Rockerischer Durchzug im Vipavatal (2013)

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Autor: Urban Bolta

Ort: Lože pri Vipavi / Slowenien
Konzertdatum: 07.06.2013
Besucherzahl: 250
Eintrittspreis: 5€

Ins Vipavatal verschlägt es den durchschnittlichen Musikgourmet aus Zentralslowenien nicht gerade jeden Tag – schon die Hauptstadt bietet (zumindest was die slowenische Konzertszene betrifft) eine ausreichend vielfältige Palette an Musikveranstaltungen, um den Appetit der regelmäßigen Begleiter der heimischen Szene zu stillen. Aber ab und zu ist natürlich auch mal eine Ausnahme erlaubt. Besonders wenn es sich um einen angenehmen Freitagnachmittag handelt, an dem ein Regenschauer die Atmosphäre in der Primorska aufgefrischt hatte und dann den Sonnenstrahlen Platz machte, die in den letzten Tagen langsam an die bevorstehenden Sommertage erinnerten. Das gute Wetter war natürlich nicht der einzige Grund für den Ausflug nach Lože pri Vipavi – in den Schatten des Nanoš-Plateaus lockten auch Pelhan und Zmelkoow, Erstere völlig neu auf der Szene, Letztere bereits erfahrene Begleiter unseres rockerischen Alltags.

Leider halten es alle Konzerte östlich des Postojnaer Tors so, dass sie erst in den späten Abendstunden beginnen – dabei wird vielleicht das eine oder andere Bier mehr verkauft, eindeutig aber auf Kosten der Geduld der Handvoll Leute, die tatsächlich wegen der Musik gekommen sind. Auch die Szene in Lože war ausgeprägt feierlustiger Natur – im Vordergrund stand das Beisammensein, und irgendwo im Hintergrund erst die Musik als solche. Hamburgerduft lag in der Luft, das Bier floss in Strömen, und die Uhr tickte gnadenlos in die lange Nacht hinein…

PELHAN betrat die Bühne also erst wenige Minuten vor halb Mitternacht – zu einem Zeitpunkt, als in den Häusern des netten Küstendorfs das Licht schon erloschen war. Es handelt sich um das Projekt von Aleša Pelhana, der im März sein Debütalbum »V neznano« veröffentlichte, das Ergebnis jahrelanger Arbeit, und es mit einem Konzert im Orto bar der slowenischen Öffentlichkeit vorgestellt hat. Der Auftritt in Lože war ihr zweiter, der erste auf heimischem Primorska-Terrain, weshalb ich erwartet hatte, dass ihre Freunde vor der Bühne das Sagen haben würden – aber ich lag falsch. Pelhan stellten sich trotz der Distanz zwischen Bühne und Publikum am hinteren Ende des Zelts der schwierigen Aufgabe erfolgreich und servierten am laufenden Band Eigenkompositionen, unter die sie auch Cover von Wings, Europe und Bon Jovi gemischt hatten. Die meisten Blicke richteten sich auf Aleša Pelhana, den Frontmann mit seiner unverwechselbaren Körpermimik, mit der er die gesungenen Verse pantomimisch in die Live-Performance überträgt. Aleš, nebenbei auch Gitarrist der Band Skalp, besitzt eine außerordentliche Vokalenergie – kein Wunder, dass ihm die Songs Nov človek und Okrog najine osi mit ihrer betonten Vokalkomponente wie auf den Leib geschrieben sind! Bei dem melodisch ausgerichteten Rock, den Pelhan pflegen, sind perfektionistisch zusammengesetzte Bausteine des Klangmosaiks eine der Grundvoraussetzungen für einen guten Auftritt. Obwohl die Keyboards von Peter Smrdel im Klangbild stellenweise zu kurz kamen, gelang es Pelhan – besonders bei den Balladen und Halbballaden (Pesem zate, Prekleti raj) – eine magische Atmosphäre zu beschwören, als würde man die Songs in ihrer Studioversion hören. Aleš steuerte geschickt durch den Auftritt, den Pelhan mit dem komplexeren Stück Blizu je zadnji izdih abschlossen. Nach gut einer Stunde hatten Pelhan dem Publikum tatsächlich ein paar Tanzschritte entlockt – daher war die Wahl des letzten Songs etwas unglücklich. Jasno – Pelhan hatten geplant, den Abend mit einer erneuten Performance der Knaller-Single V neznano zu beenden, aber wegen des verspäteten Starts mussten sie das Programm noch vor dem geplanten Finale abschneiden. Trotzdem insgesamt ein gelungener Auftritt, der die Anreise aus Ljubljana in jeder Hinsicht gerechtfertigt hat! Definitiv sehen wir uns wieder!

Dann war es Zeit für die verschmitzte Version des Rock’n’Roll namens ZMELKOOW! Die Küsten-Rockband mit mehr als zwanzigjähriger Bühnenerfahrung hat gerade in der Primorska eine starke Fangemeinde – so füllte sich das Zelt im Nu mit dem Eröffnungssong Primavera. Zmelkoow traten in Lože im Rahmen der thematischen Tour »Bek tu d ruc« auf, die die bei den Fans der Band nicht allzu beliebten PSY-hadelisch konzipierten Konzerte ersetzte, bei denen die Songs (größtenteils neueren Datums) in marathonartige psychedelische Jams umgewandelt wurden. Diesmal präsentierten sich Zmelkoow mit einer Auswahl älterer Songs mit schon halbwegs Kult-Status – auch die seltener gespielten Stücke Mogoče me ni, Nagradno potovanje und Ko bom prišel spet nazaj fehlten nicht. Der stets gutgelaunte Frontmann Goga versorgte das Publikum zwischen den Songs mit philosophisch inspiriertem Humor der typischen Zmelkoow-Schule. Neben dem Stamm-Trio (der bereits erwähnte Goga, Žare am Bass, Koščak am Schlagzeug) ergänzte Anuša die Besetzung an den Keyboards – eine langjährige Begleiterin und mit ihren weiblichen Backing Vocals die Hauptverantwortliche für die dynamische Auflockerung ihrer Auftritte. Die Küsten-Feiervögel kochten aus ihrem Programm eine echte Minestrone an Stimmungsdynamik – von flotten Songs wie Bit und Čao Sonček bis hin zu den ruhigeren Zavese plešejo und Franko Frkič. Den von Natur aus etwas schrägen Zmelkoow liegt die nächtliche Stunde und die damit verbundene Feierenergie einfach, und so hielten sie das Publikum wie im Spiel zwei volle Stunden lang auf den Beinen – und was noch imposanter ist: Auch Bassist Žare hielt das Tempo durch! War er nämlich jahrelang mit seinem Auftreten (und dem einen oder anderen Bier zu viel) zum echten Bandmaskottchen geworden, hält er sich in den letzten ein, zwei Jahren mehr zurück und überlässt den Taktstock vollständig Goga.

Während das Vipavatal normalerweise gegen die heftigen Böen der Bora kämpft, hat es diesmal der Sound von Zmelkoow und Pelhan aufgewirbelt. Beide haben erfolgreich ihre jeweilige Definition von Rock’n’Roll präsentiert – das Grundziel des Events, die musikalische Befriedigung der Besucher, war damit definitiv erfüllt.

Setlist

1. V neznano 
2. Če jutri umrem 
3. Nov človek 
4. Live and Let Die
5. Gregor 
6. Okrog najine osi 
7. Mrtvo mesto 
8. Pesem zate 
9. V zavest 
10. Prekleti raj 
11. Moč domišlije 
12. Supersticious
13. Pravi obraz 
14. Living on a Prayer
15. Blizu je zadnji izdih

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