Ultra

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Siddharta
Label: Nika Records
Veröffentlichung: 2015
Bewertung: 3.5/5

Siddharta, einer der stärksten musikalischen Acts der slowenischen Rock’n’Roll-Szene, beschließen das Jahr 2015 mit ihrem zweiten Studioalbum. Nach dem Album »Infra«, das Mitte Juni erschien, folgt nun also auch »Ultra«. Erwartungsgemäß ist »Ultra« ein etwas anderes Album – es stellt eine sanftere Abweichung beim Schichten des Experiments bzw. des expressiven Ausprobierens dar. Was nur gut ist. Selbstwiederholung, gerade bei häufiger Veröffentlichung neuer Studioalben, kann durchaus nerven und schmälert der Band langfristig die künstlerische Glaubwürdigkeit. Mit ihrem neuen Album widerspricht Siddharta also möglichen Andeutungen, dass sie sich schöpferisch bequem in der »Behaglichkeit« ihrer erarbeiteten Popularität eingerichtet haben – einer Popularität, die sie sich in den Anfangsjahren ihrer Karriere hart erkämpft haben.

Die wenigen Neuerungen, die einen Hauch von Experiment mitbringen, sind ganz an den Anfang und ans Ende des Albums gestellt – wer also auch auf dem neuen Album so etwas wie einen »entfernten« Sentiment des klassischen Siddharta verlangt, wird nicht enttäuscht: Der Kern des Albums, von Track zwei bis einschließlich acht, ist die problemlos entschlüsselbare, bewährte und daher völlig vertraute Siddharta-Rezeptur. In vieler Hinsicht folgt »Ultra« seinem Vorgänger »Infra«, was völlig logisch ist. Siddharta handelt nach wie vor höchst effektiv mit der Kreation verführerischer Kombinationen aus packenden Stimmungslagen und ausgeprägter Musikalität – davon sind die Refrains wieder voll. Unter den Tracks trifft vor allem Nastalo bo – ähnlich wie einige Momente von »Infra« – den Sentiment des klassischen Siddharta und würde sich auch auf »Rh-« bestens machen. Folgerichtig läuft der Track bei Val 202 schon in Dauerschleife.

Der Opener Volk o ovce – für den die Band einen Narrative-Sample des Radiomoderators Miha Šalehar nutzte, um die Eingangsatmosphäre graduell aufzubauen, bevor das Stück im rasenden, schäumenden Diktat von Tomis berühmter vokaler Experiment-»Abgehacktheit« explodiert – ist der erste starke Zug des Albums, der jeden neugierigen Musikfan sofort packt, wenn er die Platte auflegt. Gemessen am restlichen Albuminhalt hätte auf dem Eröffnungsslot aber auch das »energetisch verwandte« und genauso rockmäßig aufgerissene Terminal funktioniert. Der zweite interessante Punkt des Albums ist der neunte Track In Leviatation, der den Siddharta-Stil erfolgreich mit Elementen von Trance-DJing verbindet. Tanzbarkeit und ausgeprägte Musikalität sind gelungen miteinander verwoben. Der schwache Punkt dieses Tracks ist das manchmal weniger gelungene Einpassen englischer Wörter in die Melodie, die der Leadvokal trägt. Ich meine stellenweise. Manchmal in den Strophen. Englisch war sowieso noch nie Siddhartas stärkster Verbündeter. Der zehnte Track heißt Strele v maju und holt noch einen weiteren Spezialguest auf das Album: Damir Urban. Als Siddharta ihre Karriere starteten, hatte die Rijeka-Band Laufer mit dem unvergänglichen Evergreen Moja voda schon ihr Denkmal gesetzt, und die Mitglieder des aufstrebenden Siddharta sahen sie damals wohl als eine Art Vorbilder. Strele v maju liefert ausgeprägte Düsternis, über der sich die feierlich-theatralisch ausgerichtete Atmosphäre des typischen Siddharta-Sounds wölbt. Das sinnliche Sehnen der Vokalinterpretation – die natürlich wieder im Überfluss durch das gesamte Album zieht – bringt interessanterweise beim Zusammenspiel von Urban und Tomi keinen expressiven Mehrwert. Das Gefühl ist, dass Tomis Vokal für die ganze Sache völlig ausreicht und dass Urbans Stimme, die in der Produktion stellenweise sogar absichtlich Tomis überdeckt, den atmosphärischen Verlauf innerhalb des ansonsten rundum gelungenen Tracks – einem Track, der slowenische und kroatische Verse kombiniert – eher bremst als befeuert.

Vor uns liegt also wieder ein typisches Siddharta-Album – was bedeutet, dass Siddharta es mit der konzeptuellen Abweichung vom eingefahrenen Stil nicht übertrieben hat, bzw. die wenigen kleinen Neuerungen so eingesetzt sind, dass sie die mit dem neuen Werk erzielte künstlerische Reife von Siddharta bewahren, die zugleich auch die erforderliche Qualität beibehält. Im arrangier- und produktionstechnischen Sinne natürlich. Die Band ruht sich also nicht auf ihren Lorbeeren aus, und »Ultra« bringt ein paar interessante neue musikkreative Züge, die Siddharta höchst effektiv in das Markenzeichen ihres eigenen Arrangierens und Artismus eingewoben bzw. integriert hat. »Ultra« ist damit der jüngere Bruder von »Infra«, der wieder einmal höchst erfolgreich auf die Beine gekommen ist.

Besetzung

Tomi M. – Gesang, Gitarre 
Primož B. – Gitarre, Backgroundgesang 
Tomaž O. R. – Keyboards, Backgroundgesang 
Jani H. – Bassgitarre, Backgroundgesang 
Boštjan M. – Schlagzeug

Produktion

Dejan Radičevič

Trackliste

1. Volk Q Ovce
2. Premladi
3. Nastalo bo
4. Flip
5. Korakamo
6. Calvi
7. Dolga pot domov
8. Terminal
9. In Levitation (Spezialguest Umek)
10. Strele v maju (Spezialguest Damir Urban)
11. Road (Bonussong – Siddharta Crew)

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