Und da war sie, die Bora in Ljubljana! (2013)

0 9

Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Orto bar, Ljubljana
Konzertdatum: 19.12.2013

Wenn schon kein Schnee, dann soll in Ljubljana wenigstens die Bora wehen, sagten sich das Küsten-Duo Almost Rage und Incarnated! Im Rahmen der traditionellen donnerstäglichen Kadilnic of Death blies diesmal also ein handfester Death-/Thrash-Sturm von der Küste – und der war diesmal umso besuchenswerter, weil die Thrash-Metaller aus Koper, Almost Rage, offiziell Abschied von den Konzertbühnen nahmen.

Etwas ungewöhnlich war die Entscheidung, dass ausgerechnet Almost Rage als Erste die Bühne betraten – eine Band, die ihr Schaffen bereits 2005 begann, damals noch als The Fifth Season. Drei Jahre später benannten sie sich in Almost Rage um, weitere drei Jahre später veröffentlichten sie ihr laaaaang erwartetes Studiodebüt Almost There.. Die Jungs aus Koper blieben lange Zeit live hauptsächlich in ihrer Heimatregion aktiv, schafften es dann aber doch  noch über den Vrhnika-Hang – und spielten leider ausgerechnet ihr Abschiedskonzert letzten Donnerstag im Orto bar. Schön, dass sich die Jungs in Freundschaft verabschieden, wirklich schade aber, dass sie viel zu früh in Rente gehen. Schade vor allem deshalb, weil Almost Rage eine ziemlich einzigartige Thrash-Metal-Band darstellten, die nicht vollständig in den Gewässern des Bay-Area- oder Teutonic-Thrash gefangen war, sondern einen ziemlich eigenwilligen Stil fuhr – voll vor allem fettem Groove und zerstörerischem Mid-Tempo. Vor gut zwei Jahren (wenn ich mich nicht irre) verstärkte Gitarrist Bojan Sinkovič (ex-Root ‚a Balluta) die Band und trug zu einer weiteren Weiterentwicklung bei. Almost Rage haben ihre Thrash-Vision auf dem Debüt hervorragend eingefangen, diesmal aber überraschend ihr Abschiedskonzert angekündigt. Doch die Jungs gingen das Abschied nehmen keineswegs betrübt oder selbstmitleidig an – sie spielten das Konzert im Orto bar mit Vollgas. Dem exzellenten Sound ist es zu verdanken, dass Almost Rage donnernd und kraftvoll klangen, und der teuflischen Eingespieltheit die außergewöhnliche Bühnenenergie. Besonders hervorzuheben ist dabei die stoische, aber souveräne Erscheinung von Edi »Ejaq« Ujovič, der zuverlässig für dicke Basslinien und einen hervorragend gesungenen, halb knurrenden Gesang sorgte. Links und rechts von ihm sorgten Iztok Bajc und Bojan Sinkovič selbstbewusst für das Riffing und begeisterten mit außergewöhnlicher Energie und fantastischem Spiel – vor allem Bojan zeigte seine Fähigkeiten beim solistischen Slalomfahren über die Saiten. Hinter dem Fronttrio drosch Igor Marasovič gnadenlos auf die Trommelfelle ein, genoss das sichtlich und erinnerte mit seinen Grimassen stark an Lars Ulrich. Nur dass er halt viel besser trommelt, hehe. Die bereits vom Debüt bekannten Songs The Dark Side, Immortal Thoughts, Scars in Desert ließen die Nacken ordentlich kreisen, die neueren Tracks bestätigten nur, dass wir Almost Rage vermissen werden. Vielleicht war der abschließende Abschieds-Track Rise Again dann doch auch bedeutungsvoll?  

Am Ende überließen die Veteranen die Bühne der jungen, aufstrebenden Kraft der heimischen Metal-Szene – ihren Stadtkollegen Incarnated, die langsam, aber sicher und überzeugend die heimischen Bühnen erobern. Wenn du sie einmal live siehst, ist schnell klar, warum das so ist. Incarnated gründen ihren musikalischen Sturm auf Thrash, der manchmal an Nevermore erinnert, Death Metal, der mit Melodie und Wucht an At the Gates gemahnt – und das alles garnieren Incarnated erfolgreich mit einem gehörigen Maß an technischer Komplexität, was sie den modernen Ansätzen von Bands wie Gojira, Arsis und Revocation näherbringt. Die Jungs betraten die Bühne selbstbewusst und überzeugend wie eine Band mit langjähriger Erfahrung und zündeten ein wirklich atemberaubendes Set voller feuriger Gitarren-Pyrotechnik und wahrhaft dynamischen, wellenförmigen Metals. Atemraubend waren die solistischen Ausflüge des fantastischen Gitarrenduos Marko Kocjančič/Andrej Rot, die über die Hälse ihrer Äxte sweepten und shreddeten mit einer Leichtigkeit, als würden sie nicht blitzschnelle Notenfolgen feuern, sondern Kuža pazi spielen. Die Rhythmusgruppe hinkte hinter dem explosiven Gitarrenfeuerwerk zwar etwas hinterher, hielt aber mit ihrem Drumming zuverlässig den Boden – genau so wie Aleš Prinčič das Publikum zuverlässig aufheizte und dabei gleichzeitig das Mikrofon missbrauchte. Dem energischen Frontmann merkt man die Bühnenerfahrung aus den Zeiten von Hiram und Root ‚a Balluta an – er versteht es, die Bühne vollständig zu beherrschen, und überzeugt auch mit einer brutalen, vielfältigen und abwechslungsreichen Gesangsdarbietung  – mal bellt er wie Tomas Lindgren, mal knurrt er wie Frank Mullen und ist dann wieder so aggressiv wie Joe Duplantier. Das Vokalduett mit Ejaq im Track Wrath war dann gleich ein echter Tornado! Angesichts von dem, was man sehen und hören konnte, setzen Incarnated hohe Erwartungen für die Zukunft – und man muss auch nicht befürchten, dass der Küsten-Metal-Sturm so bald an Stärke verliert.

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies