Under A Dark Sky

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Künstler: Roth, Uli Jon
Label: SPV Records
Erscheinungsjahr: 2008

Uli Jon Roth ist der selbsternannte Professor für die Akupunktur klassischer Musikkomposition mit ohrenzerreißendem Rocklärm, den die meisten vor allem als ehemaligen Gitarristen der deutschen Hard-Rock-Schreckgestalten Scorpions kennen. Der 53-jährige Uli, ein „Monster“ im wahrsten Sinne des Wortes, ein Multiinstrumentalist, der Ideen und Arrangements eigenhändig schmiedet, ist eigentlich der einzige nennenswerte Protagonist des sogenannten Neo-Klassik-Gitarrenspiels, das seit Jahrzehnten unzähligen Jungtalenten im sechssaitigen Bereich als Stoff für Träume dient.

Uli Jon Roth ist ständig auf der Suche nach etwas Neuem. Diesmal haben seine Gedanken bei einem futuristischen musikalischen Experiment haltgemacht, das auf den Namen Under A Dark Sky hört. Es handelt sich um eine apokalyptisch angelegte Erzählung, die leise die Konturen einer amateurhaften Begeisterung für klassische Musik zeichnet. Das ambitioniert angelegte Projekt umfasst neben den Eskapaden des brillanten Gitarristen ein vollständiges vokales Hinterland in Form eines Quintetts von Kehlen – dem sogenannten „himmlischen Chor“ – sowie dessen um etwa ein halbes Dutzend Seelen größeren Streicher-Namensvetter. Uli Jon Roth taucht seine Daumen zwar mit beneidenswerter Leichtigkeit in die saure Minestrone aus Klassik und Rock, was aber keineswegs ein Garant für Qualität ist – oder zumindest für eine ohrenfreundliche musikalische Reise. Ganz im Gegenteil! Under A Dark Sky ist alles andere als eine Operette von hohem künstlerischem Wert, wird aber vielleicht durch eine seltsame Fügung dem unvorbereiteten Hörer schnell eine Kugel in die Schläfe jagen.

Der exzentrische Uli hat mit seinem Ego offensichtlich keine größeren Probleme, zumindest wenn man nach der Sturheit urteilt, mit der sein Quasi-Expertentum aus Theorie und Praxis der Vokal- und Instrumentalbereiche uns unablässig bombardiert. Ähnliches gilt für Under a Dark Sky, das sich mit Kleinem nicht zufriedengibt und durchgehend dilettantisch mit dem Aneinanderreihen einsätziger Kompositionen experimentiert, die weder Kopf noch Schwanz haben und selbst für ein wenig anspruchsvolles Ohr völlig leer und künstlich wirken – womit sich erneut die Klischees über die Unvereinbarkeit von Rock und klassischer Musik bestätigen. Uli hat ein undurchschaubares Netz aus kitschigem instrumentalem Chaos gesponnen, das seine Stimmungsfarben schneller wechselt als ein hyperaktiver Weihnachtsbaum. Dazu kommt die unbeständige vokale Darbietung des ehemaligen Yngwie Malmsteen- und Royal Hunt-Kriegers Mark Boals. Dem mangelt es zwar nicht an Antrieb, doch leider ist sein Handlungsspielraum auf das gewissenhafte Befolgen pathetischer melodischer Muster und Formen geschrumpft, die jede für sich abgerundet und in sich selbstgenügsam wirkt. Außerdem klingt die vokale Kollaboration, die anfangs wohl als eines der Highlights des Albums gedacht war, auf der Strecke von Boals bis zum Chor zu unorganisch, zu leblos. Boals wird obendrein immer wieder gezwungen, mit dem Quintett in Lagen zu wetteifern, die die Kapazitäten des Sängers erheblich übersteigen – womit Under A Dark Sky, statt an Schwung zu gewinnen, diesen endgültig verliert.

Wenn man dem Ganzen noch die konzeptionelle Geistlosigkeit hinzufügt, die sich endlos hinzieht, erweist sich Under A Dark Sky als ziemlich quälende Erfahrung, wenn nicht gar als unverdauliches musikalisches Treiben. Das Album kam in einem Kartonumschlag in meine Hände, was – abgesehen von der allgemeinen Nutzlosigkeit aus audiophiler Sicht – schade ist. Potenziellen Käufern empfehle ich für die Zukunft lieber die Anschaffung von ordentlichem Toilettenpapier.

Besetzung

Uli Jon Roth: Gesang, Gitarre, Keyboards, Bass
Mark Boals: Gesang
Liz Vandall: Gesang
Peter Ewald: Tenor
Kerstin Domros: Alt
Michael Flexig: Bariton
Michael Ehre: Schlagzeug

Produktion

Uli Jon Roth

Trackliste

1. S.O.S.
2. Tempus Fugit
3. Land Of Dawn
i) Techno Man
ii) Land Of Dawn
iii) Lion Wings
4. The Magic Word
5. Inquisition
6. Letter Of The Law
7. Stay In The Light
8. Benediction
9. Light & Shadows
10. Tanz In Die Dämmerung
i) Destination Twilight
ii) Morgenrot
iii) Searchlights From Hell
iv) Seelenschmerz
v) Inside The Titanic
vi) Fama Errat
vii) Requiem For The Nations
viii) Morituri
ix) Rex Tremendae
x) Star Peace
xi) Tanz In Die Dämmerung
xii) Silence

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