Retrolution

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Axxis
Label: Phonotraxxx Publishing
Erscheinung: 2017
Laufzeit: 48:01
Bewertung: 3.5/5

Axxis sind deutsche Hard-Rock-Veteranen, die seit 1988 aktiv sind. Unvergessen bleibt ihr Auftritt 1989 in der Hala Tivoli in Ljubljana, als sie den Konzertabend vor Black Sabbath eröffneten – den Angaben zufolge war das der 27. September 1989. Der Autor dieses Beitrags steckte damals tief mit der Nase im Jazz und verpasste dieses epochale Konzert, was ihm heute unendlich leid tut.

Kommen wir also zur Sache. Damals ritten Axxis hoch auf den Wellen des kommerziellen Erfolgs, den ihr Debüt »Kingdom of the Night« eingeläutet hatte – das bis heute als das meistverkaufte Hard-Rock-Debüt (aller Zeiten) in der Geschichte des deutschen Rock gilt. Im Schatten dieses Erfolgs mussten Axxis all die folgenden Jahre lang gegen die Musiktrends ankämpfen. Die Band hat sich verändert, neue Mitglieder kamen und gingen, doch zwei Namen bilden das feste Fundament: der einzigartige Sänger Bernhard Weiss und Keyboarder Harry Öllers. Warum dieser Einstieg, wenn Axxis doch noch vor Jahren mit einer stilistischen Häutung Alben veröffentlichten, die in der Generik der Power-Metal-Klischees versanken?

Axxis mussten schlicht irgendwie auf der Szene überleben, und dieser stilistische Ausreißer, den die Alben »Doom Of Destiny« (2007) und »Utopia« (2009) verkörperten, war die Garantie dafür. Nun, offenbar ändern sich die Zeiten, und die Nostalgie packt Bernhard und seine Leute immer stärker. Die Rückbesinnung auf die Wurzeln – respektive der stilistische Rückwärtsgang – kündigte sich vor drei Jahren mit dem Album »Kingdom of the Night II« an. Das ist eine Veröffentlichung, vertreten durch eine »weiße«, also balladenhafte Version sowie eine schwarze, bei der die verzerrten Motoren kräftiger aufheulen.

»Retrolution« bestätigt diese Kehrtwende. Stilistisch ist das Ganze wieder sinnvoller verortbar – auch wenn es sich »grob« liest, Axxis irgendwo zwischen Scorpions und Bonfire einzuordnen, statt irgendwie nach Power Metal zu riechen. Um diese Kehrtwende wirkungsvoll abzuschließen, musste die Band den Gitarristen wechseln. Mark Wriedt, der sich beim Einspielen von »Kingdom of the Night II« offenbar nicht optimal in die neue Atmosphäre der Band eingefunden hatte, wurde für »Retrolution« durch Stefan »Stürmer« Weber ersetzt. Der »Stürmer« ist eine hervorragende Verstärkung der Gruppe und leistet Großartiges – in den Soli ebenso wie in den glühenden und einfallsreichen Lösungen treffsicherer Gitarrenphrasen innerhalb der Kompositionen. Mit seiner Gitarre ist er immer »zur richtigen Zeit am richtigen Ort«. So klingt Axxis wieder näher an die Ära ihres kommerziellen Erfolgs heran – und war »Kingdom Of the Night II« die Fortsetzung des kultigen Debüts, ist »Retrolution« der evolutionär sinnvolle Nachfolger des Albums »Kingdom of the Night II«. Axxis bekommen damit nun den Glanz klanglicher Verwandtschaft mit alten Hard-Rock-Bands aus Deutschland, wie etwa Jaded Heart, Frontline, Mad Max und Casanova, behalten dabei aber ihr gewohntes Kompositionsformat bei, das mit Elementen des Power Metals kommuniziert. So werden die rhythmischen Strukturen natürlich gelegentlich auch mit der Doppelbassdrum unterfüttert, und die Riffs bekommen so den Charakter des Power Metals. In der Folge ziehen sie durch die melodische Eingängigkeit in solchen Momenten auch Parallelen zu Edguy (von deren weniger brillanter Seite) sowie zu einzelnen Karrierepunkten von Gamma Ray. Unterm Strich bedeutet das: Axxis haben bei ihrer Transformation die Eigenheit ihrer musikalischen Identität bewahrt und sie in zeitgemäße Produktionstricks getaucht.

Das ist ein Album gelungener Transformation und Rückkehr zu den Wurzeln. Ein modern klingendes Hard-Rock-Album mit hohem Suchtfaktor, mit Power-Metal-Elementen, die diesmal reichlich zurückgenommen, aber noch wahrnehmbar sind. Weiss bleibt vokal fit und frisch, und die Kompositionen entwickeln erfolgreich Momente von Pomp, Theater und Bombast. Die Produktion bleibt typisch deutsch – mit klar nach vorne gemischten Gitarren im Klangbild. Scharf und zugespitzt. Ein Album tugendhaft gebauter Kompositionen, ohne arrangertechnische Ausrutscher – zugleich aber mit einer unvorteilhaft wahrnehmbaren Note »abgedroschener« Botschaft und einem heute störenden und vollkommen bescheuerten Element, das in der Nummer Heavy Metal Brother zu vernehmen ist. Ansonsten ein schönes, glaubwürdig dastehendes Album, mit Songs, die auf neuen Konzerten hervorragend an die kultigen Klassiker der Band aus dem Anfangsteil ihrer Karriere anknüpfen werden. Die Transformation ist also vollständig gelungen – und das war auch das grundlegende Ziel der heutigen Axxis.

Besetzung

Bernhard Weiß – Gesang
Harry Oellers – Keyboards
Stefan Weber – Gitarre
Rob Schomaker – Bass
Dirk Brand – Schlagzeug

Produktion

Bernhard Weiss

Trackliste

01. Burn! Burn! Burn!
02. All my friends are liars
03. Dream Chaser
04. Burn down your house
05. Rock the night
06. The world is mine
07. Do it better
08. Queen of the wind
09. Seven Devils
10. This is my day
11. Somebody died at the party
12. Heavy Metal Brother
13. Welcome to my nightmare (Bonustrack)
14. Demons dare to stay

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