Življenje v Čipkah

0 7

Interpret: Bordel
Label: Racman
Veröffentlichung: 2007

Življenje v čipkah vom Quintett Bordel ist wieder einer dieser gargantuesken Versuche, dem sinnlos vollgekritzelten slowenischen Publikum das Wesen des Rock ’n‘ Roll näherzubringen. Ein ambitionierter Plan, der den Keim des Scheiterns aber schon von Anfang an in sich trägt. Das erste Problem ergibt sich nämlich aus der unangenehmen Erkenntnis, dass in Bordel ungefähr so viel Rock ’n‘ Roll steckt wie Stalinist in Hitler. Ihr Sound erinnert weniger an ein furchteinflößendes Musikmonster als an eine schwer verdauliche Mischung aus der alten Schule à la Divji Kojoti und der strunzdummen Lyrik der moderneren, dilettantischen Sexy-Szene im Stil von da phenomena. Das Tüpfelchen auf dem i dieser lächerlichen und völlig geschmacklosen Anbiederei ist das verirrte lyrische Herumtapsen durch kritische Gesellschaftsbetrachtung, die in der für heutige Zeiten typischen, für den Durchschnitts-Slowenen Joža offenbar bestens verständlichen Verklemmtheit auch noch von einer nervig glattpolierten Produktion abgerundet wird.

Življenje v čipkah ist ein furchtbar inkonsistentes Produkt, das neben einem unverdaulich klischeehaften Titel, den man sich mit einer möglichen, aber trotzdem kaum glaubwürdigen Begeisterung für die Klöppelkunst aus Idrija auf der einen oder eben als direkten Beleg für die gleichgeschlechtlichen Neigungen der Jungs auf der anderen Seite erklären kann, herzlich wenig bietet, oder, um ehrlich zu sein, so gut wie gar nichts. Mit Ausnahme der ausgesprochen scharfen „Ostan Kakor Si“, die in dieser inhaltlich leeren Kollektion zweitklassiger Rocker-Füller definitiv die meisten Sympathien einsammelt, bleibt die Fünferbande die ganze Zeit in einem bizarren Labyrinth aus Pseudo-Rebellion und untröstlicher Trauer um längst gescheiterte Lieben gefangen, umrahmt von obendrein hirnrissigen, slang-inspirierten Texten im Stil von „U Parku“. Nehmen wir nur mal das hier: „mal u parku sem se ušetu, naletu na prjatle tri. En je molu, drug je ubolu, tretmu se vse dobr zdi“. Jungs! Wenn hier jemand ubolu ist, dann definitiv ihr! Die bizarre Ich Liebe Dich stellt langsam den Sinn infrage, Geld und Zeit für diese – ich zweifle nicht daran – im Privatleben sehr netten Burschen zu verschwenden, denen es mit dem durchschnittlichen „Nov Obraz“ endlich gelingt, diesem komisch „spitzenhaften“ Musikkränzchen eine Prise Raffinesse hinzuzufügen. Amüsante Momente, aber leider lassen uns die „Bordelovci“ im Rest des Albums wieder um langweilige und oft unausgereifte Motive kreisen, ohne irgendeinen protzigen Charakterausdruck oder wenigstens eine Andeutung von Erotik, wie man sie dem Cover nach auf den ersten Blick als Exportschlager erwarten würde. Stattdessen versteht man Rock ’n‘ Roll hier als instinktives, pubertäres Losrocken durch „Še En Zamah“, „Odspodi Navzdol“ und den gelangweilten Titeltrack, von Tinas Wiederbelebung des Design-Mythos will ich gar nicht erst reden. Wie auch immer: Življenje v čipkah erzeugt, gewollt oder ungewollt, eine überaus verzichtbare Rocker-Mischung, die allenfalls als netter Beleg für die nostalgische Rekonstruktion der slowenischen Rockszene der Neunziger taugt, als Bands wie Bordel mit ihrem Getöse Passanten praktisch aus jeder etwas größeren Ljubljaner Kaschemme verscheuchten.

Besetzung

Stane Vrbek: Gesang, Gitarre
Bogo Pretnar: Gitarre
Tomaž Zajšek: Bass
Uroš Drobež: Orgel, Synthesizer
Janko Orešič: Schlagzeug

Produktion

Aco Razbornik

Tracklist

1.Še en zamah
2.Odspodi navzdol
3.Življenje v čipkah
4.Ostani kakor si
5.Kdo je to?
6.Tina
7.U parku
8.Nov obraz
9.Pred menoj ni več ovir
10.Ich liebe dich
11. Dildo

Spieldauer des Albums: 38.42

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