Thrash

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Autor: Rok Klemše

Künstler: Sarcasm
Label: On Parole Productions
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 47:34
Bewertung: 3.5/5

Das neue Sarcasm-Album kam nach Something To Believe In ziemlich leise und unerwartet. Eine ganze Weile vor der Veröffentlichung hatten die alten Kater des slowenischen Thrash zwar noch mit der Single Z mano je slabo gelockt, danach herrschte bis zum Release des schlicht betitelten Thrash aus dem Sarcasm-Lager aber ziemliche Stille. Die Erwartungen an Thrash waren trotzdem hoch – dank des exzellenten Something To Believe In hatte Sarcasm die schwere Aufgabe, diesen Erwartungen gerecht zu werden, und wahrscheinlich ist Thrash deshalb auch ein ganz anderes Tier als sein Vorgänger. Genauso wie das Biest auf dem Cover sieht es diesmal aus wie etwas, das aus einem japanischen Horrorfilm gekrochen sein könnte.

Auch wenn von dem Cover ein nicht-klassischer Sarcasm-Thrasher entgegenblickt, bedeutet das noch lange nicht, dass Sarcasm nicht klassisch klingen. Thrash ist dem Namen entsprechend eine Platte voller klassischem Thrash, der sich fest an die Richtlinien und Standards des Thrash Metal klammert. In dieser Hinsicht ist sie vielleicht eine weniger waghalsige und mutige Platte als ihr Vorgänger, da sie den Blick vor allem in die Vergangenheit und zu einem geradlinigeren Thrash richtet – dessen Grundbausteine sind aber auch diesmal starke und überzeugende Riffs. Meister Blaznik und sein »partner in crime« Klemen Renko sorgen wieder für halsbrecherische Gitarrenmanöver, die vor allem dank einfacher, aber effektiver, abwechslungsreicher und vielfältiger Riffs glänzen. Natürlich fehlen auch die rasenden Soli und verschiedenen Interplays der beiden Gitarristen nicht, die zwar nichts sind, was man im Thrash noch nicht gehört hätte, aber sie sind aufrichtig und verlässlich in dem, was sie tun.

Das Gleiche gilt für die Rhythmussektion, die donnert und walzt wie Pflastersteine ins Parlament. Der Bass des neuen Mitglieds Vito kommt mit wenigen Ausnahmen nicht allzu oft zum Vorschein, da er hauptsächlich den Gitarrenlinien folgt, doch zusammen mit den Drums von Aleš Korošec bildet er eine solide Einheit, die der Infanterie verlässliche Artillerieunterstützung bietet. Dime ist zwar kein übermäßig großer Techniker, sorgt aber für einige abwechslungsreiche Übergänge, die sich nicht nur auf die typischen Cupa-cupa-Rhythmusmuster verlassen. Auch Muci übertrifft seine Leistung vom Vorgänger möglicherweise sogar – sein sauberer Gesang passt zur Musik wie angegossen und ist ein echter Frischlufthauch in einem Thrash, der in letzter Zeit zumindest was den Vokalbereich angeht auf Geschrei und halbgares Gegrunze reduziert wird. Stimmt aber, dass auch Muci seinen Gesang stellenweise mit etwas aggressiveren Parts belebt.

Bis hierhin alles schön und gut – doch Thrash hakt genau dort, wo es seinem Namen zuliebe wie ein rasender Bulle toben und mahlen sollte. Die Qualität des Albums schwankt nämlich erheblich: Sarcasm überzeugen auf der einen Seite stark mit Brechern wie Sarcasmatron, Z mano je slabo, Pravica und Balada o letalu Yu Ana (eine Hommage an das Andenken der Opfer des schlimmsten slowenischen Luftfahrtunglücks, Flug 1308 der Inex-Adria Avioprometa, das im Dezember 1981 auf Korsika abstürzte und stilistisch wie thematisch problemlos auch auf dem Vorgänger hätte landen können), während der Rest der Songs zwischen »Fillern« und Tracks schwankt, die keinen solchen Eindruck hinterlassen wie die zuvor genannten. Auch wenn aus ihnen an bestimmten Stellen der Geist der alten Sarcasm-Schule drängt, hinterlassen sie einen leicht abgestandenen Geschmack. Vor allem ist es ein Trio, das ziemlich klischeehaft den Metal-Lebensstil besingt, und etwas unbeholfen wirken auch die slowenischen Texte. Wohlgemerkt, Sarcasm haben mit einem Thrash-Album, das fast vollständig auf Slowenisch gesungen ist, lobenswerte Arbeit geleistet, und die Texte sind größtenteils überzeugend (z.B. Pravica), aber es schleichen sich Reime ein, die einfach nicht funktionieren. Auf Something To Believe In traten Sarcasm deutlich ernsthafter auf – stimmt aber gleichzeitig, dass sie in der Flut von Thrash-Bands mit englischen Texten unbemerkt geblieben sind, während die slowenischen Texte ihnen doch einen Hauch von Einzigartigkeit verleihen. Außerdem ist das untypische Duett mit der serbischen Sängerin Dado  für Sarcasm so anders, dass ich bis heute nicht ganz sicher bin, ob die Sache funktioniert oder nicht – wenn dich ein Song so unter die Haut geht, kann das jedenfalls nicht schlecht sein.

Die Veteranen und abgebrühten Thrash-Kater haben trotz einiger Schwächen ein Album aufgenommen, das einen würdigen Platz in ihrer langjährigen Karriere einnimmt. Nach dem exzellenten Something To Believe In haben Sarcasm bewiesen, dass der Thrash in ihnen noch immer mit vollen Lungen atmet – Thrash ist insgesamt so wie das Intro der Platte: ein alter Automotor, der schwer anzuwerfen ist, beim Starten mehrmals hustet, aber am Ende doch anspringt und röhrt wie er soll.

Besetzung

Aleš Blaznik – Gitarre, Backing Vocals
Klemen Renko – Gitarre
Easy Mucy – Gesang
Aleš „Dime“ Korošec – Schlagzeug
Vito Stričevič – Bass

Produktion

Sarcasm

Tracklist

1. Sarcasmatron
2. Z mano je slabo
3. Thrash
4. Vitez teme
5. Smrt šeta sama
6. Pravica
7. Dej gas
8. Balada o letalu Yu Ana
9. Metalski blues
10. Thrasher
11. Zdravljica

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