On My Way To The Sun

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Elefante, John
Label: Kingheir Music
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 56:14
Wertung: 4.5/5

John Elefante ist ein amerikanischer Multi-Instrumentalist, Komponist und Produzent, der vor allem dafür bekannt ist, zwischen 1981 und 1984 die Gesangsaufgaben bei der amerikanischen Prog-Rock-Band Kansas übernommen zu haben. Einen Job bei Kansas zu bekommen ist keine Kleinigkeit. Da nehmen sie nur die Besten. Im Laufe seiner Karriere hat sich Elefante auch als Solokünstler profiliert – gemeinsam mit seinem Bruder Dino startete er das hervorragende Projekt Mastedon, das bis heute drei Alben veröffentlicht hat. Außerdem brachten die beiden das Studio Sound Kitchen zum Leben, in dem unter anderem Größen wie Bruce Springsteen, Buddy Guy, Faith Hill und Tim McGraw aufnahmen. Darüber hinaus produzierte er zahlreiche Alben verschiedener Künstler und feierte dabei auch beachtliche Erfolge in der Zusammenarbeit mit den christlichen Rockern Petra.

John Elefante ist also ein Typ, der ein Paar der feinfühligsten Ohren der Galaxis besitzt. Sein ursprüngliches Gespür für melodische Stimmigkeit ist schlicht außergewöhnlich. Eine Komposition, die er hinstellt, zündet vom ersten Moment an und ist   voll greifbarer Charakterstärke.

Diesmal hat sich John Elefante entschieden, sein neuestes Werk als Soloprojekt herauszubringen – also unter dem Namen John Elefante. Obwohl man insgeheim auf ein neues Mastedon-Album gehofft hatte, schon allein wegen der Brillanz des Werks mit dem Titel »3.«, das 2009 bei Frontiers Records erschien, hat der Mann  befunden, dass seine Botschaft diesmal den intimen Werten der persönlichen Künstleraussage absoluten Vorrang einräumt.

Elefante ist bis zu einem gewissen Grad ein ähnlicher »Schlawiner« wie sein Landsmann Neal Morse. Beide predigen gerne von einer schönen, »weißen Welt«, in der die Weisheiten und Gesetze der Bibel regieren. Trotz dieser »Schwäche« sind sie jedoch außerordentliche Komponisten, Vokalinterpreten und Klangmeister. Ihre gemeinsame Inspirationsquelle speist sich aus dem Erbe der The Beatles, dem sie jedoch ihren eigenen Charakter beimischen. Das unterscheidet ihre Werke auch klanglich voneinander. So tendiert Neal Morse zu den alten Spock’s Beard, John Elefante hingegen zum Kansas der Achtziger. Und auch »On My Way To The Sun« versteckt Elefantes »Achtziger-Affäre« mit Kansas nicht. Was  freilich nichts Neues ist. Daraus hat Elefante schon für die Mastedon-Alben geschöpft. So hätte »On My Way To The Sun« ohne Weiteres auch unter dem Label Mastedon erscheinen können. Und doch hat hier die endgültige Einschätzung des Künstlers den Ausschlag gegeben: Das neue Album ist in erster Linie ein persönliches Bekenntnis-Album.  

Was diesem Werk außergewöhnliche Stärke verleiht, sind erwartungsgemäß John Elefantes Gesang und die choralen Vokalmelodien, die mit ihrer Stellung in den Refrains ein stimmungsvolles Crescendo in die Stücke bringen. Und das nicht nur in einem Stück – auf diesem Album sind es gleich ein ganzes Dutzend. Der Opener This Is How The Story Goes weist charakterliche Parallelen zum Prog-Rock der Siebziger auf. Und das sind natürlich sinnige Vergleiche mit Kansas. An diesem Stück wirken auch die Kansas-Mitglieder Gitarrist Rich Williams und Violinist David Ragsdale mit – da ist es nur fair, den Rock-Veteranen zu erlauben, die Finger mal ein bisschen zu strecken! Das Stück ist eine erstklassige elfminütige Mini-EP, gewoben aus mehreren Leitmotiven; das Herzstück des Geschehens – trotz der motivischen Vielschichtigkeit – wird schon im Opener von den führenden Melodiebögen  der chorisch harmonisierten Vocals diktiert.

Der organische Klang des Albums ist außergewöhnlich, die Produktion warm, das Zusammenspiel ihrer Elemente pulsiert lebendig, die Kontraste sind betont farbenfroh. »On My Way To the Sun« ist teilweise auch von Elementen der Popmusik geprägt, was angesichts des Gesamtwerks von John Elefante, der originären Charakteristika seines großen musikalischen Talents, seiner Erfahrung und des facettenreichen Blickwinkels, den die Doktrin seiner musikalischen Schule verkörpert, kaum überrascht. »On My Way To The Sun« ist nämlich eine hervorragende musikalische Mischung aus Kansas, Mastedon und natürlich den drei Soloalben. Assoziationen zu Kansas und Mastedon drängen sich beim Hören des Albums immer wieder auf.

Das Album ist auch akustisch hervorragend bestückt. Einer der schönsten Momente des Albums ist das Stück We All Fall Short, wo das bloße Schlagzeug den gesamten Rhythmus des akustischen Stücks diktiert. Das Stück liefert damit einen weiteren außerordentlich starken Moment des Albums. Elefante komponiert üblicherweise nach dem Prinzip Strophe – Pre-Chorus – Chorus. Und genau dieses Stück sticht durch die optimale Ausnutzung dieses Schemas hervor! Die Kontraste zwischen den Stücken sind außergewöhnlich – sowohl konzeptionell als auch arrangementtechnisch. Auch Stücke, in die sich Blues-Elemente einschleichen, fehlen auf dem Album nicht (Where Have the Old Times Gone). Klar ist, dass es auf solchen Alben ein ganzes Dutzend Kandidaten gibt, die radiofreundlich sind. Den Song, den ich persönlich sofort an die Redakteure der Radiosender schicken würde, ist All I Have To Do – eine außergewöhnliche Mischung aus dem Gleiten über »Beatles-Ismen«, dem raffinierten Einsatz von Art-Rock-Griffen, wie sie Kansas von Elefante stets eingefordert haben. The Awakening geht noch weiter! Der Refrain hat schon einen echten AOR-Charakter! Das Album trägt über seine gesamte Laufzeit eine klare Kontur von Pomp und Bombastik!

»On My Way To The Sun« ist ein Album von außergewöhnlicher kompositorischer Perfektion. Jedes Stück ist eine in sich abgeschlossene Einheit mit hervorgehobenen Motiven, die sich ausgezeichnet aneinander reihen. Deshalb ist jedes Stück ein Mini-Höhepunkt des Albums. »On My Way To the Sun« ist ein leicht zugängliches Album, und doch ist der Brennpunkt des Artismus darauf klar betont – einer, der die Raffinesse des Zusammenfügens von Arrangementfiguren offenbart. Es ist in erster Linie ein Art-Rock-Album, was bedeutet, dass es von einzigartiger und unverwechselbarer Qualität ist!  Ein waschechtes John Elefante-Album, das du nirgendwo sonst bekommst. Und das Wichtigste: Das Album ist schlicht hervorragend.

Besetzung

John Elefante – Gesang, Gitarre, Perkussion, Keyboards, Hintergrundgesang
Dave Cleveland – Gitarre
Matthew Pearson – Bassgitarre
Dan Needham – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Rich Williams – Gitarre (Track Nr. 1)
David Ragsdale – Violine (Track Nr. 1)

Produktion

John Elefante

Trackliste

1. This Is How The Story Goes (11:06)
2. Where Have The Olds Days Gone (5:18)
3. On My Way To The Sun (5:09)
4. All I Have To Do (5:25)
5. The Awakening (5:11)
6. Half The Way Home (5:10)
7. We All Fall Short (4:14)
8. Don’t Hide Away (5:16)
9. This Time (5:07)
10. Confess (4:25)

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