Paradies ist Paradies beim Rock Otočec! (2008)

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Konzertdatum: 06.07.2008
Besucherzahl: 27
Ticketpreis: 10.000

Rock Otočec. Die zwölfte Ausgabe in Folge, das Festival aller Schlammfestivals, fand in der idyllischen Umgebung rund um das Schloss Otočec statt und servierte uns drei Tage voller Programm, musikalisch wie unterhaltsam. Der Schwerpunkt lag auf dem interkulturellen Dialog, der Verein Dharmaling stellte den Bezug zu Tibet vor, ein Teil des Programms diente dazu, die Leute für die globale Erwärmung und den Klimawandel zu sensibilisieren, was der Verein Fokus präsentierte … Auch die Fußball-Europameisterschaft forderte ihren Tribut! Für Stimmung sorgte außerdem der Veranstalter und Vater des Ganzen, Franci Kek, der auf seinem knallroten Tomos übers Gelände knatterte. Ihm und seinem Team gebührt auch alles Lob für eine Organisation auf einem Niveau, mit dem sich so mancher slowenische und auch ausländische Veranstalter kaum messen kann. Das Festival lief von Freitag, dem 27., bis Sonntag, dem 29. Juni.

FREITAG, 27. JUNI

BANDITI: 18.55 – 19.10
Die Ehre, den Konzertteil des Rock Otočec zu eröffnen, gebührte der Punk`n`Roll-Band Banditi aus Idrija. Das Quartett, das 2005 seine erste Probe abgerockt hat, wartet zwar noch auf die Veröffentlichung seines Debüts, aber die Jungs versprechen, dass es noch dieses Jahr so weit sein soll. Ihren fünfzehnminütigen Auftritt auf dem Festival verfolgte ein Grüppchen von etwa fünfzig Mädels und Jungs, aber nichts Überwältigendes. Im Programm hatten sie ihre besten Nummern wie „Nick O`teen“, „Dost mam“, „Secret Place“, „Rad bi le“, „Skozi tvoje oči“. Die anspruchslose Teenager-Fraktion war begeistert, für die „alten Hasen“ aber … Nichts Überwältigendes, sogar schon mal gehört.

DIVJI V*ETER: 19.25 – 19.50
Auch Divji V*eter, die in der slowenischen Musikszene noch echte Grünschnäbel sind, gehören zu den Gewinnern der Vorausscheidung für den Rock Otočec in Maribor. Das Quintett mit Sängerin Tina an der Spitze kommt aus Ruše und beschreibt sich selbst als Vertreter des sanfteren Rock. Dass das stimmt, haben sie schon beim Abschluss der Majske igre in Ljubljana bewiesen, wo ihnen im Gegensatz zum Rock Otočec deutlich mehr Leute zugehört haben. In Otočec war der Kicker spannender als ihr Auftritt.

PAIN IN THE ASS: 19.55 – 20.25
Die Punkrocker aus Jevnica, Pain In The Ass, früher auch als No Excuse bekannt, waren weitere lokale Gewinner der Vorausscheidung für den Rock Otočec. Das Quintett junger, ambitionierter Burschen, das uns in etwas härtere Rhythmen entführte, zog eine beneidenswerte Zahl an Zuhörern vor die Bühne, die sich an den Zaun hängten. Klar, es waren größtenteils Freunde und Bekannte, Fakt ist aber, dass von dieser Band noch einiges zu erwarten ist. Neben den Nummern „Zasilni izhod“, „Sanje brez nadzora“ und „Kreten“ sorgte ausgerechnet das Lied unserer Kindheit für den größten Wahnsinn. Wer kennt bitte nicht „Srečno Kekec“?

OTIUM: 22.35 – 21.10
Otium. Eine Band, deren Anfänge in den Sommer 2001 zurückreichen, bietet den Zuhörern einen Cocktail, gemixt aus Rock, Funk, Nu-Metal und Punkrock, aufgepeppt durch die kraftvolle, aber qualitativ starke Stimme von Jasmina Grčar. Aber ist das die Formel für den Erfolg? Das Publikum in Otočec hat einen Teil davon schon bewiesen, viel hängt aber auch von der Emanzipiertheit der Band ab.

INTERCEPTOR vs. SARCASM: 21.20 – 22.05
Nichts ist unmöglich, aber selten kommt es vor, dass zwei legendäre Thrash-/Heavy-Metal-Formationen wie Interceptor und Sarcasm gemeinsam die Bühne entern. Der energiegeladene Auftritt war ein Leckerbissen für alle Metal-Feinschmecker, von denen an diesem Tag in Otočec ziemlich viele unterwegs waren. Leider konnte ich den Auftritt wegen anderer Verpflichtungen nicht verfolgen.

NIET: 22.25 – 23.20
Die erste der beiden slowenischen Größen, die legendären Punker aus Ljubljana, Niet, betraten die Bühne mitten in einem heftigen Platzregen. Die Menge, die sich vor der Bühne versammelt hatte, ließ sich davon aber nicht abschrecken. Im Gegenteil, beim Rock Otočec ist Regen hochwillkommen, denn je mehr Schlamm, desto besser. Und wenn du dich umgeschaut hast, war kein Ende der Menge in Sicht.
Niet legten mit „Molk“ los und der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Nicht mal das Ausrutschen auf dem nassen Gras hielt die Leute auf. Wen juckt’s, wenn einer auf dem Hintern gelandet ist. Weiter ging’s mit „Vijolice“ und das Publikum sang mit Borut aus voller Kehle … „Trip in vijoliceee, trip in vijolice v očeh-e-eh…“. An diesem Abend bestimmt in so manchen Augen. Je wütender Borut klang, desto stärker regnete es. Ironie oder …? Es folgten „Tvoje oči“ und „Paranoja“ sowie „Umiranje“. Das Publikum reagierte etwas verhalten. Klar, in Otočec hatte sich eine deutlich jüngere Generation versammelt, für die Niet den meisten wohl nicht so viel bedeuten wie den etwas Älteren. Dazu kommt, dass du auf solchen und anderen Festivals ohnehin schwer einschätzen kannst, wer die wahren Anhänger einer Band sind. Noch „Srečna mladina“, dann übernahm bei „Zastave“ Bassist Aleš Česnovar den Leadgesang. Interessant! „Depresija“ bescherte wieder einstimmigen Massengesang. Wie auch nicht, ist das doch einer der bekanntesten Niet-Songs. Dann kam noch „Sam“, der ebenfalls zu den „Besten“ von Niet zählt. Klingt das nicht ein bisschen ver(p)opzuckert, ha? „Luna in zvezde, mesto in luči …“. Ja, der Anfang von „Ruski vohun“. Je mehr du dich bemühst, dass dir die Verse dieses Songs nach dem Konzert nicht im Kopf nachhallen, desto genauer passiert genau das Gegenteil. Ist das vielleicht die Niet-Sucht? Obwohl „Ruski vohun“ einer der bekannteren Songs ist, sang die Menge ihn nicht so laut mit wie manch anderen davor. Dafür war sie bei „Bil je maj“ umso lauter. Diesmal gab es um den Song nicht so einen Pomp (vor allem seitens des Publikums) wie am siebenundzwanzigsten Mai in den Križanke, aber er war trotzdem voller Gefühl. Schon allein das Wissen reichte, dass der Song dem verstorbenen Kult-Frontmann Primož Habič gewidmet ist, auch wenn das in Otočec niemand extra erwähnte. Und genau während dieses Songs goss es noch ein bisschen stärker. Als würde der Himmel weinen. Zu sehen waren auch ein paar angezündete Feuerzeuge, die im Wind flackerten. Dann gesellte sich Tanja Ukmar zu den Jungs auf die Bühne. Es folgten „Ritem človeštva“ und drei etwas schnellere Nummern, „Izobčeni“, „Melanholija“ und „Perspektive“. Niet beendeten ihren Auftritt mit einem ihrer bekanntesten Songs. Das ist „Lep dan za smrt“, auch wenn ich ihn wohl gar nicht extra erwähnen müsste, und „Februar“.
Die Jungs verabschiedeten sich und auch der Regen hörte auf. Interessant, dass sich das Publikum nach dem Niet-Auftritt ziemlich verlief, obwohl noch weitere legendäre Punker folgten.

Setlist Niet:
1. Molk
2. Vijolice
3. Tvoje oči
4. Paranoja
5. Umiranje
6. Srečna mladina
7. Zastave
8. Depresija
9. Sam
10. Ruski vohun
11. Bil je maj
12. Ritem človeštva
13. Izobčeni
14. Melanholija
15. Perspektive
16. Lep dan za smrt
17. Februar

PANKRTI: 23.35 – 00.40
Als letzte der beiden legendären slowenischen Punkbands enterten Pankrti die Bühne des Rock Otočec, die ihre Rückkehr auf die slowenische Musikszene letzten Dezember am Ersten mit einem großen Konzert in der Hala Tivoli gefeiert haben. Für Peter Lovšin aka Perči Gnus, wie er in jungen Jahren genannt wurde, und seine Bande war es nicht der erste Auftritt auf der Bühne von Otočec, sie haben dort schon 1983 und 1997 gespielt. Und doch sind sie an den Ort des Verbrechens zurückgekehrt. Obwohl der Regen nachgelassen hatte, versammelten sich vor der Bühne nicht so viele Leute wie bei Niet, dafür waren sie umso lauter. Pankrti, deren Slogan der Reunion-Tour „Nč se ne premakne“ lautet, servierten dem Publikum legendäre Nummern wie „Lublana je bolna“, „Bandiera Rossa“, „Osmi dan“, „Totalna Revolucija“ und viele andere. Das Publikum drehte vom ersten bis zum letzten Song durch. Pankrti sind, genau wie Niet, eine dieser Bands, die jüngeren wie älteren Generationen bekannt sind, und ihre Musik läuft im Zimmer jedes echten Alternativen rauf und runter.

ZABLUJENA GENERACIJA: 0.55 – 1.45
Die Uhr tickte unaufhaltsam in den Samstag hinein, als als letzte slowenische Band die Leute aus Idrija, Zablujena Generacija, auf die Bühne kamen, die wir mit Leichtigkeit (und Freude) als eine der führenden slowenischen Punk`n`Roll-Bands des letzten Jahrzehnts bezeichnen können. Auf der Bühne des Rock Otočec traten sie im Rahmen ihrer Promotour auf, die sie „Mi smo stare pizde!“ getauft haben. Warum dieser Name? Die Zablujenci haben nämlich am dreißigsten Januar dieses Jahres ihr neuestes, gleichnamiges Studioalbum veröffentlicht, das angeblich zu ihrer Midlife-Crisis passt?!?
Obwohl ich den Anfang ihres Auftritts verpasst habe, konnte man bis zum Eingang/Ausgang des Rock-Otočec-Geländes hören, wie das ausdauernde Publikum die Zablujenci laut und mit donnerndem Applaus begrüßte. Die Jungs haben von Konzert zu Konzert mehr Anhänger, denn ihre älteren Nummern sind längst echte „Evergreens“ geworden. Und auch die neueren sind auf dem richtigen Weg. Einer davon ist „Egotrip“, mit dem sie ihren Auftritt eröffneten. Das Publikum bewies, dass sich der Song schon gut in den Ohren festgesetzt hat. Immerhin ist die Platte schon fast ein halbes Jahr auf dem Markt. „Proti soncu, skozi mrak, divjam kot pobegli vlak, ni je moči, ki me ustavi in me na kolena spravi!“ Die Zeile, die das Publikum bei „Pobegli vlak“ mitsang, stimmt allemal. Sie hält weder Schlamm noch Regen auf. Fließt in ihren Adern etwa Kerosin? Die Zablujenci machten mit „Totalni debil“ weiter. Die Menge drehte während des Songs so durch, dass der Sicherheitszaun gefährlich ins Wanken geriet und die Ordner all ihre „Wannabe“-Muskeln anspannen mussten, um ihn an Ort und Stelle zu halten. Mission erfolgreich. „Pozitiv vabrejšan“, ein Song vom gleichnamigen Album, entführte die Versammelten in Reggae-Punk-Rock-Rhythmen, die wunderbar in die schwüle Nacht passten, die nicht mal der Regen abkühlte. Noch „Ekstrasupermegafakinnujno“, dann ein weiterer Evergreen – „Metulj“. Der Song, den im Original Šank Rock spielen und der zum fünfunddreißigsten Jubiläum von Radio Val 202 ein Punk-Gesicht bekam, ist definitiv einer von denen, denen jede Art von Neuinterpretation steht. Erstaunlicherweise wurde aber ihre erste Ballade der Karriere – „Razdalja“, einer der besten Songs auf dem letzten Album – nicht wie erwartet aufgenommen. Die Reaktion war lau, vergleichbar mit dem Gefühl, wenn du einen Song zum ersten Mal hörst und weder Text noch Melodie kennst. Leider passiert auch das. Etwas besser war die Reaktion bei „Sonce nabija“, was für diese (viel zu) heißen Junitage definitiv passt. In diesen Kontext gehört auch „Samer hit 13“ (Pop idoli, 2003). „Le mrzla tekočina naj misli mi hladi“. Es folgte der Song „Moja Liza“ und das Publikum zeigte noch einmal seine Ausdauer. Noch ein Song für alle „Patricije“, dann das Lied, das bei der Vorausscheidung für den Eurovision-Beitrag Ema 2007 einen hervorragenden vierten Platz belegte – „Kdo hoče plesati z menoj?“. Als die Namen der Auftretenden bei der Ema bekannt wurden, fragten sich viele, WTF die Zablujenci da machen. Die Antwort war klar – es war ein Riesenspaß, und der Song ist eine Parodie auf alle möglichen Instant-Popnummern, die Tag für Tag den von geschmackloser Musik übersättigten slowenischen Musikraum überfluten.
Die Zablujenci beendeten ihren Auftritt mit „Tu mač“ und brachten so trotz Hansons schlechter Verfassung und der Hitze noch einen tollen Auftritt zu Ende. In Krankheit und Gesundheit …

Setlist Zablujena generacija:
1. Egotrip
2. Pobegli vlak
3. Totaln debil
4. Pozitiv vabrejšan
5. Ekstrasupermegafakinnujno
6. Metulj
7. Razdalja
8. Sonce nabija
9. Samer hit 13
10. Moja Liza
11. Patricija
12. Kdo hoče plesati z menoj?
13. Tu mač

LORD BISHOP: 1.50 – 2.30
Der New Yorker und ewige Wanderer Lord Bishop, der als Vorbilder Jimi Hendrix, James Brown, Frank Zappa, John Lennon, Kurt Cobain, Tina Turner und Janis Joplin nennt, bezeichnet seine Musik als Sex-Rock mit einer Prise Funk, mit der er das Publikum auf der ganzen Welt begeistert (allein die Tatsache ist erwähnenswert, dass er in den letzten paar Jahren bei mehr als tausend Konzerten auf der Bühne stand, im Schnitt 200 pro Jahr), sich selbst als Visionär, egozentrischen Maniac, Genie, Trottel und Zukunft des Rock`n`Roll, in erster Linie aber immer als Sänger und Gitarrist. Und tatsächlich ist er das alles, was auch sein energiegeladener, voodoo-geladener Auftritt beim Rock Otočec bestätigte. Obwohl beim slowenischen Publikum eher wenig bekannt, kamen überraschend viele junge Leute, um ihn zu hören und mit ihm im Rhythmus zu wippen. Vielleicht nicht bei den ersten paar Nummern, aber gegen Ende des Auftritts immer mehr. Mit seiner Musik steigt er dir unaufdringlich in den Kopf und kriecht dir unter die Haut. Trotz gewisser Probleme mit dem Strom, als die Aggregate verreckten, wurde er nicht sauer. Stattdessen sprang er von der Bühne und bot den Versammelten etwas von seinem Jack Daniel`s Whiskey an. Eine Geste, die nicht jeder weltbekannte Musiker bringt. Seine Liste alter Hits würdigte er mit ein paar neueren Nummern wie „Senator Groove“, „Jam Of Love“ und „Killing Aint The Answer“.

Text: Lea Lesar
Fotos: Miha Mally

Setlist

FREITAG, 27. JUNI:
BANDITI
DIVJI V*ETER
PAIN IN THE ASS
OTIUM
INTERCEPTOR vs. SARCASM
NIET
PANKRTI
ZABLUJENA GENERACIJA
LORD BISHOP

SAMSTAG, 28. JUNI:
CATHARSIS
HUMAN
IZOLIER BAND
DROUNDED
ZGREŠENI PRIMERI
VALUNGARI
TIDE
BENČ & LEGENDE
HARDTIME
JINX
TRIBUTE 2 LOVE

SONNTAG, 29. JUNI:
NOOM 8
EQUILIBRIUM
ZOOLAND
SNOWBLIND
METEORA
ESF
POZDRAV AZRI
SHAM 69
SIDDHARTA

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