Valentinstag im blasphemischen Quartett! (2016)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Kino Šiška, Ljubljana
Konzertdatum: 14.02.2016

Ein so starkes Package wie das, das am Sonntag die Kino Šiška besuchte, haben wir seit Längerem nicht mehr gesehen – und es lässt sich nach der Größe der auftretenden Bands wohl nur mit der letztjährigen Deathcrusher-Tour mit Voivod, Napalm Death und Carcass messen. Diesmal aber haben vier Schwergewichte, vier Reiter der Apokalypse, die Europa Blasphemia-Tour ausgerechnet auf der Ljubljanaer Bühne abgeschlossen – vor dem ausverkauften Kino Šiška.

Eher Ausnahme als Regel ist es, dass Vorbands bei solchen und ähnlichen Touren mehr als zehn, zwanzig Köpfe begleiten, doch diesmal war es anders, denn für das erste Aufwärmen auf der Tour sorgte ein ziemlich etablierter Name im Black-Metal-Underground, das amerikanische Duo Inquisition. Dagon und Incubus hüllten die Šiška schon kurz vor sieben in eine Atmosphäre kosmischen Schreckens, und trotzdem begleitete sie bereits eine recht stattliche Menge. Das Duo feuerte seine Angriffe größtenteils mit Munition vom noch aktuellen Album Obscure Verses For the Multiverse ab, ihr Krach war trotz nur einer Gitarre und Schlagzeug laut genug, um auch live nicht hohl zu klingen. Dagon versteht es dabei, überzeugende Riffs rauszuhauen, die er gelegentlich sogar mit melodischen Einschüben bereichert, während Incubus‘ Drumming nicht bloß auf ständigem Blasting basiert, sondern abwechslungsreich und lebendig ist. Dagons kehlig-gurgelnder Gesang, der mir persönlich zwar auf die Nerven geht, folgt treu dem Ziel der Musik – der Beschwörung von Lovecrafts kosmischem Schrecken, und so waren Inquisition ein durchaus solides Aufwärmen für die sonntagliche Blasphemie.

Die einzig waschechte Death-Metal-Truppe des Abends waren die legendären schwedischen Wolverines Entombed A.D., die nach knapp anderthalb Jahren nach Ljubljana zurückkehrten und bewiesen, dass ihre Form aufwärts zeigt. Schon der Opener Midas In Reverse zeigte, dass das kommende Album Dead Dawn um einiges energiegeladener sein würde als sein Vorgänger Back to the Front, und die Schweden unter der Führung von Maskottchen LG Petrov bewiesen in knapp einer Stunde, dass sie live noch immer so mächtig klingen wie auf Left Hand Path. Da das Publikum diesmal offensichtlich etwas stärker auf Black Metal geeicht war, bekamen die Schweden nicht den Riesenjubel, den sie vielleicht erwartet hatten, ließen sich aber kaum beirren. Petrov begeistert live nach wie vor mit seinem bellend-brüllenden Gesang und seiner sympathischen Ausstrahlung, diesmal jedoch drängte sich Bassist Victor Brandt lieber ins Rampenlicht – dessen übertriebenes Posieren aber eher zu Poison als zu Entombed gehören würde. Egal – Klassiker wie Stranger Aeons, I For An Eye, Revel In Flesh und die Death-’n‘-Roll-Hymne Wolverine Blues haben die Gehörgänge ordentlich durchgeschüttelt, und die abschließende Hymne Left Hand Path hat mit der Fettigkeit schwedischer Death-Metal-Riffs das Ohrenschmalz noch mal kräftig eingeschmiert.  

Ein ähnliches Schicksal wie Petrov erlebte vor einigen Monaten auch Abbath. Die norwegischen Gerichtsmühlen entschieden, dass Olve Eikemo den Namen Immortal nicht verwenden darf, das Recht daran wurde seinen ehemaligen Kumpels Demonaz und Horgh zugesprochen. Abbath sagte dem Ganzen in gewohnter Manier fuck off, gründete seine eigene Band und veröffentlichte relativ schnell ein hervorragendes Debütalbum, dessen Präsentation auch in Ljubljana im Mittelpunkt stand. Abbath vereint wohl die besten Momente von Abbaths Karriere, mit Blick vor allem auf At the Heart of Winter und Between Two Worlds – und auf dem Debüt steckt tatsächlich einiges vom stärksten Material der Karriere des bekanntesten Corpse-Paint-Trägers im Metal. Obwohl Abbath auf der Bühne noch immer wie eine Karikatur und Parodie genau dessen wirkt, was er eigentlich verkörpern soll, spricht die Musik eine völlig andere Sprache. Die mit Frost durchtränkten Melodien von Songs wie Winter Bane, Count the Dead, Ashes of the Damned und Fenrir Hunts haben bei hervorragendem Sound bewiesen, dass Abbaths Welt noch immer im ewigen Eis und Schnee lebt – Nebular Ravens Winter, Warriors und der besonders epische Tyrants waren da nur noch die Krönung von dem, was wohl der Höhepunkt des Sonntagsabends war. Was außerdem auf der Bühne passierte, spielt eigentlich keine Rolle, denn Abbath ist größer als die Bühne – so fiel der statische Gitarrist, der weniger Energie abstrahlte als ein Statist in The Walking Dead, und der unerschütterliche Schlagzeuger unter dem Spitznamen Creature kaum auf. Genausowenig fiel Bassist King auf, der laut Abbath wegen hohem Fieber seine Parts von hinter der Bühne spielte (ehrlich gesagt hörte man ihn ohnehin nicht sonderlich gut). Abbath : Immortal – 1 : 0, Abbath ist mit seiner »larger than life«-Erscheinung immer unvergesslich – noch mehr aber der Typ vor mir, der während des Konzerts per Handy mit seiner Oma Skyped hat. Unbezahlbar.  

Um halb elf war es Zeit für die Headliner der Tour, die polnischen Titanen Behemoth, die sich entschieden hatten, auf der Tour ihr aktuelles Werk The Satanist in voller Länge zu spielen. Das feierte genau während der Tour seinen zweiten Jahrestag und hat sich offensichtlich in den Herzen der Fans, die die Šiška bis in den letzten Winkel füllten, bereits tief verankert. Wenn überhaupt, dann sind Behemoth nach Nergals Wiedergeburt, als er eine schwere Krankheit überwand, die Definition von Professionalismus – auf der Bühne ist kein Platz für Fehler. Die Band ist top eingespielt, der Sound aus dem Bilderbuch, und die Energie mehr als vorhanden. Hier aber hört es auch schon auf, denn das Ganze wirkt durchinszeniert, und jede Bewegung jedes einzelnen Bandmitglieds sieht aus wie das Werk eines professionellen Choreografen. Bei der übertriebenen Pomposität der meisten Songs vom Album und der insgesamt kitschigen Bühne stirbt jeder Funke Spontaneität. Behemoth verdienen sich definitiv den Status, den sie heute genießen, aber wenn The Satanist eine Art Rückkehr zu den Wurzeln darstellt, könnte ihre Bühnenshow dasselbe tun – die erinnert nämlich eher an eine Vorstellung im Stadttheater als an einen urwüchsigen Black-Metal-Gig. Trotzdem hatte auch das Behemoth-Konzert am Ende einige echte Glanzmomente, vor allem als es nach einem etwas lahmen Auftakt mit Ora pro Nobis Lucifer endlich in Fahrt kam.

Setliste

INQUISTION:
1. Force of the Floating Tomb
2. Ancient Monumental War Hymn
3. Dark Mutilation Rites
4. Master of the Cosmological Black Cauldron
5. Embraced By the Unholy Powers of Death and Destruction
6. Command of the Dark Crown
7. Infinite Interstellar Genocide

ENTOMBED A.D.:
1. Midas In Reverse
2. Stranger Aeons
3. Second to None
4. Living Dead
5. Pandemic Rage
6. Chief Rebel Angel
7. Chaos Breed
8. I For An Eye
9. Revel In Flesh
10. Wolverine Blues
11. Left Hand Path

ABBATH:
1. To War!
2. Winter Bane
3. Nebular Ravens Winter
4. Warriors
5. Ashes of the Damned
6. Fenrir Hunts
7. Tyrants
8. One By One
9. Count the Dead
10. Root of the Mountain
11. Endless
12. All Shall Fall

BEHEMOTH:
1. Blow Your Trumpets Gabriel
2. Furor Divinus
3. Messe Noire
4. Ora Pro Nobis Lucifer
5. Amen
6. The Satanist
7. Ben Sahar
8. In the Absence ov Light
9. O Father O Satan O Sun!
10. Pure Evil and Hate
11. Antichristian Phenomenon
12. Conquer All
13. Chant For Eschaton 2000

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