Relaunch II (EP)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Houston
Label: Cargo Records
Erschienen: 2014
Laufzeit: 37:58
Wertung: 3/5

Ein Jahr ist rum und Houston, weitere Vertreter aus der Riege der neuzeitlichen schwedischen AOR- und Melodic-Rock-Revivalisten, veröffentlichen ein neues offizielles Studiodokument. Nein. Kein Studioalbum. Leider noch nicht. Es handelt sich um die Fortsetzung der nostalgigeladenen EP »Relaunch« aus dem Jahr 2011, konsequenterweise mit »Relaunch II« betitelt.

Die Schweden gehen einen interessanten Weg. Auf ein Studioalbum folgt eine EP mit Coverversionen bekannter Künstler, darauf wieder ein Studioalbum, dann kommt erneut eine EP nach dem Vorbild der vorherigen,…  Die Sache hat offensichtlich gezündet und die Jungs genießen die volle Unterstützung des Umfelds. Die skandinavische Hingabe und Leidenschaft bleibt auch 2014 das Leitprinzip von Houston! Die Band hat eine neue, interessante Songauswahl getroffen, für die sie Arrangements erarbeitet hat, und dazu vier völlig neue Eigenkompositionen beigesteuert. Die Herren sind bis an die Zähne mit einem außergewöhnlichen Talent für die Kompositionsarbeit bewaffnet. Sie wissen genau, was sie wollen, und auch wie sie sich im Studio drehen müssen, um den angestrebten Zielwert mit großer Wirkung zu erreichen.  Unter den neuen Eigenkompositionen sticht Don’t Look Back eindeutig heraus.

Den Inhalt dieser EP sollte man weniger streng und mit weniger Anspruch betrachten. Die Band hat sich sechs Coverversionen gegönnt und dabei jede Menge entspannten Spaß im Studio gehabt. Natürlich gibt es dabei Schwankungen, bedingt durch die unterschiedlichen Ausgangspunkte der Originale wie auch durch die Tatsache, dass sie dem Sound und Stil von Houston unterschiedlich gut auf den Leib geschrieben sind. Ohne die Cover von One Republic (Counting Stars) und Georgia Florida Line (Cruise) käme man gut aus, denn in den Händen von Houston klingen sie so, als hätten sie sich an der »Süßlichkeit« der Hitmaker-Bands des vorigen Jahrzehnts vom Schlage Nickelback versucht. Die Band hat sich noch einen kleinen Moment des größeren Schocks gegönnt, indem sie sich entschloss, auch den Lady-Gaga-Hit Do What You Want zu covern, wobei sich der männlichen Stimme von Hank Erix im Duett die exzellente Gastvokalistin Lizette Von Panajott anschließt. Es ist gut, dass eine Band sich auf diese Weise Herausforderungen stellt und sich selbst überrascht. Von den drei Covers, bei denen die »Skip«-Taste am CD-Player ihre Berechtigung nicht verfehlt, funktioniert noch am besten dasjenige, das zu Lady Gaga gehört. Angesichts des Sounds und Stils, den die Gruppe pflegt, kommen die Cover von John Farnham (Justice for One), John O’Banion (Love is Blind) und Rick Springfield (Souls) ungleich besser weg. Schon die Originale aller drei Songs bieten eine außergewöhnliche AOR-formatierte Kompositionsästhetik, die in den Achtzigern die Hitparaden gehörig aufmischte.

Den Abschluss der EP bilden drei neue Eigenkompositionen, die »die Dinge ins rechte Lot rücken«. Die erste ist Our Love, die in Zusammenarbeit von Houston mit Mitgliedern der Bands Casablanca’s Reach, Reckless Love und Crazy Lixx entstanden ist. Ein solider Song, dem aber das hervorragende Downtown die Show stiehlt, mit einer besonders wirkungsvollen Steigerung der Stimmung in den Refrenkrészendó. Die EP beschließt Standing On the Moon, wo sich die Band etwas klangliches Experimentieren gönnt (Einsatz von programmierten Soundloops), das in Richtung Pop-Sensibilität driftet — besser wäre es gewesen, das wäre auf der EP gelandet und nicht auf einem Studioalbum der Gruppe.

»Relaunch II« ist ein neues Zeugnis außergewöhnlicher arrangementtechnischer Finesse und Geschick im Umgang mit Klangeigenschaften seitens der skandinavischen AOR- und Melodic-Rock-Revivalisten. Für alle Liebhaber dieses Genres definitiv einen Hördurchgang wert, während Kenner der Band, denen Houston mit beiden bisher erschienenen Studioalben ans Herz gewachsen ist, ohne große Bedenken zugreifen werden. Ein Produkt, mit dem Fans der Band das neue Studioalbum leichter erwarten können. Die hyperaktiven Schweden lassen sich also nicht unterkriegen. Auf der EP »Relaunch II« findet ihr jede Menge Spaß, genauso wie Houston ihn beim Erschaffen hatten — für Genre-Puristen ist diese Veröffentlichung allerdings grundsätzlich entbehrlich. Was auf der EP wirklich zählt, sind drei exzellente Eigenkompositionen und drei hervorragend funktionierende Covers.

Ach ja, und nebenbei noch dieser Gedanke: Würde man heute in Slowenien eine AOR-Revival-Band finden, die sich in Stil und Arrangementweise Houston annähert? Ohne weiteres. Das sind die Brežicer Broken Arrow.

Besetzung

Hank Erix – Gesang, Background-Gesang
ricky Delin – Keyboards, Background-Gesang
Victor Lundberg – Keyboards, Background-Gesang
Calle Hammar – Gitarre, Background-Gesang
Soufian Ma’Aoui – Bass
Oscar Lundström – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Lizette Von Panajott – Gesang auf Track Nr. 7 

Produktion

Houston

Trackliste

1. Justice For One
2. Love Is Blind 
3. Counting Stars 
4. Souls 
5. Don’t Look Back
6. Cruise 
7. Do What You Want 
8. Our Love
9. Downtown
10. Standing On The Moon

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