Zaklonišče prekipeva auch im Orto bar (2014)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 24.04.2014
Besucherzahl: 90
Ist die Demokratie überhaupt vergänglich? Wahrscheinlich ist sie eine der größten Lügen, an die manipulierte Massen glauben – und die sich partout nicht auf den Müllhaufen der Geschichte spülen lassen will. Zaklonišče prepeva bleiben in dieser Hinsicht große Optimisten und Idealisten! »Samo da prođe demokratija (i da zaživimo kao ljudi)« ist das neue Album der Band (RockLine-Rezension HIER). Das erste seit fünf Jahren. Es unterstreicht die Reifung der Bandmitglieder, die damit bis heute ihr klanglich detailliertestes Werk abgeliefert haben – schön beladen mit einigen starken Rock-’n‘-Roll-Kompositionen und inhaltlich mit schelmisch-scharfen Beobachtungen über die gesellschaftlichen Verirrungen unseres kleinen Staatswesens. Zaklonišče prepeva bleiben also weiterhin ihrer musikalisch-bekenntnishaften Vision treu, die sie vor fast zwei Jahrzehnten begründet haben.
Das neue Album, das Ende Februar dieses Jahres erschienen ist, bekam nun also auch eine Präsentation im Rahmen des diesjährigen Ortofest! Die Truppe aus dem uns wohlbekannten Zaklonišče, angeführt von der legendären Stimme Vanja Alič, wurde auf der Bühne begleitet von: zuerst, von der linken Seite, dem bekannten Weltenbummler »Mičo Muriqui« (Mitja Marussig) am Bass, dann im Uhrzeigersinn weiter Gitarrist Miha Jerovec, Schlagzeuger Uroš Buh und Keyboarder Peter Baroš – und die haben von der ersten bis zur letzten Minute eine außerordentliche Kompaktheit geboten, die das Ergebnis großer Erfahrung und langer Fahrtstrecke ist. Mit routinierter, federleichter Spielfreude.
Unterhaltsam bleiben. Keineswegs griesgrämig, sondern auf sympathisch-spöttische Art, was sie ewig jung hält. Wie sie es immer waren. Sie klopfen auch an die Herzen der Nostalgiker. Ihre Botschaft wird von Tag zu Tag aktueller. Vergangenheit und Gegenwart. Zaklonišče prepeva sind zweifellos eine jener Bands, der das Attribut „immergrün“ zu Recht anhaftet. Ohne tiefe Philosophie reiten sie direkt drauf los! Auf den Fundamenten, die der jugoslawische Rock der Achtziger gelegt hat, mit dem unverkennbaren Aličschen Prosatext auf Serbisch, der auch in neuen Zeiten die Begeisterung für Bands wachhält, die den Rock-Mainstream des einstigen gemeinsamen Staates prägten – allen voran Riblja Čorba, Bajaga, und natürlich darf man dabei einen der scharfsinnigsten serbischen Liedermacher nicht übergehen: Đorđe Balašević usw.… Erstmals wirklich – oder besser gesagt: konkret – katapultierte die Band die Anwesenden im Orto bar in die Luft, als sie sich an das schon zur Volksmelodie gewordene Žitje Miće Muriquija machte. In diesem Moment fing der Boden der oberen Räume des Orto bar an, sich gefährlich zu biegen und zu lockern. Der ganze Club hüpfte bald wie aus einem Guss! Und sang mit! Jeden einzelnen Vers zusammen mit Alič! Und das ganze Geschehen schaltete in der Stimmung mit einem Schlag mehrere Gänge höher. Plötzlich konnte man diese typische Energieverbindung spüren, die sich in solchen Momenten zwischen Publikum und Band spinnt. Und das ist der Garant dafür, dass so ein Konzert auch nach seinem Ende noch eine gute Weile ein Bündel starker Eindrücke und Gefühle hinterlässt. Das ist auch der Grundauftrag jedes Konzertauftritts. Wenn du den erfüllst, bist du aus dem richtigen Holz geschnitzt.
Der charismatische Vanja, der mit den Jahren als Frontmann reift wie ein guter alter Wein, leistete sich zu Beginn des hervorragenden neuen Stücks Samo da prođe demokratija einen kleinen Versprecher. Es wirkte, als hätte er versehentlich die erste Zeile eines anderen, ebenfalls neuen Stücks genommen. Još uvek pomislim na tebe hat beispielsweise eine ähnliche melodische Entwicklung in den Strophen wie das Titelstück. Das Publikum hat das überhaupt nicht interessiert – es war für eine gute Party gekommen! Auch der Akkordeonist Tomaž Rožanec betrat die Bühne, um das Titelstück des neuen Albums zu würzen, aber von dem guten Mann war absolut rein gar nichts zu hören. Zwar war die Gitarre während des Konzerts ständig zu laut, aber zumindest an der Bar war das Klangbild tadellos, kompakt und knackig – ganz nach dem Rock-’n‘-Roll-Prinzip der adrenalingetriebenen Marschierkraft.
Eine tolle Party! Zaklonišče prepeva werden natürlich von den „Hitchen“ zusammengehalten, wegen derer das Publikum auf ihre Konzerte kommt. Das Gros der Leute kam natürlich ähnlich wie vor ein paar Tagen beim Konzert ihrer Landsleute Avtomobili aus dem Görzer Raum (mit dem Unterschied, dass Avtomobili den Orto bar ausverkauft hatten – RockLine-Reportage HIER). Von der Lausbuben-Hymne Mičo Muriqui ide u Holivud über Jugoslavija blues, bei dem der versierte Peter Baroš am Saxofon und an den Keyboards glänzte, bis hin zum Abschluss mit Sellam alejkum, Glasajte za nas, Odoh majko u rokere und am Ende des Setlists Prokleta je duša slovenska – die Band ließ die Anwesenden in echtem Delirium zurück. Zaklonišče prepeva hatten nämlich das allerbekannteste Stück noch nicht gespielt. Also heben sie im Encore das Publikum noch einmal mit einer Wiederholung von Žitje Miće Muriquija in die Luft und stillen die Menge zum Schluss mit der erwarteten Balaševičschen Računajte na nas.
Eine feine Rock-’n‘-Roll-Party, veredelt durch die saftige Kultur des rebellisch-predigerischen Dossiers einer Band, die das Wesen des Rock meisterhaft nutzt, um alle Gefühle der Ungerechtigkeiten unseres Alltags auszusprechen und auf diese Weise mit ihrer Kreativität die Umgebung aufzurütteln. Apathie, Gleichgültigkeit, die immer schlimmer werdende Uniformität, die uns von Tag zu Tag in den Abgrund zieht – das sind ernste Dinge! Zaklonišče prepeva sind immer noch voller Energie und schelmisch-lucider Heiterkeit, die durch ihren Humor und ihre destillierte Frotzelei über viele bittere Erkenntnisse predigen, die uns alle im Laufe der Jahre ihren bleibenden Stempel aufgedrückt haben! Kein Wunder, dass auf die Frage, die Zaklonišče prepeva vor der Aufführung von Samo da prođe demokratija ans Publikum stellten, für wen sie seien: »Für Jugoslawien oder für die Demokratie?« – der ganze Orto bar wie aus einer Kehle schrie: Für Jugoslawien (die Demokratie wurde mit finsterer Stille bedacht). Eine ziemlich logische Reaktion der Jungen – eine Geste des Misstrauens gegenüber jenen, die offiziell einen neuen „Staatsapparat“ ausgerufen haben, in Wirklichkeit aber ein profitables Unternehmen zum Wohlstand von 200 Leuten betreiben, wegen dem wir alle in zwanzig Jahren vom Pferd auf den Esel gefallen sind.
Setlist
- Ljubav na poslednji pogled
- Još uvek pomislim na tebe
- Volim te
- Žitje Miće Muriquija
- Samo da prođe demokratija
- Hasan iz azila
- Ostani tu pored mene
- Niki je opet tu
- Hoču da živim
- Mičo Muriqui ide u Holivud
- Jugoslavija blues
- Stavite me u ljubavnu školu
- Sellam alejkum
- Glasajte za nas
- Odoh majko u rokere
- Prokleta je duša slovenska
—Zugabe— - Žitje Miće Muriquija
- Računajte na nas
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