Sabaton in der ausverkauften Šiška (2016)

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Auftritte: Wisdom / Sabaton
Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Datum: Dienstag, 09.02.2016


Durch die Tore der Hölle, während wir uns den Weg in den Himmel bahnen, durch die Reihen der Nazis, Primo Victoria! Der Vers, der zwar auf Englisch die Metalwelt vor Jahren in den Wahnsinn trieb, ist quasi zur Hymne der schwedischen Metaller Sabaton geworden. Heuer jährt sich der Release des gleichnamigen Albums zum elften Mal, und wahrscheinlich haben sie sich selbst nicht vorstellen können, wo sie auf der Metal-Landkarte gut ein Jahrzehnt später stehen würden. Beim ersten Teil der Tour begleiteten sie diesmal die ungarischen Power-Metaller Wisdom, was sich als sehr guter Schachzug herausstellte, denn die östlichen Nachbarn waren bestens aufgelegt.

Den Ungarn sind slowenische Bühnen kein Neuland. Man konnte sie bereits in Tolmin erleben, und auch fast auf den Tag genau vor drei Jahren, ebenfalls als Support für Sabaton. Wenn mein Redakteur ihren damaligen Auftritt ordentlich verrissen hat, kann ich das zum Glück diesmal nicht wiederholen. Klar, der Power Metal von Wisdom erfindet das Rad nicht neu – aber andererseits, was gibt es in diesem Genre überhaupt noch zu erfinden? Immer mehr Bands drehen sich um das bewährte Rezept, junge wie auch alteingesessene, man könnte auch sagen: Gründerensembles des Genres. Doch ich suche bei Konzerten nicht nach der Qualität der Musik an sich (die können wir bis zum Umfallen an Studioaufnahmen analysieren), sondern nach einem qualitativen Auftritt. Und den haben Wisdom glänzend abgeliefert. Dass sie bestens drauf waren, zeigte schon ihr Auftritt auf der Bühne. Mit breitem Grinsen und voller Energie besetzten sie bei lautem Publikum zügig ihre Bühnenposten, am Ende gesellte sich noch Sänger Gabor mit einer Maske auf dem Kopf dazu. Nach dem knackigen Opener World of the Free vom aktuellen Album Marching for Liberty verabschiedete sich Gabor von der Maske und erklärte, man habe ihm kurz vor dem Konzert mitgeteilt, dass heute Faschingsdienstag ist. Prompt servierte er den Witz, er hätte sie vielleicht besser aufbehalten sollen – wie Kylo Ren aus Star Wars –, weil er so hässlich sei. Das Power-Metal-Spektakel lief souverän weiter mit Songs aus dem bereits erwähnten Album sowie ihrem Vorgänger Judas. Da die Band Ende des Monats ein neues Album veröffentlicht, Rise of the Wise, nutzten sie den Auftritt zur Promotion und präsentierten zwei neue Tracks. Die angenehm gefüllte und aufgeheizte Halle gab der Band die Bühnenenergie zurück und veredelte den Auftritt zusätzlich.

Was soll man über Sabaton schreiben, was noch nicht geschrieben wurde? Eine schwere Aufgabe, die von Konzert zu Konzert irgendwie schwerer zu werden scheint – und dennoch ist es jedes Mal, trotz der enormen Anzahl an Shows, ein einzigartiges Erlebnis. Die Schweden promoten auf der aktuellen Tour noch immer das vor zwei Jahren erschienene Album Heroes – zum ersten Mal haben wir sie in Slowenien auf dieser Tour bei den Metaldays 2014 gehört. Und ja, auch diesmal brachten sie nach Šiška den »Augie« mit – den Schlagzeug-Panzer, den Hannes seit dem Release von Heroes verwendet. Und obwohl die übrigen Mitglieder erst seit einer Handvoll Jahren bei Sabaton spielen, haben sie sich wirklich hervorragend in diese Kampfmaschine unter dem Kommando der Gründungsmitglieder Joakim und Pär eingefügt. Sowohl musikalisch als auch komödiantisch. Und genau an Lachen hat es bei ihren Konzerten gewöhnlich nicht gefehlt – manchmal war es auf Kosten des einen oder anderen herumgealberden Songs vielleicht sogar etwas zu viel. Aber man muss zugeben, dass die komödiantischen Einlagen diesmal deutlich weniger waren als sonst (keine Witze über Joakims Penis oder seine sexuelle Orientierung), und obendrauf haben sie gleich 17 Songs gespielt.

Das Konzert begann klassisch: die Aufnahme von Europe mit Final Countdown und March to War als Intro und ein explosiver Start mit Ghost Division. Das Set rollte schnell und ohne Unterbrechungen mit Songs aus den letzten beiden Alben weiter, und erst dann gönnte man sich eine kurze Pause – Joakim verkündete, vor allem zur Freude der älteren Fans, dass sie heute Nacht auch ein paar ältere Songs spielen werden, die sie schon lange nicht mehr gebracht haben. Der erste folgte sofort: Midway. Dann kam die erste komödiantische Einlage, als Joakim zu klagen begann, dass er auf die Toilette müsse, woraufhin ihn die restlichen Mitglieder von der Bühne jagten, während sie selbst Gott Mit Uns spielten und – auf Schwedisch, natürlich – sangen. Mit Joakims Rückkehr auf die Bühne explodierte die Halle in den großen Hit des letzten Albums, Resist And Bite. Der Sänger erwähnte mehrmals, dass er Gänsehaut vom Publikumsecho bekommt; ich bin überzeugt, dass jemand, der eine so emotionale Reaktion bekommt, alles geben wird, um diesen »Fix« immer wieder zu erleben – und genau das macht Sabaton, nach meiner bescheidenen Meinung, so verdammt ansteckend. Auch wenn euch die Musik beim ersten Hören nicht überzeugt, ist es eine unleugbare Tatsache, dass es wenige Bands auf der Szene gibt, die eine so positive Energie ausstrahlen, und das mit einer solchen Wucht wie genau diese. Die ausverkaufte Halle infizierte sich natürlich damit, und Bühne wie Parkett wirkten wie eines – eine einzige riesige Welle guter Energie, der niemand ein Ende wünschte. Das geschickte Verweben alter Hits mit neueren Songs und alles oben Beschriebene führte auch zur Erkenntnis, dass Zeit keine Konstante, sondern ein relativer Begriff ist. Gute eineinhalb Stunden Show vergingen viel zu schnell, und die Umgebung des Kino Šiška leerte sich auch noch eine ganze Weile nach dem Konzert nicht wie sonst üblich – trotz des schlechten Wetters.

Autor: Sebastijan Videc
Fotos: Jerneja Jerak

Wisdom
1. World of the Free
2. War of Angels
3. God Rest Your Soul
4. Somewhere Alone
5. Fallin‘ Away From Grace
6. Ravens‘ Night
7. Out of Control
8. Live Forevermore
9. Rise of the Wise
10. Take Me to Neverland

Sabaton
1. Final Countdown / The March to War (intro)
2. Ghost Division
3. Far From The Fame
4. Lion From The North
5. Midway
6. Gott Mit Uns
7. Resist And Bite
8. Uprising
9. Carolus Rex
10. Swedish Pagans
11. Soldier of 3 Armies
12. Wolfpack
13. Attero Dominatus
14. Art of War
15. To Hell And Back
—Zugabe—
16. Night Witches
17. Primo Victoria
18. Metal Crüe
19. Masters of the World (outro)


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