Unicorns We All Chase
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Broken Lock
Label: ZARŠ Records
Veröffentlichung: 2015
Spielzeit: 33:43
Wertung: 4/5
Broken Lock, die langlebige, knurrende Band aus dem belokrainischen Črnomlje, kehrt mit einem neuen und insgesamt vierten Studioalbum namens »Unicorns We All Chase« auf die Szene zurück. Die Band, die bereits seit zwanzig Jahren existiert, kann auch auf dem neuen Album damit auftrumpfen, ihren Stil und Sound unaufhörlich zu transformieren – was sie erneut auf völlig eigenwillige und einzigartige Weise präsentiert. Broken Lock bleiben also auch mit »Unicorns We All Chase« absolute Rock-Exzentriker, nicht nur im slowenischen Raum, sondern auch im weiteren, ja sogar weltweiten Sinne. Das ist das Wesen jeder Ausdrucksform in dieser oder jener Kunst. Es scheint, als würden Broken Lock mühelos eine der wesentlichen Anforderungen erfüllen, wenn wir von gesundem, evolutionär authentischem musikalischem Artismus einer beliebigen Band dieser Galaxie sprechen.
War der Vorgänger „Want to Exit This Ergastulum?“ noch deutlich experimentell ausgerichtet und passte das Wort Crossover mehrfach treffend zu den Empfindungen, die das vorherige Werk ausstrahlte, so liebäugelt die Gruppe mit dem neuen Album erneut flüchtig mit ihren Anfängen, mit den Wurzeln. Das bedeutet nicht, dass die Band manisch in verstaubten Ideenarchiven wühlt, um Vergangenes neu zu erschaffen – vielmehr weckt das Album dieses Gefühl durch die bewusste Verdichtung und das Beschneiden der Arrangements zu sinnvoll abgerundeten, kompakten Einheiten, die sich so wieder auf das Freisetzen größerer Dezibelmengen konzentrieren. Stellenweise auch beißend donnernd, dem Verschmelzen vielfältiger Empfindungen von Dystopie und Entfremdung hingegeben, denen eine Vokalperformance Leben einhaucht und Bedeutung verleiht, die sich auch in Post-Grunge-Sphären bestens behaupten würde.
Das neue Album erinnert deshalb auf höchst sympathische, unaufdringliche und unbewusste Weise an die ersten Schritte der Band, als sie noch in den ursprünglichen Nischen des Stoner Rock und HC schuf. Wegen der Verdichtung der Arrangements. Dennoch ist die Prämisse der experimentellen Herausforderung stets klar spürbar, und die Band überrascht mit einer einzigartigen musikalischen Kulisse eines äußerst saftigen und ungewöhnlichen musikalischen Konglomerats, in dem sich im gegenseitigen Dialog auch Elemente von Sludge und Mathcore stets versöhnlich die Hände reichen. Die Rhythmen sind ständig gebrochen, der Sound zerstörerisch aufgebracht, die Gitarrenriffs sind in der mild metallisch-trash-durchzogenen Sphäre stets dröhnend spöttisch und liefern eine Portion befriedigender Aggressivität, mit dem zurückgehaltenen Moment garagemäßiger Dreckigkeit und stonerischer Verbissenheit. Kein Wunder, dass Broken Lock in ihrem ungewöhnlichen musikalischen Schuhwerk, dem man beim besten Willen kein griffiges Genre-Schubfach verpassen kann, die Zuneigung von Fans eines breiten Spektrums des Genre-Schmelztiegels gewinnen können, von ähnlicher Genre-Unfassbarkeit, von den verrückten norwegischen Experimentierern Shining bis hin zu Mastodon, Voivod oder sogar Alice in Chains.
Die Band bewahrt auch auf dem neuen Album das höchst ansprechende und willkommene Element unvorhersehbar kühner Wendungen in der Vermittlung von Stimmungszuständen. Zum Beispiel die erkundende Passage in Untying Knots (genau dann, wenn die Jungs aus dem aufgeschäumten Riffing herausreiten), wo die aktive Basslinie die massive Riff-Stütze übernimmt, nachdem sich die beiden Gitarren plötzlich in ein einfaches Kontrastieren der Klanglandschaft mit »clean« Akkorden zurückgezogen haben, über einem rhythmischen Muster, das in einer anderen musikalischen Geschichte stilistisch auch mit den Dub-Verrückten aus Obsotelje namens Dubzilla kompatibel wäre. Genau in solchen Momenten der stimmungsmäßig ausdrucksvollen Dualität aus dem verträglichen Zusammenspiel sanfterer Passagen mit metallisch aufgebrachten betont das Quartett eine außerordentliche Reife im musikalischen Arrangieren.
»Unicorns We All Chase« ist ein hervorragendes neues Album von Broken Lock. In seiner »Schrulligkeit« hört es nicht auf zu faszinieren. Wieder lange gebraut, konzeptionell optimal gereift und damit erneut ein Werk geliefert, das genremäßig unbestimmbar, kaum zu bändigen und dabei äußerst herausfordernd ist. Die Band bestätigt auch mit dem neuen Album, dass ihr grundlegender Antriebsmotor der Selbst-Evolution weiterhin ihr ungezähmter innerer Kern ist, der nach unendlicher Ausdrucksmetamorphose strebt – deshalb ist »Unicorns We All Chase« ein Album mit einer völlig eigenständigen musikalischen Natur und einem klar ausgearbeiteten Art-Charakter einer eigengewachsenen musikalischen Vision, der die Band freiheitsliebend zugleich befiehlt wie auch folgt.
Besetzung
Rihard Zupančič – Gesang, Gitarre
Janez Weiss – Gesang, Gitarre
Marko Bradica – Bassgitarre
Julij Karin – Schlagzeug
Jure Vlahovič – Soundeffekte
Produktion
Jure Vlahovič & Broken Lock
Trackliste
1. Big Debt (04:34)
2. Untying Knots (05:56)
3. Mass-Produced Unicorns (04:24)
4. Affordable and Sustainable Future (03:06)
5. Gnawing Bones with Golden Teeth (06:16)
6. Mother Monolith (05:13)
7. Black Reign (04:01)