Obsolescence
Autor: Primož Novak
Künstler: Abysmal Dawn
Label: Relapse Records
Veröffentlichung: year_month
Spielzeit: 48:00
Wertung: 4/5
Die kalifornische Band Abysmal Dawn hat in ihrer über zehnjährigen Existenz keine übermäßige Bekanntheit erlangt. Death-Metal-Bands gibt es natürlich unzählige, und um sich nach vorne zu spielen, muss man wirklich etwas Herausragendes abliefern – so wie es zum Beispiel Nile gelungen ist. Abysmal Dawn sind hingegen recht typische Vertreter des heutigen Death Metals, der sich durch Geschwindigkeit und Technik auszeichnet.
Nach dem letzten Album hat die Band einen weiteren Gitarristen in die Besetzung geholt, was bei Konzerten heutzutage ein ziemlich wichtiger Faktor ist. Abysmal Dawn starten das Album kompromisslos. Kein pompöses Intro – schon mit dem ersten Track Human Obsolescence machen sie klar, was man von dem Album erwarten kann. Im Vordergrund stehen schnelle Riffs, Blast Beats und ein gurgelnder Gesang – für Death Metal nichts Neues, aber das passt wunderbar zu den aggressiven Riffs. Zum Glück übertreiben es Abysmal Dawn nicht mit reinen Speedfestern, womit sie dem Stempel »generischer brutaler Death Metal« entgehen. Mit dem ein oder anderen Track beweisen sie auch ein Gespür für Verlangsamung, was dem Werk mehr Abwechslung verleiht – und die Mid-Tempo-Passagen klingen schön groovy. Grundsätzlich gilt für Abysmal Dawn aber nach wie vor: Kompromisse werden keine gemacht, also gibt es keine gefälligen Aufhübschungen zu hören.
Das vielleicht interessanteste Detail: Abysmal Dawn wissen genau, welche einflussreichen Bands ihre Spuren in der Entwicklung des Death Metals hinterlassen haben. Durchs gesamte Werk hindurch sind die Einflüsse von Deicide, Morbid Angel und natürlich Suffocation herauszuhören. Da die Band auch gerne den technischen Aspekt betont, sind zusätzlich Einflüsse von Hate Eternal, Nile und Origin spürbar – aber ohne Übertreibung, also erwartet keine Flut neoklassischer Soloeskapaden im Necrophagist-Stil. Die Soli sind zwar schön in die Songs eingebettet, stechen aber nicht sonderlich hervor. Eine mögliche Ausnahme bildet das Solo in Perfecting Slavery, das Christian Muenzner (Alkaloid, ex-Obscura) beigesteuert hat.
Abysmal Dawn schließen das Album mit The Inevitable Return To Darkness ab – ein ruhigerer Track, der melodischer ausklingt. Nach all dem Brutalisieren eine willkommene Beruhigung und zusätzliche Abwechslung. Als Bonus schmeißen sie noch ein grandioses Dissection-Cover obendrauf: Night’s Blood.
Obsolescence ist ein Album, das für jeden Death-Metal-Fan Pflicht ist. Die Band verbindet auf sinnvolle Weise Elemente des Old-School- und modernen Death Metals und baut dabei gleichzeitig ihre eigene Identität auf – doch um diese vollends auszufeilen, braucht es noch das ein oder andere Album mehr.
Besetzung
Andy Nelson – Gitarre, Gesang
Eliseo Garcia – Bass, Gesang
Scott Fuller – Schlagzeug
Charles Elliot – Gesang, Gitarre
Produktion
Charles Elliot, John Haddad (Mix, Mastering)
Trackliste
1. Human Obsolescence
2. Perfecting Slavery (Gast: Christian Muenzer)
3. Inanimate
4. Devouring the Essence of God (Gast: Bobby Koelble)
5. One Percent Incomplete
6. Loathed in Life / Praised in Death
7. By My Demons
8. Laborem Liberat Te
9. The Inevitable Return to Darkness
10. Night’s Blood (Cover von Dissection)