Sunshine Trip : Sunshine Makes Me High

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Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2011
Produktion: Borut Čelik & Sunshine Trip
Albumlänge: 45.00 min
Genre: Alternative Rock


Sunshine Trip sind eine relativ junge Band aus der Region Görz, die in den Gleisen des MTV-Mainstreams der neuen Ära der Schwemme klischeehaft klingender Post-Grunge/Indie-Pop-Rock-Bands fährt. Das Studiodebüt „Sunshine Makes Me High“ ist ein Manifest, das über längere Zeit gereift ist. Die Jungs sind nämlich seit 2003 zusammen, und so sind die Songs entsprechend diesem längeren Zeitraum in ihren Arrangements gewachsen.

Sunshine Trip beweisen mit einem Aufgebot von elf Eigenkompositionen, dass sie eine kompakte Einheit sind, die ein gehöriges Maß an instrumentalem Können mitbringt – und einen Gesang, der seine Rolle als integrales Herzstück der musikalischen Botschaft der Band souverän ausfüllt. „Sunshine Makes Me High“ ist unterm Strich ein Album, das qualitativ standhält und alle Attacken der ungläubigen Thomasse trotzig pariert, die darin bloß einen billigen Klon junger Jungs sehen, die mit teuren Spielzeugen spielen, die ihnen reiche Eltern gekauft haben.

Der Opener Way Out riecht verdächtig nach Pop-Punk – als würden die Jungs von Anfang an MTVtaugliche Popularität anpeilen. Die erste Assoziation, die mir in den Kortex gekrochen ist: ein leiser Anflug der Pathetik irgendwelcher neuzeitlich betrübter Jungs mit flehend-gnadensuchenden Cocker-Spaniel-Blicken à la Ceasar’s Rome. Zum Glück widerlegt das der zweite Track Vampires, und ab da legen Sunshine Trip auf dem Album auch spürbar roheren, garagigen Live-Sound drauf. Das Album springt dynamisch auf ein höheres Level, und dabei tritt die musikalische Reife der Band noch deutlicher zutage – die Jungs haben sich im Studio eine bemerkenswert hochwertige Soundbearbeitung geleistet. Eigentlich haben sie bloß sehr behutsam darauf geachtet, das Live-Spiel im Studio so authentisch wie möglich auf den Tonträger zu bringen. Und das ist ihnen gelungen. Beeindruckend ist der Kontrast zwischen der fetten, warm intonierten und aktiv melodischen Basslinie und dem gelegentlich wütenden Ablegen von Gitarren-Riffs, die die Lücken im Klangbild oft überaus geschickt auch mit organisch-cleanem Saitenklang auffüllen. Ja. Das Ding gewinnt dadurch auch an Entspanntheit und Unbeschwertheit, und in der gelegentlichen, wütend-dreisten Direktheit des Punk-Dilettantismus wirkt es, als hätte man sich Inspiration bei früheren Werken von Bad Religion geholt (Track Closed).

Es lohnt sich zu betonen, dass Sunshine Trip eine Band sind, die ein ausgezeichnetes Gespür für das Kombinieren von sofort eingängiger Melodie mitbringen – und zwar von der Art, die noch von der Arroganz und direkten Haltung der Alternativ-Rock-Figuren der neuen Ära getragen werden kann, ohne dass das Ding kitschig und unecht wirkt. Es gibt freilich Momente, die schon fast zuckersüß-poppig wirken nach der Integration trivial durchgekauter Melodieformen – wie bei Lolita, das immerhin mit einem beeindruckenden Zusammenspiel von Streicharrangements und Schlagzeug startet, und seinem (entfernten) Album-Klon Hermit –, während das düstere Shadow Man mit Blick auf ein breiteres Publikum weitaus überzeugender wirkt und besser damit davonkommt. To Follow Or Not ist eigentlich eine Fortführung des Arrangierens im Stil von Hermit und Lolita, enthält aber keinerlei Hauch popöser Prätentiosität – diese Gefahr zerstreut vor allem der hervorragende mittlere Instrumentalteil des Tracks mit hinzugefügten „Dylan-esken“ Mundharmonika-Passagen, die das integrale Bindegewebe des gesamten Stücks bilden. Der Gesang in diesem Track verhehlt nicht seine Kumpanei mit dem Erbe der Vokalisten namhafter Grunge-Rock-Bands.

Die englische Aussprache von Sunshine Trip ist für Slowenen ihrer Art schlicht verblüffend! Im positiven Sinne. Ausgesprochen gut. Deshalb macht es Sinn, „Sunshine Makes Me High“ mit kommerziell erfolgreichen Bands der weltweiten Musikindustrie zu vergleichen. Die Devise lautet also: englische Sprache – und das weitere Schleifen der musikalischen Doktrin mit einem so gefestigten Englisch kann künftig wichtige Pluspunkte beim Durchbruch auf die internationale Bühne einbringen. Das ist natürlich nicht alles. Der Gesang trägt ein stimmiges Maß an dosierter Melodie, Melancholie und Desillusionierung – aber auch Arroganz und aufbrausender Rebellenhaltung. In der Art, wie er in den Versen Stimmungsräume erschafft, wirkt er überzeugend, und dieser Faktor trägt dazu bei, dass Sunshine Trip ihrer eigenen musikalischen Botschaft greifbar und authentisch erscheinen.

Der Track 5th Floor ist eine interessante Mischung aus dem Post-Brit-Pop à la Oasis (hör dir die Vokalproduktion mit Halleffekt an) und der Post-Grunge-Ästhetik geerbt von Stone Temple Pilots, der im Ausklang noch ein Hauch Stoner-Prothese von Queens Of The Stone Age eingehaucht bekommt.

„Sunshine Makes Me High“ ist ein rundum gelungenes Debüt, ein fundamentaler erster Schritt einer jungen Band, die den künstlerischen Zeitgeist der neuen Trend-Ära atmet. Dem Album fehlt es an Schärfe und gezielten Zähnen der verzerrten Bissigkeit und Punk-Dissonanz – die Frage ist aber, ob Sunshine Trip das überhaupt wollen. Gleichzeitig drängen sie mit melodisch trivial angelegten Leitphrasen und der Weichheit organischer Collagen Richtung eingängiger Pop-Formen. Ja. Moderner Alter-Rock, der bellt und nicht beißt, und Post-Grunge, Post-Brit-Pop und Punk zusammenführt. Er trägt Ansätze für eine Entwicklung in mehrere Richtungen, aber wahrscheinlich werden Sunshine Trip auch künftig dem grundlegenden Entwicklungskurs treu bleiben, den das Debüt vorgezeichnet hat. Der integrale Track des Albums ist Holy Taxi! Er vereint die beschriebenen Genre-Einflüsse auf besonders gelungene Weise und präsentiert in einem Stück sofort die Quintessenz von Sunshine Trip.

Sunshine Trip besitzen einen scharfsinnigen und talentierten Gesang mit der Kraft überzeugender Versinterpretation. Gleichzeitig ist für die Band auch wichtig, dass ihr Ausdruck ein Maß an Melodiosität besitzt, das Ansatzpunkte für die Kombination mit orchestralen Arrangements bietet – was in Zukunft Raum für musikalisch-expressive Weiterentwicklung lässt. Deshalb wird es spannend sein zu verfolgen, wohin sich die Band entwickeln wird.  Im Sinne eines Vergleichs mit hochwertigen Produkten dieser Trend-Alter-Rock-Sparte in Slowenien handelt es sich zweifellos um ein Produkt, das qualitativ herausragt und ähnlichen slowenischen Bands der jungen Generation ein leuchtendes Beispiel bietet, wohin sie sich orientieren müssen. Im Alternative Rock ist das Festhalten am authentisch lebendigen Sound elementar und essenziell – was „Shine Makes Me High“ durchgehend überaus überzeugend gelingt.

Autor der Rezension: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 8.0 / 10

Trackliste:
1. Way Out
2. Vampires
3. Jane’s Song
4. Iron Gates
5. Holy Taxy
6. Shadow Man
7. Closed
8. Lolita
9. Hermit
10. 5th Floor
11. To Follow Or Not

Besetzung:
Marko Silič – Gesang, Mundharmonika
Dejan Školaris – Gitarre, Hintergrundgesang
Boris Leskovar – Gitarre
Tilen Grandovec – Bassgitarre
Alan Laharnar – Schlagzeug, Perkussion


Sunshine Trip – Sunshine Makes Me High (album)
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