“Mittelalterlich“ The War on Drugs (2012)

0 5

Ort: Ljubljana / Ljubljanski grad / Slowenien
Konzertdatum: 06.06.2012
Besucherzahl: 250
Kartenpreis: 12,00€ (im Vorverkauf) / 15,00€ (an der Abendkasse)

Am Mittwoch, dem 6.6., erleuchtete und liebkoste die Musik der amerikanischen Indie-Rocker The War On Drugs den Ljubljanski grad. Die Band wurde von Frontmann Adam Granduciel und Kurt Vile gegründet, der 2008 eine vielbeachtete Solokarriere einschlug. Nach zahlreichen Besetzungswechseln besteht die Band heute neben Granduciel noch aus Bassist David Hartley, Schlagzeuger Steven Urgo und Keyboarder Robbie Bennett. Ihre Musik lässt sich am ehesten als Mischung verschiedener amerikanischer Musiktraditionen beschreiben; man könnte sie auch als Americano/Folk mit psychedelischer Note einordnen. Musikalisch schöpfen sie vor allem bei Bands und Künstlern wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Tom Petty, My Bloody Valentine, Sonic Youth…Bisher haben sie zwei Studioalben veröffentlicht, “Wagonwheel Blues“ aus dem Jahr 2008 sowie das letztjährige “Slave Ambient“, das sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum positive und herzliche Resonanz fand.

Buba legte schon mit der Wahl der besonderen Location, des zentralen Innenhofs des Ljubljanski grad, den Grundstein für einen wunderbaren Abend. Für das Aufwärmen vor dem Headliner des Abends sorgten die Jungs aus Krško, das Trio Karmakoma. Obwohl sie erst seit etwa einem Jahr auf der Szene sind, wirkten sie auf der Bühne selbstsicher, ursprünglich und dynamisch, was perfekt zu ihrer Musik passt. Diese wird von einer rockig strukturierten Basis definiert, deren Besonderheit eine wuchtige, technisch ausgereifte Rhythmussektion ist, die durchgehend  von eigenartigen elektronischen Fusionen eingefärbt wird. Definitiv sorgten sie für die Überraschung des Abends, und wenn sie in diesem Rhythmus weitermachen, kann man in ein paar Jahren eine erfolgreiche und vielbeachtete Karriere von ihnen erwarten. Dazu muss ich sagen, dass ich unter den slowenischen Newcomern seit langer Zeit keine Band gesehen habe, die mich so zum Tanzen und Abrocken gebracht hat wie Karmakoma. Im letzten Jahr trat die Band auch beim Klubski maraton von Radio Študent auf.

Nach einer kurzen, zwanzigminütigen Pause betraten The War On Drugs die Bühne. Sie stiegen bescheiden auf, ohne großes Tamtam und Lichtshow, und so machten sie auch weiter.  Die Musik sprach für sich. Das dynamische Eröffnungsstück “Arms Like Boulders“, eine von Orgeln durchzogene  akustische Melancholie, deutete bereits auf einen angenehmen und sorglosen Abend hin. Es folgte ein weiterer Song vom Debütalbum “Wagonwheel Blues“, nämlich “Taking The Farm“. Der Song, der mit einem eindringlichen Einstieg beginnt: “You seem a little on the high side, Disconnected from me, Been a little to anxious and a little too sweet…“ und über die kontraproduktive Natur des Drogenkonsums spricht, rechtfertigt den Namen der Band treffend. Das folgende “Buenos Aires Beach“ beschloss mit seinem eingängigen “oooh-oooh-oooh“-Popsong-Charakter das Auftakt-Trio aus dem ersten Album auf schöne Weise. Den Hauptteil der Setliste bildeten Songs vom neuesten Album. Der erste davon hört auf den Namen “Brothers“. Beim ersten Hören eine leichte, beschwingte Klangbasis – durchzogen aber vom Impuls einer bitteren Vergangenheit, die auch von ziemlich düsteren Versen geprägt ist: “My life is filled with fear, I cannot believe in truth…“ Darauf folgte “Your Love Is Calling My Name“, pulsierende und hallende träumerische Perfektion, die in “Animator“ überging, der seinerseits als Bindeglied zur nächsten Nummer fungiert, der klagenden Ode “Come To The City“. Nach dem poetischen “Black Water Falls“ war es Zeit für die Highlights des Abends. Zunächst der bekannteste Song des letzten Albums, “Baby Missiles“, der live noch wuchtiger, noch rauer und noch psychedelisch abgefahrener klang als auf der Studioaufnahme. Darauf folgte der Eröffnungssong des letzten Albums “Best Night“ und danach noch das synästhetische “I Was There“. Es folgte der absolute Höhepunkt des Abends, den uns “Coming Through“ bescherte. Er zeichnet sich durch eine lebhafte Klanglandschaft aus, in der die Dialoge zwischen den Instrumenten voll zur Geltung kommen und die beständig von hochwertigen Texten angereichert wird. Das Set schlossen die Jungs episch mit dem druckvollen, noisigen “Needle In Your Eye“ ab, das auf die Besucher wie eine psychedelische Fahrt über die Ebenen des Mittleren Westens wirkte.

The War On Drugs zauberten einen interessanten Abend echter Atmosphäre. Southern Rock, der kein bisschen abgedroschen oder langweilig klang. Das Herzstück des Auftritts war zweifellos Granduciels Gitarre, einen besonderen Stempel drückte dem Ganzen aber auch seine “dylanesker“ Gesang auf sowie die zauberhaften, bisweilen sehr minimalistischen, im nächsten Augenblick aber schon barocken Keyboards, die eine ganz besondere sommerliche Intimität schufen, im ansonsten großen und windigen Innenhof des Ljubljanski grad. Leicht vermiest hat Granduciel den Abend einzig das geistlose Stimmen der Gitarren – doch selbst diese Zeit würzte er angenehm mit witzigen Sprüchen und Anekdoten. Der Sound war ausgezeichnet, nur das Publikum war etwas kleiner als erwartet. Wie jemand aus dem Publikum in der Mitte des Auftritts sagte: “das ist Musik zum Genießen,“ – und dem habe ich nichts hinzuzufügen.   

Setliste

The War On Drugs:
1.) Arms Like Boudlers
2.) Taking The Farm
3.) Buenos Aires Beach
4.) Brothers
5.) Your Love Is Calling My Name
6.) Animator
7.) Come To The City
8.) Black Water Falls
9.) Baby Missiles
10.) Best Night
11.) I Was There
12.) Coming Through
13.) Needle In Your Eye

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies