The Dude Abides
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Rekus, Greg
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2011
Laufzeit: 29:09
Bewertung: 3.5/5
Greg Rekus ist ein freischaffender Singer-Songwriter aus dem kanadischen Winnipeg, der für seine künstlerische Darbietung nicht mehr als Stimme und akustische Gitarre braucht. Der junge Mann zielt genau dorthin, wo die modernen Trends hingehen. In eine Fusion alternativer Musikstile, vollgestopft mit einem Überfluss an Melodik, traditionellem Melos und Folk-Rhythmen. Während Mumford And Sons in Großbritannien und The Lumineers in den USA diese Art von Ausdrucksweise deutlich pompöser bedienen, ist Greg Rekus im Gegensatz zu beiden »stilles Wasser«, das nicht damit belastet ist, Exemplare seines Debüts »The Dude Abides« zu verkaufen.
Der Kerl hat das Glück, über eine spezifische, scharfe Stimme zu verfügen, die über die knappe halbe Stunde, die sein Debüt misst, durchgehend wiedererkennbar wirkt. Der vokale Ansatz ist eindimensional. Das heißt, Greg braucht keine besondere Wendigkeit beim Einfärben von Emotionen durch die Textzeilen (Botschaften). Aber das ist nicht die Regel. In Friends Of Mine löst er sich vom Kehlkopfgesang. Das verlangt die Natur des Stücks als intimeres persönliches Bekenntnis. In jedem Fall neigt sich die Waage zugunsten des Punks, also lässt sich schlussfolgern, dass »The Dude Abides« mehr oder weniger ein akustisches Punk-Album ist. Aber wie gesagt. Aufgrund des Melodienreichtums und der spezifischen Stimmfarbe sowie der Vokalinterpretation (z. B. Dancing Around) könnte Greg Rekus als Leadsänger in moderneren Bands vom Typ Pop-Punk/melodischer Punk, Skate Punk, … sehr erfolgreich aufgehen.
Der Mann wirkt in der Vokalinterpretation leidenschaftlich genug, um zu überzeugen. Genauso ist auch sein Gitarrenspiel beschaffen, das die Akkorde kohärent und verbissen nach Hause treibt. Dem Gitarrenrhythmus fügt er durchgehend Stampfer mit dem Fuß auf den Boden hinzu, womit er den Rhythmus der Songs sinnvoll unterstreicht. Keine Ausschmückungen in Form von Mundharmonikas und anderen »Tricks«, die sich gerne in diese Art musikalischer »Schelmerei« einschleichen, die jenseits des großen Teichs entsteht. Ich lüge. Das flotte No Work Today hat eine starke Blues-Note, und Greg baut darin ein motivisches Kazoo-»Anhängsel« ein. Andere »Ausschmückungen« sind auf dem Album nicht zu finden.
Der Typ färbt auf sehr einfache Weise effektiv viele Stimmungslagen ein. Schlicht gesagt: Es ist ihm gelungen, viel Abwechslung aus den gewählten Leitmotiven herauszuschälen. Besonders stark ist das Stück One Last Word. Im eigenen Arrangement sehr reif. Der Schmerz wird übers Album hinweg mit schelmischem Ereignisverlauf aufgeladen (z. B. I Guess That’s My Excuse). In der Poesie wirkt Greg gelegentlich etwas banal, aber das wahrt den gesamten künstlerischen Sinn, wenn wir von den Bildern der Punk-Musik sprechen.
Definitiv kann man hier nicht von Klischees sprechen, auch wenn Rekus keine musikalische Revolution erfindet – aber es gelingt ihm, in einer knappen halben Stunde Spiel eine eigenständige künstlerische Ausdrucksidentität herauszuschälen, was auch sein grundlegendes Motto ist, mit dem er die Hörer in seinen Bann ziehen will. Das Album ist definitiv eure Aufmerksamkeit wert!
Besetzung
Greg Rekus – Gesang, akustische Gitarre, Rhythmus, „Kazoo“ auf Track Nr. 7
Produktion
John – Paul Peters & Greg Rekus
Trackliste
1. Signature of the Poor
2. Albert Song
3. The High Cost of Low Prices
4. The Mirror In My Favorite Bar
5. Friends of Mine
6. Dancing Around
7. No Work Today
8. Consequence
9. One Last Word
10. I Guess That’s My Excuse