10 verrückte Jahre! (2018)

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Autor: Primož Novak

Ort: Ljubljana / Cankarjev Dom / Slowenien
Konzertdatum: 24.03.2018
Kartenpreis: 15€/18€/20€/24€

Prismojeni profesorja bluesa braucht man eigentlich nicht mehr vorzustellen. Das unermüdliche Quartett hat in den letzten Jahren praktisch in jeder Klitsche gespielt. Zahlreiche Auftritte im Ausland lagen hinter ihnen. Nach Jahren der Ausdauer schaffte es die Band schließlich auch in Ljubljanas Križanke. Vor zwei Jahren erblickte das Debütalbum Family das Licht der Welt. Trotz des Erfolgs des Debüts entschieden sich die Jungs, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen – ganz anders als so manche slowenische Band, die ein Debüt rausbringt und dann auf den Weltruhm wartet. Es folgte die Liveplatte »Križanke – Live«, auf der es einiges an neuem Material gab. Doch in den Köpfen steckte bereits das neue Studioalbum, das seine Premiere beim Konzert im Cankarjev dom feierte – wo die Band gleichzeitig ihr 10-jähriges Bestehen beging. Also gleich zwei Gründe, warum dieses Konzert etwas ganz Besonderes werden musste.

Die Band hatte im Vorfeld durchblicken lassen, dass sie mit vielen Gästen auftreten würde – an ein Routine-Konzert war also nicht zu denken. Bei Prismojenci ist ohnehin bekannt, dass sie auch mal drei Stunden oder länger spielen können, weshalb das Konzert im Cankarjev dom auch so angekündigt wurde, dass die Besucher sitzen und sich ganz der Musik hingeben sollten – obwohl die verrückte Epopee einiges an Konzertausdauer abverlangte. Im Mittelpunkt stand also die Musik pur, kein Tresen, kein Raucherbereich – nur Prismojenci und ihre Gäste. Ein riskanter Zug, denn Blues kann durchaus anstrengend sein, aber so wie Prismojenci ihn verpacken, ist Blues alles andere als trocken.

Die Band eröffnete ihr langes Set mit der Neuheit Poorboy, um danach auf das Debüt zurückzugreifen und einige Songs daraus zu spielen. Es dauerte nicht lange, bis die Band den ersten Gast auf die Bühne holte: Andraž Mazi, der auf einem ganz besonderen Instrument spielte – der Pedal-Steel-Gitarre. Damit gewann der Sound von Prismojeni eine weitere Dimension und unterstrich noch einmal ihre Einzigartigkeit. Die Gäste wechselten danach ständig. Es gesellten sich Domen Gracej an der Trompete, Jasna Kmetec am Saxofon und Andrej Tomazin an den Congas hinzu, mit denen ein Reigen von Songs gespielt und natürlich auch gejammt wurde – das ist bei der Band ja Standard. Noch eine Nuance mehr brachten die Keyboards von Aleš Uhan. Die Band streifte mit ihrem Repertoire durch alle möglichen Genres. Man hörte Blues Rock nach britischem Vorbild, auf der anderen Seite auch im Stil des Delta Blues. Als Basis mag Blues stimmen, aber es gab konkrete Ausflüge in Soul, Funk, Country, psychedelischen Rock und noch einiges mehr. Mit den Gastmusikern und den zusätzlichen Instrumenten demonstrierten Prismojenci, wie offen Blues eigentlich ist – dabei purzelten so manche Klischees.

Natürlich gab es auch diesmal keine Show ohne Cover. Hendrix‘ Song Voodoo Chile ist inzwischen ein fester Bestandteil und wurde mit beeindruckender Präzision und Authentizität gespielt. Gitarrist Julijan Erič hat praktisch jeden Handgriff der Gitarrenlegende einstudiert. Aber es wäre unfair zu behaupten, dass beim Konzert nur Julijan geglänzt hätte. Prismojenci funktionieren als Einheit – jedes Mitglied spielt seinen Part hervorragend. Vor allem ist die Kommunikation untereinander und die außergewöhnliche Eingespielheit hervorzuheben. Miha Erič war erneut souverän an der Mundharmonika und beim Gesang. Er setzte sich auch noch an die lap steel Gitarre und bereicherte damit das ohnehin schon vielfältige Repertoire noch weiter. Auch die Rhythmussektion begeisterte durchgehend. Schlagzeuger Zlatko Đogić half die ganze Zeit über mit Gesang aus, unterhielt das Publikum mit witzigen Ansagen und gönnte sich in über drei Stunden nur eine kurze Pause – nämlich dann, als das Bass-Solo von Miha Ribarič auf dem Programm stand, das er noch mit einem Rap von Fuck the Police von N.W.A. krönte. Kurz gesagt: Prismojenci kennen keine Grenzen.

Gastmusiker gab es einige. Bei mehreren Songs half auch Gitarrist Grega Smola Crnkovič mit, der auch an der Aufnahme des aktuellen Albums der Band beteiligt war. Wenn Julijan Erič mit dem Hendrix-Stil begeisterte, dann Crnkovič mit dem Stil von Stevie Ray Vaughan. Das Solieren beider Gitarristen war ein echter Leckerbissen für alle Fans von Gitarrenvirtuosität. Das Saxofon war schon früher vertreten, doch dann kam auch noch Lovro Ravbar hinzu, der mit seinem virtuosen Auftritt eindrucksvoll unter Beweis stellte, was er auf dem Instrument draufhat.  

Das Konzertprogramm war zweifellos üppig, für manchen Besucher aber auch zu lang – was sich nach zweieinhalb Stunden am Abgang einiger Gäste zeigte. Die Band begann gegen Ende selbst zu merken, dass die Zeit des Abschieds langsam nahte. Doch es gab noch eine Überraschung, die den lautesten Applaus des Abends erntete. Pero Lovšin betrat die Bühne und sang mit der Band den Song »Na svoji poti« – damit bekam das Konzert noch das Tüpfelchen auf dem i.

Trotz des langen Konzerts wurde die Band nach drei Stunden nochmals auf die Bühne gerufen. Nach der Vorstellung aller Mitglieder und Gäste gab es noch einen letzten »Jam« – damit fand die lange Epopee ihren würdigen Abschluss, und gleichzeitig war das neue Album »Wacky Blues Professors« der Welt vorgestellt.

Prismojeni profesorja bluesa haben mit ihrem Konzert im Cankarjev dom, bei dem sie 10 Jahre ihres Bestehens feierten, einmal mehr ihre unglaubliche Einzigartigkeit und Authentizität bewiesen – in Slowenien ist ihnen niemand ebenbürtig. Die Band steckt voller unerwarteter Wendungen, kann ernst sein, kann sich aber auch prächtig selbst auf die Schippe nehmen. Sie können Einfaches genauso wie Anspruchsvolles bieten. Grenzen gibt es keine, dafür aber eine progressive Denkweise, die sie noch weit bringen wird – vorausgesetzt, die Band bleibt diesem Kurs treu.

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