Sacrifice

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Saxon
Label: UDR
Erschienen: 2013
Laufzeit: 39:28
Wertung: 4/5

Und da ist er – das Jubiläums-20.-Studioalbum der legendären Saxon. Was sollte bei all der Routine schon schiefgehen, die eine so langlebige Band angesammelt hat. Saxon bleiben eben Saxon.

»Sacrifice« knüpft an die Geschichte des Vorgängers »Call To Arms« (2011) an. Der wesentliche Unterschied liegt erneut in der härteren Produktion, die »Sacrifice« diesmal aufbietet. Saxon haben Andy Sneap zur Zusammenarbeit eingeladen. Offensichtlich hat sie dazu die erfolgreiche Partnerschaft des Produktionsgurus mit den legendären deutschen Heavy-Metal-Holzfällern Accept angestachelt. Sneap hat seinen großen Produzenten-Ruf in erster Linie als Klanggestalter für Thrash-Metal-Bands aufgebaut – umso überraschender, dass Saxon ausgerechnet bei ihm Hilfe gesucht haben, aber sei’s drum. »Wenn Accept das können, warum nicht auch Saxon?« hat sich Biff Byford sicher ins Ohr geflüstert. Und die Mission ist geglückt! Sneap hat dem Dinosaurier den letzten Schrei der Klangproduktion angezogen. »Sacrifice« klingt ungemein hart. Man könnte es sogar als härtestes Saxon-Album bezeichnen – und doch hält einen das Gefühl davon ab, dass Saxon das Arrangement der Songs beibehält, das von »Call To Arms« herübergeschwappt ist und mit der zweiten Hälfte der Neunziger flirtet, etwa mit Alben wie »Dogs Of War« oder »Unleash The Beast«. In dieser Hinsicht bleibt »Lionheart« (2003) – vor allem dank seiner auf Power Metal ausgerichteten Arrangements – nach wie vor der Sieger in der Kategorie härtestes Saxon-Album.

»Sacrifice« liefert eine Faust voller Dynamit: neun ultramelodische, aber zugleich aufgeladene Zerstörer typischer Saxon-Machart. Nach der erwartungsgemäß anreizenden Eröffnung (Procession) explodiert die Band mit dem Titeltrack – einem okkulten Tribut an die Rituale der Sonnenopfer, wie sie einst die Zivilisationen der Inka und Azteken kannten.

Made In Belfast ist zweifellos einer der besten Songs des Albums. Als zweiter im Bunde ist es eine Mini-Epos-Suite mit irischem Mandolinen-Arrangement, getragen von einem mittelschnellen Tempo, das durch den außergewöhnlichen Produktionskontrast zwischen dem giftig knatternden Snare-Drum und der erprobten Ästhetik ultraglühender Riff-Gitarren veredelt wird. Warriors Of The Road lässt sich als »2013 neu aufgenommener Motorcycle Man« beschreiben – Rock ’n‘ Roll trifft Heavy Metal auf traditionelle Saxon-Art, klanglich auf den neusten Stand gebracht, wie es die neue Zeit verlangt. Guardians Of The Tomb wiederum ist ein Musterbeispiel für typischen Euro-Power-Metal. Hier stützen sich Saxon stärker auf das Plasma der Doppelgitarren-Terzetten in ausgedehnten Riff-Passagen, mit denen sie den Ablauf dynamisch und mit einem gehörigen Maß an Routine beleben. Stand Up And Fight ist wieder eine Rückkehr zu den Retro-Impulsen bewährter Schablonen, die Saxon seit dem frühen Anfang der Achtziger in sich tragen – gekreuzt mit dem Ultrapompe der modernen Euro-Power-Metal-Kultur (Refrain). Walking The Steel und/oder Wheels Of Terror sind typische Nischen für Biffs Predigt, die im restlichen Album die unverkennbare, dramatische aber aufwühlende Prämisse des Saxon-Bekenntnisses wirkungsvoll aufrechterhält. Kein Schuss geht daneben. Die Band dreht den schon »verkauften« Riff auf tausend und eine Art weiter. Mit der Brillanz des großen Könnens, das die größten Musik-Gurus besitzen, wenn sie die Magie des Metal in den Händen halten. Standing In The Queue ist ein klassisch angelegter Rock ’n‘ Roller, der ans Ende gesetzt wurde und der mühelos auf einer der mittleren Saxon-Platten der Achtziger hätte landen können, so wie »Innocence Is No Excuse«.

Die Gitarren haben sich einen Hauch der Accept-Schärfe ihrer letzten beiden Alben angeeignet. Das kommt allerdings erst an die Oberfläche, wenn man tiefer in die Substanz des Albums eindringt. Es hält sich also im Hintergrund. Der Fokus liegt auf der Pflege der typischen und einzigartigen Figur des unvergleichlichen Saxon-Rätsels, das offensichtlich auch mit »Sacrifice« ein neues atomares Zeitalter überlebt hat.

Legenden können einfach nicht danebenschießen. In den Fingern steckt schlicht zu viel Routine. Biff weiß genau, was er tun muss, damit sein Vers im Strom der melodisch gesungenen Strophen seine volle Wirkung entfaltet. Scarratt und Quinn hören nicht auf, aus ihrem Arsenal magischer Metal-Riffs meisterhafte Lösungen zu liefern. Die Rhythmusfraktion arbeitet mit der Präzision eines Filigranuhrwerks der genauesten Schweizer Uhr. »Sacrifice« ist ein neues hervorragendes Saxon-Dokument und ein weiterer Beweis der ungebrochenen Vitalität des unerschöpflichen Metal-Biests, das nach mehr als 35 Jahren Betrieb das Handwerk des Metal immer noch an der Spitze seines Faches hält!

Besetzung

Biff Byford – Gesang
Paul Quinn – Gitarre
Doug Scarratt – Gitarre
Nibbs Carter – Bassgitarre
Nigel Glockler – Schlagzeug

Produktion

Andy Sneap

Trackliste

01. Procession
02. Sacrifice
03. Made In Belfast
04. Warriors Of The Road
05. Guardians Of The Tomb
06. Stand Up And Fight
07. Walking The Steel
08. Night Of The Wolf
09. Wheels Of Terror
10. Standing In A Queue

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