Queen Of The Night
Izvajalec: Bell, Maggie
Založba: Atlantic Records
Izid: 1974
Maggie Bell ist den meisten Musikfans wahrscheinlich kein Begriff, dabei ist sie eng verbunden mit einem charakterstarken, rein stimmlich vorgetragenen Flirt mit den von der weißen Rasse adoptierten Motiven der schwarzen Kultur des musikalisch-künstlerischen Ausdrucks: Soul, Gospel und natürlich auch Blues. Und das ist noch lange nicht alles! Die in Glasgow geborene First Lady des britischen Blues ist in Wahrheit ein kompromissloses, unbändiges Weibsstück, deren Stimme lange als die einzig wahre Alternative zur unsterblichen Janis Joplin galt. Und das nicht ohne Grund. Ihre alles andere als engelsgleiche Stimme ist ein schockierender Mix aus den oben genannten Einflüssen, quasi ein astreiner Atombeschleuniger für emotional aufgeladene Teilchen, bei dem die ausgeprägte Sinnlichkeit der Sängerin im Ausdruck immer vorneweg marschiert.
Zum Entstehungsjahr dieses Albums, also 1974, ging Maggie Bell auf ihren neunundzwanzigsten Geburtstag zu. Die Erfahrungen, die sie zuvor in den Bands Power und Stone The Crows gesammelt hatte, haben sie zu einer eigenständigen Künstlerin gestählt, durchtränkt von großen Erwartungen und Gefühlen und der Entschlossenheit, ihren Weg zu ihren eigenen Bedingungen zu gehen. Entsprechend klingt auch das Debüt der Sängerin, Queen Of The Night, mit dem uns Maggie souveräne, abwechslungsreiche Gesangsakrobatik serviert, die kein Problem damit hat, ihre eigenen Stimmungsschwankungen zur Schau zu stellen – von der funky getriebenen Cado Queen bis hin zur intimen Trade Winds, die ganz bewusst den Eindruck angenehmer mentaler Entrücktheit im Ambiente irgendeines Nachtclubs vermittelt. A Woman Left Lonely, die unnachahmliche Bluesy/Soul-Perfektion einer alten Rivalin, sicher aber vor allem des großen Vorbilds Janis Joplin, und Souvenirs zeigen schnell, wie sensibel unsere schottische Freundin sein kann. Ein charmantes, fast schon freejeskes Ambiente weht aus dem Hintergrund beider weicher Nummern, die zuletzt von Paul Rodgers so perfekt mit den Farben von Melancholie und Wehmut abgerundet werden. Es folgt ein ausgesprochen markanter Stimmungsumschwung in Form der latino-angehauchten After Midnight. Der Song ist zweifellos die größte Überraschung des Albums, und mit ihrer überzeugenden Interpretation und einer großzügigen Verbeugung vor dem Werk von J. J. Cale schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Eine heißgelaufene Maggie ist definitiv heiß, und ihre Entschlossenheit lässt wenig Raum für Zweifel. Der kompakte Blues-Standard As The Years Go Passing By bestätigt nur noch einmal die vorherigen Behauptungen über den furchteinflößenden Radius im Ausdruck der Stimme der Sängerin. Letzterer erreicht mit Oh My My, Yesterday’s Music und dem vielsagenden We Had It All seinen ganz eigenen Höhepunkt, die auf bestmögliche Weise dieses sensationelle Dokument einer der prächtigsten Frauenstimmen der Musikgeschichte abrunden.
Queen Of The Night ist wieder so ein musikalisches Juwel, das du in heimischen Läden, seien sie noch so spezialisiert, vergeblich suchen wirst, vom stallmäßig ausgerichteten Angebot irgendeines unserer Großhändler ganz zu schweigen. Die Realität am Alpenrand ist eben so, also bleibt dir nur der Besuch bei einem der zahlreichen Online-Anbieter von Tonträgern, natürlich in Originalverpackung, damit es keine Verwechslungen gibt. Glaub mir, es wird dir nicht leid tun.
Zasedba
Maggie Bell: vokal
Chuck Rainey: kitara
Reggie Young: kitara
Cornel Dupree: kitara
John Hughey: bas
Steve Gadd: bobni
Produkcija
Jerry Wexler
Seznam skladb
1.Cado Queen
2.A Woman Left Lonely
3.Souvenirs
4.After Midnight
5.Queen Of The Night
6.Oh My My
7.As The Years Go Passing By
8.Yesterdays Music
9.We Had It All
10.Other Side, The
11.Trade Winds