Metaldays 2016 – vierter Tag!
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Jerneja Jerak, Sebastijan Videc
Video: Sebastijan Videc
Ort: Sotočje, Tolmin, Slowenien
Konzertdatum: 28.07.2016
Den vierten Festivaltag eröffneten auf der Hauptbühne die luxemburgischen Death-Metaller Scarred, die sich als wahrscheinlich beste Opening-Band der diesjährigen Ausgabe erwiesen. Vielleicht sind die Einflüsse von Bands wie Nevermore und Gojira in ihrer Musik etwas zu offensichtlich, aber bei einer solchen Darbietung von erstklassigem Eigenmaterial kann man ihnen das wirklich nicht verübeln. Sie erwiesen sich als eine sehr angenehme Überraschung und als Band mit enormem Potenzial für künftiges Wachstum. (t: David)
Direkt nach ihnen setzten die heimischen The Canyon Observer den regnerischen Beginn des Donnerstagnachmittags fort. Die Atmosphäre war wirklich perfekt für diese Art von Auftritt, den sie auf sehr professionelle Weise ablieferten. Auf der Bühne entfachten sie einen ganz eigenen Sturm – mit lautem, donnerndem Klangteppich und blitzendem Stroboskoplicht setzte Matičs animalischer Gesang noch das i-Tüpfelchen drauf, und die Band brachte das gesamte Camp in eine schmerzhafte, melancholische Hoffnungslosigkeit – auf die gute Art, als Kontrast zu den beiden folgenden Bands. (t: David)
Nach den Slowenen übernahmen die österreichischen Serenity die Bühne, die live leider nicht mal annähernd so klingen wie auf dem Album. Ihr Auftritt wirkte gekünstelt, geradezu routinemäßig, und als dann noch eine Begleitsängerin im hautengen Kleid mit tiefem Ausschnitt die Bühne betrat, nahm das Ganze immer mehr die Form eines Eurovision-Auftritts an. Vor der Bühne wurde es von Song zu Song immer leerer, bis am Ende praktisch niemand mehr übrig war. Die Band bedankte sich auf Facebook (mit viel zu vielen Hashtags) bei dem gespenstisch zahlreichen Publikum, das mit ihnen im Regen ausgeharrt hatte, und fügte ein Foto aus irgendeiner Bar bei. Wir wissen ja alle, dass der Sinn von Musik darin besteht, auf sozialen Netzwerken erfolgreich zu wirken. (t: David)
Für die Fortsetzung des Trübsinns auf der Hauptbühne sorgten Immolation. Sie traten ohne Gitarristen Bill Taylor auf, der aus familiären Gründen nach Hause zurückkehren musste, und Schlagzeuger Steve Shalaty hatte sein Equipment verloren und war gezwungen, mit geliehenen Instrumenten zu spielen. Zuletzt hatten sie in Tolmin vor zwei Jahren auf der zweiten Bühne gespielt und keinen besonders guten Eindruck hinterlassen; trotz niedriger Erwartungen haben sie mich dieses Jahr wieder enttäuscht. Gesang, Gitarre und Bass waren zwar solide, die größten Probleme hatte aber genau der Schlagzeuger, der offensichtlich zwei linke Hände hatte. Ein zu lauter, ungenauer Trigger verzerrte das Klangbild total, und das Gesamtergebnis war wirklich ernüchternd. Das gleiche Problem hatte er auch vor zwei Jahren, und ich glaube, das lag nicht nur am geliehenen Equipment, sondern der Grund steckt woanders. Die Band wäre vielleicht noch mal einen Besuch wert, wenn sie einen Ersatz finden, aber im Moment klingen sie trotz guter Absichten weit vom Ideal entfernt. (t: David)
Eine der größeren Erwartungen – wenn man das so nennen kann – für Fans der sanfteren Rhythmen erfüllten Delain, die kurz vor 18.00 Uhr auf der Hauptbühne auftraten. Das energiegeladene Quintett der Niederländer mit Sängerin Charlotte Wessels steht kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums, das den Titel „Moonbathers“ tragen wird und beim Label Napalm Records erscheint. So präsentierten sie beim Konzert auch einige Kostproben aus dem kommenden Album. Ein gut ausgeführter Auftritt ohne nennenswerte Fehler mit einem Repertoire aus symphonischem Gothic-Metal war eine angenehme Bereicherung des Nachmittags, auch für eine stattliche Anzahl an Fans vor der Bühne. Die abgestimmten Riffs mit der Rhythmussektion bilden eine schöne Grundlage für den qualitätsvollen Gesang der Sängerin. Definitiv einer der besseren Auftritte des Tages. (t: Klemen)
Um sieben folgte erneut ein Umschwung, als die griechischen symphonischen Death-Metaller SepticFlesh auftraten. Trotz technischer Probleme des Gitarristen Christos, die sich durch den gesamten Auftritt zogen, waren die Griechen zweifellos unter den besten Auftretenden des diesjährigen Jahrgangs – was auf die hervorragende Songauswahl, die souveräne Darbietung und Spiros‘ konstante Interaktion mit dem Publikum zurückzuführen ist. Ihr Auftritt lässt sich mit den Worten „My friends, on the count of three, we will destroy!“ zusammenfassen, die Seth ziemlich regelmäßig verwendete (vielleicht sogar zu oft). Allen, die die Griechen dieses Jahr begeistert hat, empfehle ich wärmstens, sie bei einem Klubkonzert zu sehen, wo sie noch eine Spur besser sind. (t: David)
Gleichzeitig mit SepticFlesh war auf der kleineren Bühne Zeit für die Gothic-Rock-Metaller Phantasmagoria. Die Erwartungen waren höher als das Gezeigte. Die Band aus dem Nachbarland Kroatien ist schon eine ganze Weile auf der Szene, braucht aber angesichts des Gebotenen eine ernsthafte Orientierung. Ein Auftritt, den man ohne große Reue hätte verpassen können, da er keinerlei konkrete Energie entfachte. (t: Klemen)
Vor dem Eintreffen der größten Attraktionen des Abends traten auf der Hauptbühne die Briten Electric Wizard auf. Ein guter Auftritt für alle Liebhaber von Doom/Sludge Metal, der beweist, dass es für Energie bei Metaldays keine kosmische Spielgeschwindigkeit braucht. Definitiv eine der besseren Darbietungen ihres Genres beim diesjährigen Festival. In den Songs spürt man auch ordentlich Psychedelia, dem Band ist vielleicht ein kleines bisschen Monotonie vorzuwerfen, da sich die Songs zu sehr wiederholen. Insgesamt aber ein guter Auftritt des eingespielten Quartetts. (t: Klemen)
Direkt danach sorgten auf der zweiten Bühne Nine Treasures für die größte Überraschung des Festivals – mongolische Folk-Metaller, die das Gelände bis in den letzten Winkel füllten und alle mit ihrer einzigartigen Präsenz, ihrem Sound und ihrer Schlichtheit begeisterten. Nine Treasures sind die Definition davon, wie eine junge Band aussehen sollte: Obwohl sie erst seit vier Jahren aktiv sind, können sie es problemlos mit den größten Headlinern der Hauptbühne aufnehmen. Eine makellose Darbietung von exzellentem Material unter idealen Klangbedingungen und eine angenehme Energie begeisterten jeden Anwesenden, und ich wünsche mir von Herzen, dass ihnen etwas so Ähnliches passiert wie Skindred letztes/dieses Jahr, und sie nächstes Jahr als Headliner auf der Hauptbühne auftreten. (t: David)
Auf der großen Bühne traten nach der Überdosis elektrischer Impulse von Electric Wizard die amerikanischen Devildriver auf. Den Jungs mangelt es offensichtlich nicht an Ego, das zeitweise vielleicht etwas zu präsent ist, was sich am deutlichsten beim Vokalisten Dez zeigt, der im Laufe des Konzerts mindestens fünfzigmal erwähnte, dass sie aus Kalifornien kommen, und das Publikum ständig zum Biertrinken und Marihuanakonsum animierte. Trotz der leicht peinlichen Aussagen eines Fünfzigjährigen begeisterten die Amerikaner, und musikalisch ist ihnen nichts vorzuwerfen. Der energiegeladene Auftritt der gesamten Band brachte die Zuhörer in Bewegung und gab ihnen Schwung für die abschließenden Konzerte des Abends. (t: David)
Während eines der interessantesten Namen des diesjährigen Festivals auf der Hauptbühne, Devildriver, spielten, fand auf der kleineren Bühne ein Konzert für Metalcore-Fans statt. Bury Tommorow, die man vor Kurzem bereits beim Konzert des Metalcore-Quartetts im Kino Šiška sehen konnte, machten erneut einen guten Eindruck. Leider machte sich die geringere Besucherzahl wegen des Devildriver-Auftritts auf der anderen Bühne bemerkbar, dennoch hat das britische Quintett seine Rolle ausgezeichnet erfüllt. Strikte Riffs, verflochten mit dem kraftvollen Growl von Sänger Daniel Winter und den „cleanen“ Vocals von Rhythmusgitarrist Jason Camron, wirken aufeinander abgestimmt. Definitiv etwas, das den jüngeren Teil des Publikums mehr anspricht. Hoffentlich nicht zum letzten Mal. (t: Klemen)
Die Headliner des Donnerstags auf der großen Bühne waren die legendären Göteborger melodischen Death-Metaller At The Gates. Die Schweden spielten fast das gesamte Album Slaughter of the Soul und eine gute Hälfte der neuesten Platte At War with Reality; eine bessere Songauswahl kann ich mir praktisch nicht vorstellen. Es ist schade, Worte dafür zu verschwenden, ihren Auftritt zu beschreiben – es ist schlicht viel einfacher, sie zu sehen, sobald sich die Gelegenheit ergibt. (t: David)
Nach vier aufeinanderfolgenden außergewöhnlichen Auftritten war es Zeit für das letzte Konzert des Tages – auf der zweiten Bühne traten die deutschen technischen Death-Metaller Obscura auf, die kürzlich eines der besten Alben des Jahres veröffentlicht haben, das technische Meisterwerk namens Akróasis (Rezension). Also, wo soll man anfangen… Obscura stand in den letzten Jahren vor allem wegen ihrer Liveauftritte in der Kritik, aber nach dem Gesehenen und Gehörten kann ich problemlos zu dem Schluss kommen, dass die Deutschen zu den besten Bands gehören, die ich je gesehen habe. Das unbegreiflich komplexe Material spielten sie mit einem Lächeln im Gesicht mit chirurgischer Präzision und vermittelten stets den Eindruck von Entspanntheit und vollständiger Kontrolle. Geglänzt hat der junge Gitarrist Rafael Trujillo, das einzige aktuelle Mitglied, das nicht an der Aufnahme des neuen Albums beteiligt war, der die Gitarrenlinien sogar etwas verbessert und dem klassischeren Obscura-Sound angenähert hat. Der einzige Einwand ist vielleicht, dass sie keinen Song vom Album Omnivium gespielt haben, aber ich denke, dass sie das auf der bevorstehenden Headliner-Tour nachholen werden, im Rahmen derer sie mit drei weiteren exzellenten Bands in Ljubljana Station machen. Anwesenheit ist Pflicht. (t: David)
Text: David Bordon & Klemen Udovč
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