Rise of the Tyrant
Autor: Rok Klemše
Interpret: Arch Enemy
Label: Century Media
Release: 2007
Die letzte Platte der schwedischen Melodic-Death-Metal-Champions, Doomsday Machine (2005), war bis dahin ihr ambitioniertestes Werk und zugleich ihr erfolgreichstes Album, das sie unter die ganz großen Namen des Metal katapultiert hat. Die Fans hat sie zwar in zwei Lager gespalten – die einen vermissten den „Old-School“-Sound von Arch Enemy, die anderen feierten die tolle Produktion des genialen Andy Sneap – aber an mangelnder Qualität krankte das Ding nicht. Kurz nach dem Release verließ Gitarrist Chris Amott die Band, ersetzt wurde er vom hervorragenden Fredrik Åkesson (inzwischen bei Opeth), doch die unglaubliche Energie der Amott-Brüder haben viele trotzdem vermisst. Vor ein paar Monaten dann der Knall – Chris ist zurück in der Band! Und obendrauf haben Arch Enemy für ihre neue Platte den Produzenten ihrer ersten vier Alben engagiert, Fredrik Nordström. Die Erwartungen waren entsprechend riesig.
Rise of the Tyrant löst sie nach ein paar Durchläufen mehr als nur ein! Das hier ist eines der besten Alben der Arch-Enemy-Diskografie! Auf eine Rückkehr zum alten Sound der Besetzung aus Johan-Liiva-Zeiten darf man zwar nicht hoffen, aber Fredrik hat es geschafft, aus der Frau und den Jungs das Beste rauszukitzeln. Der Trademark-Sound quillt dem Album nur so aus allen Poren, und Material wie Spielqualität sind noch mal besser geworden. Instrumental klingen Arch Enemy mit jeder Veröffentlichung eine Stufe höher. Rise of the Tyrant rückt eines der besten Gitarrenduos der Gegenwart in den Vordergrund, die Brüder Amott (Bonded by Blood, hehe…). Die Chemie zwischen den beiden ist fantastisch, das Album ist randvoll mit mörderischen Leads, harmonischen Passagen, Shred-Perfektion, melodischen Riffs und Duell-Soli, bei denen einem die Ohren bluten. Manche warfen Doomsday Machine genau diese unoriginellen Riffs vor. Die Angst, dass Rise of the Tyrant denselben Fehler wiederholt, ist unbegründet – die Gitarrenparts auf dem Album gehören zum Besten, was die Brüder je aus sich herausgepresst haben. Auch die Rhythmusfraktion glänzt in vollem Licht, allen voran Daniel Erlandsson mit tierischem Drumming voller irrer Übergänge, Blastbeats und ultraschnellem Doublebass-Geknüppel. Ankreiden könnte man höchstens, dass Nordström diesmal vor allem den Gitarren Raum gegeben und die Rhythmusfraktion ein bisschen vernachlässigt hat, vor allem ist es ein Jammer, dass der Bass vom großartigen Sharlee D’Angelo fast komplett untergeht, aber Geschmäcker sind verschieden, und dem einen gefällt das, dem anderen nicht. Die zentrale Figur der Band ist aber die charismatische Sängerin Angela Gossow. Nach dem Abgang von Liiva haben viele Arch Enemy vorgeworfen, eine Frau am Mikro sei bloß Aufmerksamkeitshascherei, doch Angela beweist mit jeder neuen Platte, dass sie jedes Mal besser wird und sich locker mit den männlichen Growlern messen kann. Schön zu hören, dass ihr Gesang auf Rise of the Tyrant ausgesprochen natürlich und organisch klingt und damit, anders als auf Doomsday Machine mit seinen vielen Effekten und „Layern“, wirklich zur Geltung kommt. Die wütenden Vocals sind mächtig und brutal, aber Angelas Texte werden auch emotional interpretiert. Der hellste Punkt von Rise of the Tyrant ist die unglaubliche Balance zwischen Brutalität und Melodik, die so gut schon seit dem Debüt Black Earth (1996) oder dessen Nachfolger Stigmata (1998) nicht mehr geklungen hat. Wenn im Intro von Blood On Your Hands die Luftschutzsirene die 50-minütige Belagerung einläutet, ist keine Zeit, Deckung zu suchen! Rise of the Tyrant bombardiert gnadenlos mit Zerstörern, die sich einer nach dem anderen aneinanderreihen, ob The Last Enemy, I Will Live Again oder das großartige Instrumental mit abgefahrenen neoklassischen Passagen der unaufhaltsamen Amott-Brüder. Einen schwachen Moment hat das Album nur – in The Great Darkness haben sie Chorgesang reingestopft, der aufgesetzt, unnötig und völlig fehl am Platz klingt.
Rise of the Tyrant ist ganz sicher eine der besten Metal-Veröffentlichungen dieses Jahres. Mit roher Energie, einer Intensität, die dir das Hirn wegbläst, glänzenden Gitarren und einer tobenden Angela jagt es dir eine Pferdedosis Adrenalin direkt in die Aorta. Verneigt euch! Der Tyrann erhebt sich!
Besetzung
Angela Gossow – Gesang
Michael Amott – Gitarre
Christopher Amott – Gitarre
Sharlee D’Angelo – Bass
Daniel Erlandsson – Schlagzeug
Produktion
Fredrik Nordström
Tracklist
1. Blood on Your Hands 04:41
2. The Last Enemy 04:15
3. I Will Live Again 03:32
4. In This Shallow Grave 04:54
5. Revolution Begins 04:11
6. Rise of the Tyrant 04:33
7. The Day You Died 04:52
8. Intermezzo Liberte 02:51
9. Night Falls Fast 03:18
10. The Great Darkness 04:46
11. Vultures 06:35