Vierzig Jahre Classic Rock feiern mit Don Airey (2015)

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Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 15.03.2015
Besucherzahl: 150

Der englische Keyboard-Magier Don Airey hat sich nach mehr als vier Jahrzehnten als Profi – und besonders seitdem er 2003 als erfolgreicher Nachfolger des leider bereits verstorbenen Jon Lord zu Deep Purple gestoßen ist – den Titel „musikalische Legende“ mehr als verdient. Dieses Mal machte Don mit seiner Solo-Band, anlässlich der Feier seiner vierzig Jahre im Classic-Rock-Universum, in der österreichischen Bluesiana Station, wobei sich so mancher ernsthaft fragte, wie er sein imposantes Keyboard-Setup überhaupt auf die recht kleine Bühne des beliebten Rock-Konzerttreffs bekommen würde. Zum Glück war die Bühne der Bluesiana nach einem kürzlichen unschönen Sturz von Eric Sardinas auf der linken Seite etwas erweitert worden, sodass Aireys Keyboards ihren Weg auf die Bühne fanden und er sich ihnen auf seine ganz eigene, virtuose Weise ungestört widmen konnte – wie gewohnt regierten dabei vor allem die Hammond-Orgeln. Die Bluesiana war an diesem Abend überraschend gut besucht, und ein Abend voller Classic-Rock-Klassiker aus Dons reichhaltigem musikalischem Schaffen zeichnete sich ab – so konnten wir neben einigen seiner eigenständigen Werke auch interessante Versionen ausgewählter Evergreens hören, die einst Giganten der Rockmusik wie Deep Purple, Rainbow, Whitesnake und Gary Moore gespielt haben.

Dons Band bestand auch diesmal aus lauter erstklassigen Musikern: Sänger Carl Sentance (Nazareth, ex-Persian Risk, Krokus), Bassist Laurence Cottle (Gastmusiker für zahlreiche große Namen wie etwa Black Sabbath und Eric Clapton), Schlagzeuger Darrin Mooney (Primal Scream, ex-Gary Moore) sowie der hervorragende neue Gitarrist Simon McBride (Sweet Savage), der zweifellos eines der größten irischen Gitarrentalente nach Gary Moore und Rory Gallagher ist. Simon bewies während des Auftritts von Aireys Band, dass er das berühmte Erbe von Gary Moore im Schlaf beherrscht – er spielte beide Moore-Klassiker des Abends exzellent: »Back on the Streets« und vor allem »Still Got the Blues«. Bei Letzterem brauchte man nur kurz die Augen zu schließen, um sich statt McBride schon den ‚unsterblichen‘ Moore vorzustellen. Manchmal hatte man wirklich das Gefühl, dass irgendwo im Dunkeln über Simon Moores Geist wacht und seine Hände über die Gitarrensaiten führt. Genauso überzeugend war er auch beim Spielen des Erbes eines weiteren unvergesslichen Gitarristen, des Meisters legendärer Gitarrenphrasen – Ritchie Blackmore.

Meister Airey war erwartungsgemäß eine Klasse für sich, besonders in den instrumentalen Momenten, während man an diesem Abend auch die starke Rhythmusfraktion nicht übersehen konnte – Bassist Cottle hatte dabei ein paar interessante Solo-Momente. Der gut aufgelegte Sänger Sentance erledigte seine Gesangsaufgabe sehr solide und begeisterte mit Herzblut und Charisma, auch wenn er bei den höheren Lagen ein wenig kämpfte – letztlich schlug er sich aber ganz geschickt heraus. Dons ambitionierte Truppe eröffnete den Auftritt mit dem Rainbow-Schwergewicht »Eyes of the World«, gefolgt von der Solo-Nummer »3 in the Morning« sowie einem weiteren Rainbow-Standard, »No Time To Lose«, der erwartungsgemäß auf hohem professionellem Niveau herauskam.

Dann kam die erste von zwei etwas größeren Überraschungen des Abends: die Darbietung der unsterblichen Whitesnake-Power-Ballade »Is This Love«. Airey war zwar nie offizielles Mitglied von Whitesnake, spielte aber als Gastmusiker auf beiden kommerziell erfolgreichsten Alben der Band mit, nämlich »Whitesnake« (1987) und »Slip of the Tongue« (1989). Hier glänzte besonders Carl Sentance, der die Klangfarbe von Coverdales Stimme recht gut traf und der Band half, die originale atmosphärische Magie dieser unvergesslichen Klassikerin mitzuerschaffen. Die unerwartete Darbietung von »Is This Love« war definitiv einer der Höhepunkte des Abends.

Nach den exzellenten Darbietungen der beiden zuvor erwähnten Gary-Moore-Evergreens spielte Dons Band den Evergreen »Fire«, eigentlich ein Cover von Jimi Hendrix, das ebenfalls sehr anständig herauskam. Darauf folgte die zweite Überraschung: die Darbietung des Deep-Purple-Meisterwerks »Child of Time«, was so manchen völlig überraschte, da es sich um eine der vokal anspruchsvollsten Klassiken handelt. Sentance hatte zwar ordentlich zu kämpfen, um die hohen Töne zu erreichen, schlug sich aber leidlich durch, und man musste ihm großen Mut und Herzblut für dieses anspruchsvolle gesangliche Unterfangen attestieren – schließlich handelt es sich dabei vokal um eines der schwierigsten, wenn nicht gar das schwerste Stück aus dem  Deep Purple-Schatz.

Der abschließende Teil des Konzerts war erwartungsgemäß ‚regenbogenfarben‘ gefärbt, da die Band drei Rainbow-Evergreens aus der Zeit spielte, als Don sein Geld bei Ritchies Bruderschaft verdiente. Das Instrumental »Difficult to Cure«, das ein Arrangement von Beethovens Neunter Symphonie enthält und zugleich einen Hauch Progressive Rock verbreitet, kam hervorragend rüber, während der beliebte »Down to Earth«-(1979-)Hit »All Night Long«, bei dem das Publikum kräftig mitmachte, sowie »Lost in the Hollywood«, ebenfalls vom besagten Album, irgendwie erwartbare Wahlmöglichkeiten für den Schlusspart des Konzerts waren. Don witzelte vor dem Instrumental, dass sie es aufgrund der spielerischen Schwierigkeit in Difficult To Play umbenannt hätten.

Nach der prompten Rückkehr auf die Bühne spielte Aireys Truppe hervorragend den großen Rainbow-Hit »Since You’ve Been Gone«, bei dem auch das immer ausgelassenere Publikum in den vorderen Reihen aktiv mitmachte – besonders beim Refrain. Es ist irgendwie traurig, dass die meisten Menschen, die nicht zu den aktiven Musikfans zählen, Rainbow heutzutage nur noch durch diesen vielfach gecoverten Evergreen kennen, den Ritchies Crew ‚damals‘ nach dem Original von Russ Ballard gecovert hatte. Der obligatorische Deep-Purple-Hit in der Zugabe war zum Glück nicht »Smoke On The Water«, wie sonst üblich, sondern »Black Night«, was alle erfreute, die die bekannteste Klassik der Hardrock-Champions überhaupt nicht vermissen – denn die ist mit den Jahren, besonders auf Konzerten, zu einer Art ‚ewigem Dauerbrenner‘ geworden.

Der Auftritt des stets gut aufgelegten Don Airey und seiner spielfreudigen Band in der Bluesiana war eine gelungene Feier der letzten vier Jahrzehnte Classic Rock – den ganzen Abend lang gab es qualitativ hochwertige Versionen zahlreicher unvergesslicher Evergreens zu genießen. Dabei sei erwähnt, dass Aireys Band angesichts ihres ausgefeilten technischen Könnens durchaus auch das eine oder andere Colosseum-II-Stück hätte spielen können – aber das wäre in diesem überwiegend classic-rock-gefärbten Abend vielleicht ein übertriebener Ausflug in komplexere Jazz-Rock-Fusion-Gewässer gewesen (ein paar Instrumental-Momente in diese Richtung gab es immerhin), was manche im Publikum wohl nicht sonderlich gut aufgenommen hätten. Trotzdem hat an diesem Abend in der Bluesiana niemand die Colosseum-II-Schöpfungen vermisst – genauso wenig wie Dons Erbe aus der Zeit, als er mit Bands unter dem Kommando von Cozy Powell, Ozzy Osbourne und Michael Schenker zusammenarbeitete, was so mancher, der auf seine Abenteuer mit Rainbow und Deep Purple schwört, nur zu gerne schnell vergisst.

Setlist

1. Eyes of the World
2. 3 in the Morning
3. No Time to Lose
4. Is This Love
5. Back on the Streets
6. Still Got the Blues
7. Fire
8. Child in Time
9. The Way I Feel Inside
10. Difficult to Cure
11. All Night Long
—Zugabe—
12. Since You Been Gone
13. Black Night

 

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