Fear No Evil
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Quartz
Label: Skol Records
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 48:56
Wertung: 3.5/5
Diese Rezension kommt mit einem kleinen Zeitverzug, ich widme sie jedoch dem verstorbenen Keyboarder dieser legendären NWOBHM-Band aus Birmingham, Geoff Nicholls, der Ende Januar 2017 von uns gegangen ist. Nicholls erlangte seinen Ruf in den Achtzigern, als er nach der Auflösung von Quartz zu Black Sabbath stieß, jenem berüchtigten Namen von Pionierrang, der ebenfalls aus Birmingham stammt.
»Fear No Evil«, dem Geoff Nicholls sein musikalisches Gütesiegel ein letztes Mal aufdrückte, ist gerade mal das dritte Studioalbum der Band, die einst die NWOBHM-Bewegung repräsentierte. Die Band veröffentlichte 1980 ihr Debütalbum »Stand Up And Fight«, dem 1983 »Against All Odds« folgte. Danach lösten sich Quartz auf und fanden 2011 wieder zusammen.
»Fear No Evil« enthält sage und schreibe dreizehn Songs. Und das Ergebnis? Die Eindrücke sind ein bisschen gemischt. Während die Retro-Klangwelt und die Rhetorik des Retro-Songwritings klassisch formatierter Heavy-Rock- und Heavy-Metal-Tracks unbestreitbar sind und das Album auch in der Klangproduktion den echten Old-School-Geschmack trägt, hinkt es auf der anderen Seite stellenweise in ideeller Hinsicht hinterher. Die Songs können sich nicht gerade mit Konsistenz rühmen, und so schwankt »Fear No Evil« im Gesamteindruck ein wenig. Das ist kein schlechtes Album – weit davon entfernt –, aber es packt einen nicht so überzeugend, da einige Songs allzu oft vor allem an Black Sabbath erinnern (Stalker).
Der Einstieg ist außerordentlich vielversprechend, denn der einleitende Titeltrack stellt Quartz genau dort hin, wo wir ein Album dieser legendären Band im Jahr 2017 erwarten und uns wünschen. Er trägt zugleich jene wohlbekannte Schwingung, die nostalgisch mit unseren Gefühlen spielt, und liefert gleichzeitig ein eigenständiges musikalisches Profil. Quartz erinnern schnell daran, dass ihre Songwriting-Instinkte dem Riff-Format nahestehen, wie es ihre Zeitgenossen Saxon (Scream at the Devil) oder die etwas älteren Judas Priest pflegten, und im weiteren Verlauf greifen die Macher immer wieder sogar auf das zurück, was Ozzy Osbourne Anfang der Achtziger tat, oder was Black Sabbath später vor allem in der Zeit machten, als Tony Martin bei ihnen sang (Walkin‘ On Holy Water).
Das hört man sowohl in den Riffs, Soli und dem Gitarrensound (das ist ein fetter Gibson-SG-Sound mit ungemein wuchtigen Durchsetzungseigenschaften) als auch stellenweise im Gesang von David Garner (ex-Lucifer) – mit dem Unterschied, dass man sich heute brennend wünschen würde, den »Fürsten der Finsternis« mit auch nur einem Hauch jener Stimmkraft zu hören, die Garner auf »Fear No Evil« an den Tag legt.
Nun, zwischen dem außerordentlich vielversprechenden Titeltrack und jenem unglaublich expressiven und besonderen Höhepunkt des Albums, den Quartz mit Zombie Ressurection liefern – in dem Garner mehr vokale Variabilität entfaltet und endlich seine herausragenden stimmlichen Qualitäten unter Beweis stellt –, finden sich Nummern wie Rock Bottom. Dieser Song ist nicht nur gleichnamig mit einem der bekanntesten Momente der UFO-Karriere, sondern die Gitarrenfigur, die den Song trägt, ist dem Rainbow-Klassiker Kill the King verblüffend verwandt. In der Geschichte von Rock und Metal haben einige Bands diesen Riff von Rainbow »abgeschrieben«. Ein solcher Moment stört beim Hören des Albums. Riot in the City ist sogar vergleichbar mit dem späteren »Tony Martin era«-Schaffen von Black Sabbath. Er besitzt einen eindrucksvollen Keyboard-Part von Geoff Nicholls, der in das obskur-okkulte und düstere Theater, von dem das Album voll ist, einen atmosphärischen Twist einbringt, bevor in der vorzüglichen Mid-Eight-Passage die Gitarren die Führungsrolle übernehmen.
Quartz beweisen mit dem neuen Album, als hätte die langjährige Pause nie stattgefunden und als hätten sie sich die ganze Zeit regelmäßig – wenn auch im Verborgenen, zumindest zu Proben – getroffen, obwohl sie bis 2011 fast zwanzig Jahre nicht mehr zusammengespielt hatten. Sie spielen brillant, die Produktion hat die Nostalgie der Retro-Klangwelt bewahrt. Das Album vermittelt sofort das Gefühl, dass man es mit einem lebenden Fossil aus ferner Vergangenheit zu tun hat, das gerade wegen seines Überlebens und der Übertragung »musikalischer Charakteristika längst vergangener Zeiten« in die Gegenwart umso interessanter und anziehender ist.
Quartz – Fear No Evil (offizielles Audio):
https://www.youtube.com/watch?v=6VYM9UgzNSo
Besetzung
David Garner – Gesang
Mick Hopkins – Gitarre
Geoff Nicholls – Gitarre, Keyboards
Derek Arnold – Bassgitarre
Malcolm Cope – Schlagzeug
Produktion
Quarz
Tracklist
1. Fear No Evil
2. Rock Bottom
3. The Stalker
4. Rapture
5. Zombie Resurrection
6. Barren Land
7. Walking on Holy Water
8. Dangerous Game
9. Born to Rock the Nation
10. Riot in the City
11. Dead Man’s World
12. Scream at the Devil