Sonny Boy Williamson & The Yardbirds
Künstler: Yardbirds
Label: Repertoire Records
Veröffentlichung: 1966
Es war noch gar nicht so lange her, seit sich die legendären Yardbirds formiert hatten, als ihr langjähriger Manager Giorgio Gomelsky plötzlich auf die Idee kam, mit der Blues-Ikone Sonny Boy Williamson zusammenzuarbeiten. Zur Zeit des sogenannten Blues-Revivals tauschten zahlreiche Legenden die Freundlichkeit des Chicagoer Windes wie auf Wette gegen die meteorologische Schwermut der britischen Inseln, wo sie von abenteuerhungrigen „Ravern“ immer mit offenen Armen empfangen wurden. Die Blues-Giganten wurden damals auf der Insel geradezu königlich behandelt. Seinen Platz im exklusiven Klub der importierten Hoheiten beanspruchte auch der stets misstrauische Sonny Boy Williamson, der sich im Herbst seines Lebens aus der stiefmütterlichen Umarmung Amerikas immer öfter in den Schutz der erwachenden Musikszene des alten Kontinents flüchtete, die für den Musiker schon bald sogar zum zweiten Zuhause hätte werden können.
Aber gehen wir’s schön langsam an. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Sonny Boy Williamson & The Yardirds ist nämlich eines von vielen schwachsinnigen Experimenten der Musikindustrie, die schon vor den blutig erkämpften Siegen der britischen R & B-Revolution der Sechziger versuchte, aus einer vagen Kreuzung von Insel-Blues mit unvergleichlich schärferen traditionellen Aromen Kapital zu schlagen. Das Paket aus neun Williamson-Nummern, serviert mit der typischen Ungehobeltheit und Arroganz des großen Sonny, leidet vor allem an seiner eigenen Inkompatibilität mit dem zeitgemäßen, ohrenfreundlichen Pop-Geklimper, das Eric Clapton später saftig als Streberversuch bezeichnete, die Grundzutaten des Blues zu zähmen. Jede Menge musikalischer Variationen zweifelhafter Qualität also. Nach ähnlich dubioser Herkunft riecht auch das ziemlich obskure und unattraktive Material, das obendrein neben der verständlicherweise ins Rampenlicht gerückten Bluesleganede den übrigen Yardbirds-Vögelchen nie erlaubt, hinter dem Vorhang der blass tönenden Begleitmusik hervorzulugen. Das ist vor allem die „große“ Sonny-Boy-Williamson-Show, voll typischer Mundharmonika-Innovationen, gebaut auf der Schärfe traditioneller Bluesy-Rahmen, aber mit nur einer bescheidenen Prise sonstiger Würze, die durch irgendeinen unglaublichen Zufall wenigstens notdürftig die Existenz dieses Albums rechtfertigen würde.
Was Clapton selbst angeht, dümpelt sein Spiel durchweg gleichgültig auf ziemlich durchschnittlichem Niveau vor sich hin. Sehr wahrscheinlich stimmt auch die Behauptung, dass du einen so „grünen“ Eric nirgendwo sonst zu hören bekommst. Eine einmalige Gelegenheit also, den aufgehenden Stern der Gitarre bei einem sympathisch tollpatschigen Gestolper zu erwischen, zu dem wohl auch Williamsons dominanter Auftritt aus Instrumental und Gesang uneigennützig seinen Teil beiträgt. Auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass der junge Eric einer der wenigen war, die trotz immer intensiveren Flirts mit solchem Blues-Purismus schon zu Beginn die Uninspiriertheit des aufgesetzten „Projekts“ durchschauten, ist das Unbehagen des Gitarristen hier auf Schritt und Tritt zu spüren. Ähnliches ließe sich über den Rest der Yardbirds-Viererbande sagen, denn die wird dem Ruf der sogenannten ersten Gitarren-Supergroup keineswegs gerecht. Schade, denn ohne psychedelische Experimente, die typische Protzerei ausufernder Gitarrensoli und die übrigen obligatorischen „Rave-up“-Orgasmen schafft es dieses Album kaum über den wenig beneidenswerten Status von gut einer halben Stunde ermüdendem Mundharmonika-Geblase hinaus.
Besetzung
Eric Clapton: Gitarre
Chris Dreja: Gitarre
Paul Samwell – Smith: Bass
Jim McCarty: Schlagzeug
Sonny Boy Williamson: Gesang, Mundharmonika
Produktion
Giorgio Gomelsky
Tracklist
1.Bye Bye Bird
2.Mister Downchild
3.Hours Too Long
4.Out Of The Water Coast
5.Baby Don’t Worry
6.Pontiac Blues
7.Take It Easy Baby
8.I Don’t Care No More
9.Do The Weston
Spieldauer: 36.10