„Valovci“ und Niet teilten sich Studio 14 (2012)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Studio 14 / Slowenien
Konzertdatum: 19.11.2012
Besucherzahl: 200
Eintrittspreis: 0,00€ (freier Eintritt)
Seit 2008 wird der Aufruf von Vala 202 »Hočemo dobro glasbo« zur erfolgreichen rituellen Verkörperung, die jedes Jahr eine Compilation-CD hervorbringt, auf der heimische Künstler ihre künstlerische Reichweite vorstellen. Vor allem ist dieser Schachzug als Sprungbrett für jene Künstler überaus willkommen, die neu und frisch sind und in den Anfangsschritten ihrer kreativen Karriere konkrete Unterstützung für ihre Etablierung brauchen – sowie eine Art wegweisenden »Feedback« als Hilfsmittel zum »Polieren« der eigenen unverwechselbaren künstlerischen Sprache.
Das einladende Ambiente des Studio 14 vereinte diesmal zwei Events. Die offizielle Präsentation der diesjährigen Version der »Valovske«-Compilation »Imamo dobro glasbo!«, gefolgt von der ersten offiziellen Konzertpromotion anlässlich des Erscheinens der neuen CD der Punk-Rocker Niet mit dem Titel »Rokovnjači«. Also zwei Fliegen mit einer Klappe.
Nach der Eröffnungsansprache der Macher der diesjährigen Compilation reihten sich auf der Bühne nacheinander drei Vertreter der heimischen Szene auf, die nach der Wahl der Jury ebenfalls ihren Platz darauf gefunden hatten – nämlich die Indie-Rocker Bo!, primorske gore list und Rapper Valter sowie der untröstliche Melancholiker aus Kočevje Gaber Brin mit seiner Begleitcrew. Sie spielten jeweils zwei Songs: einen nach eigener Wahl, den anderen jenen, den ihr auf der Compilation findet. Eine amüsante Ouvertüre vor dem Auftritt von Niet, der unmittelbar danach folgte.
Niet haben inklusive Zugabe gerade mal 40 Konzertminuten »verbraten«, eher eine weniger. In diesem Zeitrahmen spielten sie das komplette Album »Rokovnjači« und rührten in der Zugabe mit den Klassikern Lep dan za smrt sowie Februar an die Gefühle der Anwesenden. Das Auftreten und der Beitrag des Buldožer-Veteranen Borut Činč gewinnt für Niet in der neuen Ära zunehmend an Bedeutung. Nicht nur, dass der legendäre Musiker und Tonmeister für Niet im Studio die Klangregler bei der Gestaltung des Sounds der Songs bedient – mit seiner Auffassungsgabe und Erfahrung hilft er auch dabei, die Arrangements der Songs mitzugestalten, die ausgereift auch mit seinen Keyboards ausgestattet sind (das obligatorische Buldožer-Hammond lässt sich natürlich nicht umgehen).
Ansonsten ist das »Quintett plus Činč« in jeder Hinsicht voll souverän. Von der Opener-Nummer Bogatun, die auch die erste Präsentationssingle des Albums »Rokovnjači« ist, bis zum Ende des Auftritts. Erwähnenswert ist, dass die Musik des Albums auch in eine neue Theaterinszenierung von Jurčičs Geschichte »Rokovnjači« eingeflossen ist – ein Produkt der Zusammenarbeit zwischen dem Slovensko narodno gledališče aus Nova Gorica und dem Prešernovo gledališče Kranj. Das Album »Rokovnjači« lässt sich also nicht »schwarz-weiß« betrachten in dem Sinne, dass es sich um ein klassisches Studioalbum handelt. In erster Linie ist es die Vertonung einer Theaterinszenierung. Man könnte sagen, Niet haben dabei ein »Punk-Musical« geschaffen – das sich aber natürlich anders anfühlt, wenn Borut Marolt am Mikro steht. »Neuzeitlich-Nietesk!«
Angesichts dieses stimmigen Schachzugs wird es spannend sein zu beobachten, wie sich der echte Studioalbum-Nachfolger von »Trinajst« (2010) im Test der künstlerischen Reife schlagen wird! Niet haben nach der zügigen Präsentation des Albums »Rokovnjači«, bei der die immer unverzichtbarere Severa Gjurin als Special Guest für ein Duett mit Marolt in einem der Songs gegen Ende des Repertoires einsprang (kürzlich half sie auch Avtomobili beim 30-jährigen Jubiläum im Cankarjev dom), erwartungsgemäß das Publikum mit den bewährten Klassikern Lep dan za smrt und Februar in der Zugabe zum Aufstehen gebracht und dieser Veranstaltung damit das gewünschte »i-Tüpfelchen« geliefert.
Setlist
1. Bogatun
2. Otroške roke
3. Dva čevlja od tal
4. Bratje svinjsko trdih rok
5. Naj crkne rokovnjač
6. Pod staro jablano
7. Balada za obešence
—Zugabe—
8. Lep dan za smrt
9. Februar
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