Restoration
Autor: Peter Podbrežnik
Interpret: Haken
Label: Inside Out Records
VÖ: 2014
Laufzeit: 33:59
Wertung: 4/5
Die modernen britischen Prog-Rocker Haken haben sich 2014 entschlossen, eine EP mit dem Titel »Restoration« in digitaler Form zu veröffentlichen. Damit knüpfen sie nahtlos an den hervorragenden Eindruck an, den sie mit dem glänzenden Studioalbum »Mountain« (2013) hinterlassen haben, auf dem sie mit ihrer technisch ausgefeilten und spontan arrangierten Mischung aus klassischem Prog-Rock, Prog-Metal und Jazz-Fusion begeisterten – wobei man gelegentlich den Einfluss ihrer Vorbilder heraushören konnte, allen voran King Crimson, Gentle Giant und Dream Theater. »Restoration«, das vierunddreißig Minuten lang ist, ist ihr erstes Album mit dem neuen Bassisten Conner Green und das zweite in Zusammenarbeit mit Produzent Jens Bogren. Die EP »Restoration« enthält drei Tracks, die eigentlich neu eingespielte und neu arrangierte Versionen von Kompositionen aus der Demo-Scheibe »Enter the 5th Dimension« (2008) sind, die noch vor Hakens Debütalbum »Aquarius« (2010) aufgenommen wurde.
Die Demo-Versionen dieser Kompositionen haben eine vollständige Überarbeitung und Neuinterpretation einzelner Ideen erfahren, womit sie vollständig dem aktuellen Stil der Band angepasst wurden. Für den Opener »Darkest Light«, eine durch und durch typische Haken-Schöpfung mit gebrochenen Rhythmen, unerwarteten Taktwechseln, brutalen Gitarren-Variationen und schwermütigem Gesang, hat die Band auch ein Promo-Video gedreht. Über die fatalistische Atmosphäre erhebt sich gelegentlich ein melodischer Refrain, der aber dennoch die Herrschaft der düsteren Ambient-Schleier nicht zu verdrängen vermag. Die Demo-Version von »Darkest Light« hieß ursprünglich »Blind« und war angeblich noch einmal so lang, doch die Band hat nach eigenen Worten ‚unnötigen Ballast davon entfernt‘. Kein bisschen heiterer klingt das ebenso ausgeprägt melancholische und düstere »Earthlings«, das zeitweise wie eine Totenmesse klingt – was durch den leidenden Gesang von Ross Jennings und seine trostlose Vermittlung des postapokalyptischen Textes noch weiter gesteigert wird.
Der ambitionierteste und interessanteste Track auf »Restoration« ist zweifellos das neunzehnminütige experimentelle Schmankerl »Crystallised«, das als besonderen Gast den amerikanischen Schlagzeug-Sonderling Mike Portnoy (ex-Dream Theater, Transatlantic, The Winery Dogs) aufweist. Von allen drei »Restoration«-Kompositionen würde sie stilistisch wohl am ehesten zu den Stücken auf »The Mountain« passen, da sie unter anderem die für Gentle Giant typische Verwendung der vokalen Kontrapunkttechnik enthält, die Haken offenbar so gut gefallen hat, dass sie sie erneut eingesetzt haben. An Gentle Giant erinnert auch die gelegentliche Verwendung von Xylophon und Polyrhythmik, was sich sehr gut mit den düsteren sinfonischen Arrangements und den Prog-Metal-Gitarrenpassagen verbindet und eine zauberhafte Atmosphäre entstehen lässt.
Portnoy hat auf »Crystallised« entgegen den Erwartungen der meisten keine Drums eingespielt, sondern in den ausklingenden Sekunden des Epos lediglich ein paarmal einen Gong geschlagen – sodass seine Anwesenheit neben den Haken-Mitgliedern, die große Dream Theater-Liebhaber sind, eher symbolischer Natur war. Haken haben für die Fans sogar ein Gewinnspiel organisiert, bei dem diese herausfinden mussten, welches Instrument der berühmte Schlagzeuger gespielt hatte, und lange rätselte man vergeblich, bevor jemand von ihnen herausfand, dass es sich um einen Gong handelte.
Alle Haken-Fans, von denen es in den letzten Jahren dank immer ambitionierterer und experimentellerer Veröffentlichungen immer mehr gibt, werden mit der EP »Restoration« die Wartezeit auf das neue Studioalbum, das offensichtlich nicht vor 2016 erscheinen wird, deutlich leichter überbrücken können. Schon allein wegen »Crystallised« verdient diese EP die Aufmerksamkeit all jener Prog-Rock/Prog-Metal-Fans, die bisher in Sachen Haken ‚im Dunkeln getappt‘ sind, denn es handelt sich um eines ihrer besten Werke, das so manche Genre-Grenze überwindet und einmal mehr eindrucksvoll beweist, dass klassischer Prog-Rock und Prog-Metal in vollkommener Harmonie miteinander existieren können.
Besetzung
Ross Jennings – Gesang
Richard „Hen“ Henshall – Gitarre, Keyboards
Charlie Griffiths – Gitarre
Conner Green – Bassgitarre
Diego Tejeida – Keyboards, Sounddesign
Raymond Hearne – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Pete Rinaldi – Gitarre auf „Crystallised“
Mike Portnoy – Gong auf „Crystallised“
Produktion
Jens Bogren
Tracklist
1. Darkest Light (6:44)
2. Earthlings (7:52)
3. Crystallised (19:23)