Psihomodo Pop in der Cvetličarna (2007)

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Ort: Cvetličarna Mediapark (Ljubljana)
Konzertdatum: 11.04.2007
Besucherzahl: 250
Ticketpreis: 15,00€ / 18,00€

 Die ohnehin schon ziemlich warme Frühlingsouvertüre haben uns Psihomodo Pop mit der Ankündigung eines Konzerts in der Cvetličarna in Ljubljana noch zusätzlich eingeheizt. Die Halle rettet in letzter Zeit erfolgreich die Ehre der Hauptstadt, indem sie so manchen Musiker in ihren Schoß aufnimmt, der dank dem Lobbying slowenischer Platzhirsche sonst leider friedlich an unseren Gärtchen vorbeigezogen wäre. So haben die Psihoti neben Majke und den für Ende April angekündigten serbischen Partibrejkers die Erinnerung an die guten alten Yu-Rock-Zeiten wachgerufen… Ah, erinnert ihr euch noch, Genossen Soldaten…

Wie üblich ging das Konzert nicht zur angekündigten Zeit los, denn um neun öffneten uns kräftige Ordner erst die Türen der Cvetličarna. Kurz darauf stürmten wir, sichtlich dehydriert und nach slowenischer Sitte, erst mal zur Theke, wo den Besucher die nächste Überraschungswelle erwartet. Für slowenische Verhältnisse sind wir ja einiges gewohnt, also holen wir uns auch für 2,5€ gern ein Bier und bleiben dabei seelenruhig. Offenbar hat Europa seine Wirkung getan. Der Veranstalter ließ uns dann noch gut eine Stunde warten und füllte dabei fleißig seine Taschen mit dem Getränkeverkauf. Wann das Konzert offiziell losgehen sollte, wusste niemand, nicht mal der Tonmeister. Inoffiziell hieß es, die Jungs seien hungrig gewesen und hätten sich erst mal stärken müssen. Tja, der Weg von Zagreb nach Ljubljana ist lang und ermüdend… Punkt 22 Uhr haben sich die Jungs, „sichtlich gestärkt“, dann endlich doch auf die Bühne gestellt und uns mit dem urzagreberischen „Ljubljana, kak ste kaj?“ in die Welt des kompromisslosen Rock`n`Roll entführt. Psihomodo Pop beteuern von sich selbst schon ziemlich abgedroschen, dass dieser RNR ihre Lebensweise sei und nicht bloß die Musik, die sie spielen. Die Besetzung bilden nach wie vor der unübertroffene und unzerstörbare Frontmann Davor Gobac, Gitarrist Brado, Bassist Šparko, Schlagzeuger Tigi und der Mann für alles Kuzma (Keyboards, Akkordeon, Saxofon). Ihr Sound bleibt wiedererkennbar und roh, und wenn man sie nicht besser kennen würde, könnte man zeitweise meinen, es seien unsere Big Foot Mama. Ihre Musik war schon immer eine Mischung aus verspieltem Blues Rock mit einem Hauch Funk, begleitet von energisch-schizoiden Refrains. Übertrüge man diese Beschreibung in musikalische Gewässer, bekäme man einen Mix aus Ramones, Stones und The Stooges. Sänger Gobac ist derjenige, der der Band schon immer den Hauptstempel aufdrückt. Was seine Exzesse, seine Klamotten und seine Art, sich zu tragen, angeht, ließe er sich am ehesten mit dem Chamäleon Bowie vergleichen, sein Bühnenauftritt erinnert dagegen am meisten an Iggy Pop.

Das Konzert selbst lief flüssig und, ihrer Kilometerleistung entsprechend, routiniert ab. Ohne irgendwelche für sie einst typischen Bühnenexzesse im Stil eines Jim Morrison. Zur allgemeinen Verwunderung des Publikums behielt Gobac trotz seiner narzisstischen Ader diesmal sein Shirt an und enthielt damit den Vertreterinnen des zarteren Geschlechts den Genuss seines Iggy-Pop-mäßig gemeißelten Körpers vor. Tja, wir werden alle älter, auch Gobac, und am besten ist es, wenn manche Dinge bleiben, wie sie sind, teilweise verhüllt

Gobac hat wirklich eine große Klappe, und zwischen den einzelnen Songs und dem mitunter unverständlichen Gebrabbel vergaß der Kerl nicht, mit seinem 13-jährigen Sohn und dessen Punkband anzugeben, die der Kleine angeblich in Zagreb auf Trab bringt. Er lobte Kuzmas Tochter, die im Ski-Weltcup regiert, und über Gitarrist Brado merkte er sarkastisch an, dass er ihn gar nicht richtig kenne. Vielleicht stammt das noch aus Zeiten, als Gobac aus diesen oder jenen Gründen und Substanzen die Realität und das Geschehen um sich herum nicht ganz mitbekam. Aber diese Zeiten sind vorbei, und heute steht die Band fest auf dem Boden der Tatsachen. Das Einzige, was man ihnen vorwirft und was auch bei diesem Auftritt zu spüren war: Es wäre langsam Zeit, dass die Jungs auch musikalisch einen Schritt nach vorn machen, denn was sie uns seit fast 25 Jahren (seit 1983) auf der Bühne zeigen, bleibt mehr oder weniger unverändert.

Die Jungs von Psihomodo Pop reihten all ihre mehr und etwas weniger bekannten Hits aneinander, der Erfolgssong „Frida“ bekam sogar eine doppelte Aufführung. Gute eine Stunde und zwanzig Minuten plus 15 Minuten Zugabe, und der Rock`n`Roll à la Psihomodo Pop war vorbei. Das The best of…LIMITED EDITION-Konzert ließ uns so teils zufrieden zurück, und genau so soll auch die Bewertung ihres „zurückhaltenden“ Auftritts ausfallen. Vielleicht bedeutet LIMITED EDITION eine kreative Pause und neuen Anlauf bis zum nächsten Album, es wäre jedenfalls Zeit, denn seit der Veröffentlichung des letzten (nach ihrer Meinung „najnovijeg“!?) Albums namens „Plastic fantastic“ sind gut drei Jahre vergangen. Und das ist die Zeit, in der man, um in so einem Musikgenre in Form zu bleiben, langsam an ein neues Kochrezept und einen neuen Eintopf denken muss.

Also Psihomodo…?

Text: Thomas Breznik
Fotos: Jani Lah

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