Of Ghost and Gods

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Autor: Primož Novak

Künstler: Kataklysm
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 45:56
Bewertung: 3.2/5

Fans der kanadischen Band Kataklysm können sich glücklich schätzen, wenn sie alle zwei Jahre mit einem neuen Album überrascht werden. Kataklysm haben in den letzten 20 Jahren nämlich schon satte 12 Alben aufgenommen — und wirken dabei schlicht unaufhaltsam. Fans, die die Band schon seit den Neunzigern verfolgen, können von den aktuellen Alben aber vermutlich wenig begeistert sein. Die Band hat nämlich schon vor langer Zeit den echten Death Metal aufgegeben, der die Einzigartigkeit der kanadischen Szene ausmachte. Kataklysm sind kommerzieller geworden; mehr Melodie, eingängige Refrains und unzählige Sing-a-long-Parts prägen das Bild. Auf dieser Basis füllen Kataklysm inzwischen auch größere Hallen und genießen schlicht ihren Ruf.

Mit Of Ghost and Gods wurde mal wieder das beste Album erwartet. Diesmal wirklich. Ohne Witz. Die Band hatte nämlich angekündigt, alle Songs seien gleich gut, und deshalb hat sie für jeden einzelnen einen Videoclip gedreht. Den Ankündigungen nach darf man also auf ein neues Master of Puppets oder Reign in Blood hoffen.

Leider sieht die Realität ganz anders aus. Schon mit dem ersten Track Breaching the Asylum bekommt man einen abgedroschenen melodischen Opener und ein klischeebeladenes Vers-Riff, das wohl nur noch Amon Amarth so schreiben würden. In The Black Sheep läuft es ähnlich, nur dass die Band noch einen kurzen Breakdown einbaut — womit Kataklysm in Sachen Originalität noch weiter abrutschen. Amerikanischer könnte es kaum klingen. Bis zum Albumende bessert sich die Lage zwar etwas, aber eine wirkliche Wende gibt’s nicht. Neben der Melodie legt die Band auch etwas mehr Groove rein, was den Songs ein bisschen mehr Dynamik verleiht. Der ein oder andere Song glänzt sogar noch mit echtem Death-Metal-Feeling. In Marching Through Graveyards und Hate Spirit bestätigt sich, dass Gitarrist Jean-François Dagenais noch in der Lage ist, ein Death-Metal-Riff zu schreiben. Dazu beigetragen hat wohl auch Schlagzeuger Olivier Beaudoin, der sich schon auf dem letzten Album Waiting for the End to Come als exzellenten Ersatz für den angeschlagenen Max Duhamel bewährt hat, der den Takt nicht halten konnte. Manchmal hat man aber das Gefühl, dass der Schlagzeuger das interessanteste Mitglied von Kataklysm ist, wenn man seinen Sinn für Speed und Groove hört.

Ein weiterer ziemlich schwacher Punkt sind die Texte geworden. Vokalist Maurizio Iacono ist zweifelsohne verständlich, aber seine emotionalen Lyrics sind alles andere als originell — solche Texte sind nämlich typisch für Metalcore-Bands. Manchmal ist es schon seltsam, dass sich da noch keine Clean Vocals eingeschlichen haben.

Der Abschluss mit The World Is A Dying Insect macht Hoffnung. Kataklysm haben schon immer ein Händchen für Songs gehabt, die eher melancholischer Natur sind. Diesmal muss man ihnen zugute halten, dass ihnen eine interessante Struktur und wehmütige Melodien gelungen sind. Ein guter Abschluss rechtfertigt leider nicht die restlichen Songs, die randvoll mit Klischees, Generik und Vorhersehbarkeit sind. Kataklysm haben zwar ein gutes Rezept, um Publikum anzulocken, aber mit dem übertriebenen Setzen auf eine einzige Melodie verflüchtigt sich ihre Innovationskraft einfach.

Vieles verrät auch das Klangbild selbst. Kataklysm arbeiten auf ihren letzten Alben mit renommierten Produzenten zusammen, die an vielen bedeutenden Alben der heutigen Zeit beteiligt waren. Für den perfekten Sound hat diesmal Andy Sneap gesorgt, den sich die Band früher schlicht nicht leisten konnte.

»Alben stanzen« zahlt sich selten aus. Bei Kataklysm merkt man das mehr als deutlich — es mangelt an echten Ideen, und dem Trend wird viel zu sehr nachgeeifert. Kataklysm werden sich vermutlich nicht einfach so bremsen und das Songwriting durchdachter angehen. Derzeit genießen sie die größte Popularität ihrer Karriere, die sie auch mit durchschnittlichen Alben aufrechterhalten können.

Besetzung

Maurizio Iacono – Gesang

J-F Deganais – Gitarre

Stephane Barbe – Bass

Oliver Beaudoin – Schlagzeug

Produktion

J-F Deganais, Andy Sneap, Mark Lewis (Gesang)

Trackliste

01. Breaching The Asylum
02. The Black Sheep
03. Thy Serpents Tongue
04. Soul Destroyer
05. Vindication
06. Marching Through Graveyards
07. Shattered
08. Hate Spirit
09. Carrying Crosses
10. The World Is A Dying Insect

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