Vier höllische Kronen! (2013)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Channel Zero, Ljubljana
Konzertdatum: 09.05.2013

Letzter Donnerstag stand wieder im Zeichen eines Metal-Konzerts, nur dass sich die häufigste Spielstätte der letzten Monate, der Orto bar mit der Kadilnica of Death, diesmal gegen die Metelkova und den Channel Zero getauscht hatte. Und ein Quartett von Acts unter dem gemeinsamen Namen Covenant of the Undivine pt. 2.

Der Abgrund öffnete sich um neun Uhr erstmals mit dem Auftritt der karstischen Gorge of Cerberus, die noch vor Kurzem als Goatblood bekannt waren. Trotz der Namensänderung bleiben die Karstler fest im urwüchsigen Black Metal verwurzelt und sind so gnadenlos wie der Boden, dem sie entstammen. Das Quartett spielte in einer halben Stunde ein solides Set aus rauem, primitivem Black Metal voller surrendender Gitarren und Bass sowie unaufhörlichem Blast-Beating – allzu Originelles oder Frisches hatten sie nicht im Gepäck, doch ihre Bösartigkeit im Schein roter Lichter und mit dem scharf knurrenden Gesang wirkte trotzdem überzeugend und ungestellt. Gorge of Cerberus veröffentlichten genau am Abend des Konzerts ihr erstes Demo Morbid Nekro Possession und spielten daraus auch alle vier Stücke.

Die Postojnaer Speed/Heavy-Metal-Maniacs Vigilance stachen diesmal musikalisch besonders heraus, da sie zwischen drei vollblütige Black-Metal-Bands platziert waren, haben sich aber »ideologisch« mit dem restlichen Trio zu einer einzigen höllischen Brühe verschmolzen. Vigilance gehen auf ihrem kommenden Album Queen of the Midnight Fire, das in zwei Tagen erscheint, nämlich auf okkulten Pfaden Hand in Hand mit dem Teufel. Die Jungs haben seit der EP Steeds of Time einen langen Weg zurückgelegt und sich auf dem Debüt vollständig in Gewässern eingerichtet, die ihnen offensichtlich verdammt gut liegen. Nicht nur das: Vigilance sind wahrscheinlich die heimische Band, die in relativ kurzer Zeit den größten Sprung nach vorne gemacht hat – sowohl beim Schreiben von Eigenmaterial als auch bei den Konzertaktivitäten. Die Jungs haben sich auf der Bühne vollständig eingelebt und ein echtes Headbanging-Ritual mit Songs vom kommenden Album und der EP hingelegt. Besonders begeistert hat trotz des schlechten Sounds Sänger Jakob, der eine wahre stimmliche Bestie war – er findet sich sowohl in hohen als auch in mittleren Lagen zurecht, kann aber auch aggressiver klingen und macht sich zudem souverän als Moderator zwischen den Songs. Vigilance überzeugten diesmal am stärksten in den ausgedehnten instrumentalen Passagen, in denen Gilians durchdachte Riffs und das tiefe, abwechslungsreiche Rumpeln von Anžes Bass voll zur Geltung kommen. Wir können die »Release Party« kaum erwarten, die am 18.5.2013 im MC Postojna stattfinden wird.

Um elf Uhr betraten die heimischen Black-Metal-Schwergewichte Somrak die Bühne und verlegten die »Witching Hour« kurzerhand auf elf. Dass es sich um eine der bekanntesten und aktivsten Black-Metal-Bands auf heimischem Boden handelt, zeigte bereits das zahlreichste Publikum des Abends, das die Band und ihr düsteres Ritual auch relativ aktiv verfolgte. Wer Somrak schon gesehen hat, weiß genau, was er von ihnen zu erwarten hat – und auch diesmal war es nicht anders. Somrak begannen ihr musikalisches Massaker auch diesmal mit dem einleitenden Ritual des Sängers J.D., der danach durchgehend im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. Der schon fast allzu theatralisch veranlagte Sänger trank während des Konzerts erneut aus dem Kelch, erschreckte mit Grimassen und Bewegungen, die an die besessene Regan aus dem Exorzisten erinnerten, und auch das Zerreißen von Buchseiten und Blutspucken durfte nicht fehlen. Somrak veredeln ihre schwarze Messe live mit einer hervorragenden Performance des Materials; diesmal dominierten vor allem Stücke vom aktuellen Album The Blackwinged Serpent Crowned, während der von Haaren verdeckte Gitarrist und Bassist im Hintergrund rituell vor allem die Finger über ihre Saiten wandern ließen. Der gute Sound kam der Band zugute – man konnte sogar den Bass klar hören, dessen Linien der Gitarre zwar treu folgen, aber trotzdem. Nach der knapp einstündigen schwarzen Messe kam auch die Zeit für den letzten Gesang, und kurz vor Mitternacht nahm die Dunkelheit Somrak mit sich.

Auch mit den letzten Auftretenden, der istrischen Band Ater Era, blieben wir fest in Black-Metal-Gewässern verankert, aber mit einer viel ausgeprägteren Atmosphäre, die stellenweise durch fast psychedelische Passagen bereichert wird. Das Trio ist zuletzt konzertmäßig recht aktiv, da es sich auf die Veröffentlichung des neuen Studioalbums Beneath Inanimate Grime vorbereitet, das bereits in etwas mehr als einer Woche erscheint. Einen guten Teil davon haben uns Ater Era diesmal bereits vorgestellt, und zwischendurch griffen sie wie eine Bora auch mit Songs vom Debüt an. Ater Era sind zwar im alten, urwüchsigen Black Metal à la Darkthrone verwurzelt, bereichern ihn aber mit originellen Ambient-Passagen, die auch in andere Genres greifen – stellenweise Doom Metal, vor allem aber atmosphärische und psychedelische. Gerade dank Letzterem nähern sich Ater Era Bands wie Negura Bunget, klingen dabei aber völlig eigenständig. Das Verdienst dafür liegt vor allem in S.S.s einzigartigen Gitarrenkapriolen, die dich eine Weile lang mit wildem Gezupfe in alle Richtungen schleudern, um dann schlagartig eine massive Wand hypnotischer Gitarrenlinien vor dir aufzutürmen, die dich ins Auge des Orkans bläst. Außerordentliche technische Versiertheit und ein außergewöhnliches Gespür für das Songwriting besitzt diese Band, die zweifellos zur absoluten Spitze des heimischen Extreme-Metal-Schaffens gehört. Nicht nur im heimischen Rahmen – Ater Era greifen mühelos nach den Spitzenpositionen unter den neueren Black-Metal-Bands! Die Spitzenvorstellung der Band hat uns aus dem regnerischen Ljubljana direkt in die gnadenlose Natur der istrischen Landschaft entführt und damit dem donnerstäglichen Pakt der Gottlosen das i-Tüpfelchen aufgesetzt!

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