band überwiegend Songs aus der ersten Schaffensphase (die ersten vier Alben). Fair enough. Burn It Down vom Debütalbum ist ein Song, der auf vielen Alben der Grunge-Ära seinen Platz finden könnte. Bei dem Song wirkten beide – Mark und Myles – am Gesang mit. Ähnlich eröffnete auch Mark die erste Strophe im neueren Tasted And Able mit seinem Gesang.
Vor dem „One Day Remain“-Klassiker Metalingus pilgerte auf Betreiben von Myles aus dem Publikum ein lebensgroßes Pappaufsteller-Bild des kanadischen Wrestlers Adam Copeland heran, bekannt unter dem Spitznamen Edge! Myles schwor dem humorvollen Besitzer dieser Statue, dass die Band sie ihm sofort zurückgeben würde. Tremonti und Edge sind nämlich langjährige Freunde. Tremonti trägt auf einer seiner Gitarren auch einen Aufkleber mit dem Konterfei des Wrestlers, und Metalingus wurde berühmt, weil Edge sie jahrelang als musikalische Untermalung bei seinem Einzug in den Ring verwendete. Damit führte er – ob gewollt oder ungewollt – auch viele Menschen zum Namen Alter Bridge. Ein Moment, der im großen Finale das Publikum zusätzlich anheizte und gerade zum Schluss einen stimmungsmäßigen Siedepunkt lieferte. Die Atmosphäre war außergewöhnlich.
In der Zugabe widmete sich die Band zunächst dem dramatischen, düster rollenden Blackbird, bei dem Myles durch schrittweise gesteigerte Atmosphäre einmal mehr besonders mit seiner außergewöhnlichen vokalen Überlegenheit verblüffte, gefolgt vom weiteren „AB III“-Klassiker, dem kraftgeladenen Isolation, das auch den endgültigen Abschied der Band brachte.
Was lässt sich zum Schluss sagen? Alter Bridge lieferten genau das, wofür wir gekommen waren und wofür man sie seit den Anfängen ihrer Karriere verfolgt. Sie lieferten ein neues, einzigartiges Konzerterlebnis. Ein bombastischer, eine Stunde und 40 Minuten dauernder Gig, bei dem in höchst ausgeschliffenem Perfektionismus des klanglichen Hochseilakts das makellose Format der Bühnenpräsentation, die brillante Würze des riesenhaften Grooves verfeinerte rhythmischer Kulinarik und die vernichtende Leistung des Gitarrenspielens einander die Hände reichen, und mitten in alledem findet mit seiner vokalen Wucht auf einzigartige Weise der brillante Myles Kennedy seinen Platz. Persönlich haben mich Alter Bridge mit diesen Attributen bereits beim ersten Treffen (im Juni 2008) ‚vergiftet‘, als ich inmitten der glühenden pannonischen Felder des äußersten Ostens Österreichs, beim Nova Rock Festival, ohne besondere Erwartungen und in völliger Ungläubigkeit, ihren Auftritt verfolgte.
Wenn du dazu noch die Gesellschaft der beiden Vorbands Sevendust und Daughtry rechnest, hast du für den Eintrittspreis von 52,00€ von diesem Konzert viel, viel mehr mitgenommen, als die meisten hoch etablierten Künstler von Weltrang heute zu liefern bereit sind. Ein herzliches Konzerterlebnis also, nach dem du dich zu Recht fragst, ob es überhaupt noch besser gehen kann.
Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen









































































