Romeo, Julija in tatovi sonca

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Zoran, Jernej
Label: Menart Records
VÖ: 06.03.2015
Laufzeit: 43:20
Wertung: 4/5

Jernej Zoran meldet sich mit seinem vierten eigenständigen Studioalbum zurück. Nach dem Vorgänger »Stratosfera«, der vor drei Jahren erschienen ist, bewahrt das neue »Romeo, Julija in tatovi sonca« womöglich noch eine Spur mehr erdverbundene Elementarität – beeinflusst ohne Zweifel durch die Ereignisse der letzten drei Jahre, in denen wir in dieser schönen verrückten neuen Welt leben. Auch das neue Album bietet Songs voller Liebesbekenntnis, solche mit einer Note persönlicher Aussage und gesellschaftskritischem Engagement – ein typischer Widerschein des unerwartet raschen Versinkens des jungen slowenischen Staates.

Jernej Zoran ist ein durch und durch starker »Songwriter«, sagen wir ruhig: Komponist. Seine primäre Ausdruckswaffe bleibt die Gitarre. Das Talent des versierten Komponisten belegen bereits seine früheren Werke, darunter das großartige »Stratosfera«, und diese Tradition führt auch das aktuelle Studioalbum »Romeo, Julija in tatovi sonca« fort. Die zehn Songs sind getränkt von einer außerordentlichen, leidenschaftlichen Herangehensweise an das Gitarrenspiel und an die Entstehung der Gitarrenphrasen selbst – Jernej reichert sie durchgehend mit vielfältigen Gitarren-Ornamenten und geschickt gesetzten Übergangspassagen an, bei denen man unschwer die filigrane Arbeit des Zusammenfügens einzelner Teile zu einem fest konturierten Ganzen aus kompakten, saftig-organisch klingenden und eingängigen, klassisch-rocklastigen Songs von hohem musikalischen Wert herauslesen kann.

Jernej hat die Gesangsrollen auf den neun Songs des Albums auf fünf Vokalisten aufgeteilt; bei To je ljubezen liefert er den Gesang selbst. Den Löwenanteil der Songs singt – wie schon auf dem Vorgängeralbum – auch diesmal Lara Poreber, die in ihrer vokalen Ausstrahlung einen echten Hauch von Mystik mitbringt. Daher kommt ihr diese Rolle auch beim großartigen Eröffner zu, dem feierlich-erweckenden Kisik, der in Kombination mit Jernej’s dynamischem und stimmigem Gitarrenspiel das Album sofort nach oben schießt! Ein Instrumental gibt es diesmal nur eines. Der Song »Specialno švedsko jeklo«, der nostalgisch klingt und an die Achtziger erinnert, als man in Slowenien nur eine einzige Sorte Saiten kaufen konnte – und auf der Verpackung genau diese drei Worte zu lesen waren. Jernej weist mit diesem Song auf besonders raffinierte Weise darauf hin, dass er ein Musiker ist, der mit dem Blues und Rock der Sechziger und Siebziger aufgewachsen ist. In seinem Spiel ist das Sentiment von David Gilmour stark spürbar; seine feinfühlige Tonplatzierung und der organisch lebendige, offene Gitarrensound, der höchstwahrscheinlich aus irgendeiner »Telecaster« stammt, lässt sich aber auch mit der Begeisterung für Jeff Beck, ferner Peter Frampton oder den Herrn »Slowhand« Eric Clapton in Verbindung bringen. Genau dieses sinnliche Setzen der Töne in Soli und Übergangs-Ornamenten sowie die Suche nach der optimalen Verbindung mit den Gitarrenphrasen und Leitmotiven verleiht diesem Album seinen kreativen Überschuss.

Ungeachtet dessen, dass das alles so schön auf den Schienen retro-rustikaler Rock-Impulse der Siebziger eingefahren ist, ist die außerordentliche Eingängigkeit der Leitmotive – die mit einer hervorragenden Atmosphären-Steigerung von der Strophe (und Pre-Chorus) in den Refrain überführen – der Garant für den außerordentlichen Hörgenuss des Albums. Darum gibt es auf dem Album einige Songs, die problemlos mehrfach im Radio gespielt werden könnten. So ein Song ist Kisik, gleich zu Beginn des Albums, dann das sehnsuchtsvoll-mystische Zakaj etwas später, das besonders eingängige Nov dan und weiter hinten auf dem Album das mit einem rockigen Riff gesegnete Moj svet, bei dem der Gesang von Matevž Šalehar Hamo kraftvoll und stimmig funktioniert. Letzteres trägt einen schelmisch-luziden Charme – dank Hamo’s Interpretation und dem Inhalt der Botschaft in den Strophen –, und auch die wirkungsvolle Steigerung in einen echten Boogie-Pulsschlag ist charakteristisch für das Rock’n’Roll-Format des Songs. Ein außerordentlicher Track. Tatovi sonca ist ein düsterer Song mit starker Verwurzelung im Blues. Hier springt Tina Gerbec Radakovič von der Band EL Kachon ans Mikrofon, da dieser Typ von Song – mit Hammond-begleiteten Riffs und einem stärker im Soul verankerten Gesang – ihr Terrain ist, und auch diesmal enttäuscht sie mit ihrer Darbietung keineswegs. Sowohl Tatovi sonca als auch das darauf folgende Bruseljski predpražniki sind besonders gesellschaftskritisch engagiert; letzteres trägt etwas von der »Mi2-typischen« Energie durch den Leadgesang von Zlatko Petković, der vor allem im Refrain an Tone Kregar erinnert – und auch wegen des Rock’n’Roll-Formats des Songs selbst.

Wie schon beim Album »Stratosfera« ist auch das neue »Romeo, Julija in tatovi sonca« ein weiteres Dokument im diskografischen Schaffen von Jernej Zoran, das keinen einzigen Song enthält, der als Lückenfüller für die Album-Laufzeit durchgehen würde. Die Songs stehen qualitativ Schulter an Schulter, und zwischen ihnen gibt es kein Schwanken in der Aussage. Sie alle zusammen bewahren die solide inhaltliche Greifbarkeit des Ausdrucksfokus. Das Album verkörpert eine einnehmende klangliche Herzlichkeit, die der Suche nach organischer Authentizität verschrieben ist. Die Hingabe und Leidenschaft beim Feinschliff der Arrangements wird reichlich belohnt. Das neue Album von Jernej Zoran ist in seiner musikalischen Kompaktheit der Songs und seinem feinfühligen Gitarrenspiel ein wunderschönes Werk, dem Rock-Erbe verschrieben – im klassischen, rustikal-ursprünglichen Sinne des Wortes – das das Wort Rock in den Vordergrund stellt. Es ist ein Album, für das wir hoffen, dass Jernej die verdiente Anerkennung der heimischen Musikszene bekommt, denn für seine Kreativität und seinen Enthusiasmus hat er sie mehr als verdient! 

Besetzung

Jernej Zoran – Gitarre, Keyboards, Bassgitarre, Perkussion, Gesang auf Song Nr. 2

MITWIRKENDE MUSIKER:
Lara Poreber – Gesang auf Songs Nr. 1, 4, 5, 9.
Matevž „Hamo“ Šalehar – Gesang auf Song Nr. 6
Tina Gerbec Radakovič – Gesang auf Song Nr. 7
Zlatko Petković – Gesang auf Song Nr. 8
Marijan Novina  – Gesang auf Song Nr. 10
Mojca Saje – Backing Vocals auf Songs Nr.  3, 5, 8, 9 
Saša Đukić – Backing Vocals auf Songs Nr.  3, 5, 8, 9 
Jernej Šušteršič – Keyboards auf Songs Nr. 1, 3, 4, 5, 7
Sebastjan Podlesnik – Bassgitarre auf Song Nr. 1
Miha Recelj – Schlagzeug auf Songs Nr. 1, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9
Miro Tomšič – Schlagzeug auf Song Nr. 2
Luka Pate – Schlagzeug auf Song Nr. 10 

Produktion

Jernej Zoran

Trackliste

1. Kisik
2. To je ljubezen
3. Specialno švedsko jeklo
4. Zakaj
5. Nov dan
6. Moj svet 
7. Tatovi sonca
8. Bruseljski predpražniki
9. Najine barve
10. Čutim te bolj (kot si upam priznati) 

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