Street Level
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: De La Cruz
Label: Frontiers Records
Erscheinung: 2013
Laufzeit: 45:37
Bewertung: 3.5/5
Dieses Jahr werdet ihr kaum auf ein kraftvoll dreckiges Sleaze-Rock-Album stoßen als das De-La-Cruz-Debüt namens »Street Level«. De La Cruz sind Australier, angeführt vom hervorragenden Gitarristen Casey Jones, zusammen mit dem neuseeländischen »Zugereisten« als Leadsänger, Roxxi Catalano, dessen Stimmgewalt in ihrer Ausführung die Ausmaße einer Alarmsirene annehmen kann.
Obwohl es sich um ein Debüt handelt, brodelte die Sache schon seit 2007 auf Hochtouren. YouTube wirkt Wunder. Videos und Demo-Aufnahmen, die auf den Kanal hochgeladen wurden, brachten nämlich Jones und Catalano zusammen, und Letzterer flog 2009 von Neuseeland nach Australien, um die Vocals für die erste EP der Band einzuspielen.
»Sunstrip Street Level« hätte der Albumtitel eigentlich lauten sollen. Bei der ungemein lebhaften, glühend aufgedrehten Produktion, in der dieses »fettige Hard-Rock«-Album badet, lassen sich sofort Parallelen zur Energie der Bands vom Ende der Achtziger ziehen – von Poison, Skid Row bis Ratt –, mit melodischen Refrainmelodien, eingeschnitzt nach dem Vorbild der guten alten Def Leppard (»Turn It Up«, »Legions Of Love«, »Set the Night«).
De La Cruz erfinden das Rad nicht neu. Das mittelschnelle »Dreaming« wirkt in seinen Arrangementlösungen insgesamt klischeehaft. Die Vokalharmonien, die stellenweise den Leadgesang ergänzen, folgen den Def-Leppard-Arrangementgeboten. Der Gesang ist näselnd, scharf und entwickelt in der mittleren Lage nicht die gleiche Überzeugungskraft wie in den höheren und höchsten Lagen, wo er so potent wie die Sirene eines Stuka JU-87 wirkt. Der Einstieg in »Invincible« ist eine typische Huldigung an Whitesnake-Hits vom Album »1987« – hör dir die Vokalfarbe und den Ansatz in der Melodiegestaltung der Verse an.
Catalano ist in den höchsten Lagen am stärksten. Mit hervorragendem Gitarrenspiel, das auf extremen Riff-Griff und das Feuern aus allen Rohren schwört, wann immer es zu ausgefeilten Soli kommt, entwickeln Songs wie »Street Level«, »Worlds Collide«, »S.E.X.« und »Set the Night« am meisten überzeugende Rock-’n‘-Roll-Eingängigkeit. Der Gesang, auf extreme Höhen gerichtet. Er ist scharf, arrogant unverschämt und in seinem teuflisch kreischenden Toben auch ansteckend!
»Street Level« ist kein künstlerischer Durchbruch. Es stellt musikalisch nichts Besonderes dar. Es ist ein Retro-Nostalgie-Album. Es bietet eine neu verpackte Hard-Rock-Formel. Eine dreckige Rock-Schablone, die nachweislich funktioniert. Vor allem, wenn du sie so hart, leidenschaftlich und stimmungsvoll wie möglich spielst. Deshalb zündet das Album trotz aller spürbaren Klischee-Einbauten. De La Cruz gehen nämlich von Herzen ran! Etwas Naivität ist definitiv vorhanden. Besonders beim Zug, dass die Band den Albumabschluss mit der klischeehaften Ballade »Shine« setzt, die den hervorragend aufgebauten Spannungsbogen des Albums in der zweiten Hälfte »zerstört«, wie ihn De La Cruz durch die Songreihe »Worlds Collide«, »S.E.X.« und »Set the Night« entwickeln.
Ein solides Debüt, hervorragend produziert und gespielt. De La Cruz sind ausgezeichnete Musiker, und mit dem Debüt haben sie sich einen soliden Grundstein erkämpft, auf dem sie ihre musikalische Mission künftig unbesorgt und mit noch mehr Entschlossenheit pflegen können.
Das Album „Street Level“ von De La Cruz könnt ihr jetzt kaufen bei:
Besetzung
Roxxi Catalano – Gesang
Casey Jones – Gitarre
Rory Joy – Gitarre
Grant Daniell – Bassgitarre
Lacey Lane – Schlagzeug
Produktion
De La Cruz
Trackliste
1. Street Level
2. Girls Go Wild
3. Turn It Up
4. Legions Of Love
5. Gimme Love
6. Cherry Bomb
7. Dreaming
8. Invincible
9. Worlds Collide
10. S.E.X.
11. Set The Night
12. Shine
