Metaldays 2016 – fünfter Tag!
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Jerneja Jerak, Sebastijan Videc
Video: Sebastijan Videc
Ort: Sotočje, Tolmin, Slowenien
Konzertdatum: 29.07.2016
Der Freitag begann für mich auf der zweiten Bühne, wo ich mir den Auftritt der finnischen Melodic-Death-Metaller Enthrope angeschaut habe. Leider spielten sie etwas oberflächlich, fielen gelegentlich aus dem Rhythmus, verschleppten und verkürzten Übergänge, und ihr Material klang ein bisschen zu sehr nach ihren Landsleuten Omnium Gatherum und Insomnium – sodass sie letztlich wie eine schwächere Kopie wirkten. Die Band brachte ihr durchaus hörbares Debüt 2010 raus, live konnten sie aber nicht wirklich begeistern und vermittelten das Gefühl, seit Jahren auf der Stelle zu treten. (t: David)
Nach Enthrope auf der kleinen Bühne übernahmen auf der Hauptbühne Dead Label. Das irische Metalcore/Death-Metal-Trio hat zwei Alben auf dem Buckel, das aktuelle mit dem Titel Throne of Bones erschien dieses Jahr. Die dynamische Besetzung in interessanter Konstellation macht in ihrem Spiel keinen auf kompliziert. Das kann man ihnen auch nicht wirklich verübeln, denn die Sache funktioniert einfach. Die souveränen Riffs des Gitarristen harmonieren hervorragend mit der energischen Schlagzeugerin und dem Sänger/Vokalisten, der trotz der frühen Stunde das dünn besetzte Publikum bei brütender Sonne bestens animierte. Mit solchen Auftritten muss Dead Label vor der Zukunft keine Angst haben, und sie verdienen sich für die Zukunft problemlos einen späteren Slot beim Metaldays. Dead Label begegneten wir später auch im Publikum, wo sie entspannt mit ihren Fans plauderten. Respekt für die junge Band, die ihrem Auftritt nach zu urteilen große Ambitionen hat. (t: Klemen)
Dead Label teilten die Bühne mit den französischen Power-Heavy-Metallern Nightmare. Anders als Dead Label hatten sie schon deutlich mehr Leute vor der Bühne. Die Besetzung mit der energischen Sängerin Maggy Luyten und ihrer alles andere als sanften Stimme war eine sympathische Abwechslung am Nachmittag. Die Richtung zieht in manchen Songs deutlich sichtbar nach den Heavy-Metal-Herrschern Iron Maiden. Herausragendes war zwar nicht zu entdecken, und Delain waren zum Beispiel am Vortag hörbarer. Dennoch sind der Schlagzeuger und der Sologitarrist einen Applaus wert. Konsumierbar, aber keine Band, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte – trotz der eingesetzten Energie auf der Bühne. (t: Klemen)
Nach Nightmare lauschten wir auf der kleinen Bühne der vielversprechenden slowenischen Band Morywa. Das vierköpfige Quartett, das Progressive Death Metal spielt, hat bereits ordentlich auf sich aufmerksam gemacht. An Dynamik und Drive mangelt es den Slowenen nicht, und wir reihen sie neben Eruption und Sarcasm locker unter die drei besten Auftritte einheimischer Bands beim diesjährigen Metaldays. Der durchdringende Gesang von Frontmann und Gitarrist Peter Gologranc funktioniert hervorragend zusammen mit dem zweiten Gitarristen Miha Klančišar. Beide spielen achtsaitige Gitarren. Morywa nutzten das Metaldays auch, um ihr Debütalbum Vamana Ira zu promoten, von dem sie freundlicherweise einige Exemplare unters Publikum verteilten. Das kommt offenbar auch beim Publikum an – zumindest nach der Reaktion und dem Moshpit zu urteilen. An Morywas Zukunft zweifeln wir nicht und hoffen, sie bald auch mal zu einem späteren Slot auf der Hauptbühne zu sehen. Lobenswert. (t: Klemen)
Die erste Band, die ich auf der Hauptbühne sah, waren die lettischen Skyforger. Mit ihrer Mischung aus heidnischem Black Metal und Folk Metal auf Lettisch repräsentieren sie die Geschichte und Kultur ihrer Heimat. Sänger Peter stellte vor jedem Song auf sehr entspannte, sympathische Weise die Geschichte dahinter vor – wer sich dafür interessiert, findet englische Übersetzungen der Texte auf ihrer Website. In ihren schweren Kostümen muss ihnen auf der Bühne ordentlich heiß gewesen sein, dennoch spielten sie fehlerlos und hinterließen einen sehr positiven Eindruck. (t: David)
Kurz nach fünf begannen sich rot gekleidete Krieger vor der Hauptbühne zu versammeln, deren Farbe sich aufgrund der höllischen Freitagshitze schon vor Konzertbeginn der deutschen Wölfe Varg aufzulösen begann. Die meisten Anwesenden drängten sich im Schatten beim Mischpultzelt, im Laufe des Konzerts sammelte sich dann aber eine stattliche Menge vor der Bühne. Die Deutschen präsentierten sehr souverän ihre moderne Interpretation des druckvollen Folk Metals, und die Reaktionen des Publikums fielen entsprechend aus. (t: David)
Während Varg auf der Hauptbühne spielten, übernahmen auf der kleinen Bühne die Belgrader Band Infest. Das Death-Thrash-Quartett, das sich sogar Künstlernamen gegeben hat (Vandal, Zombie, Tyrrant, Vrag), war hörenswert. Die sichtlich investierte Energie in ihren Auftritt überzeugte das eher dünn besetzte Publikum, aber leider war der Großteil der Metaller verständlicherweise auf der Hauptbühne. Herausragende Einzelleistungen gab es keine zu entdecken, aber schlecht war es trotzdem nicht. Die Richtung lässt sich kaum mit einer anderen Band vergleichen, vielleicht momentweise mit Disrupted. Nicht schlecht. (t: Klemen)
Auf der zweiten Bühne setzten Obscurity die Reihe heidnisch-wikingischer Bands fort. Die Nachmittagsmüdigkeit am fünften Festivaltag war bei den meisten Zuhörern schon deutlich spürbar, und die repetitiven Songs der Deutschen gaben uns auch keinen neuen Schub. Der bassgesättigte Sound hatte einen zusätzlichen Einschläferungseffekt, und als Sänger Angalaz die mehrheitliche Reaktionslosigkeit bemerkte, verließ er kurzerhand die Bühne und sang die letzten Songs direkt mit den Fans in der ersten Reihe im Fotopit. Eine lobenswerte Geste, mit der er die Energie des Auftritts zweifellos anhob. (t: David)
Den Wikinger-Teil des Programms beendeten die norwegischen Einherjer, die dieses Jahr den zwanzigsten Jahrestag ihres Debüts Dragons of the North feiern. Dem entsprechend war auch die Setlist, die sämtliche Songs des genannten Albums umfasste. Das war’s dann aber auch, denn sie spielten keinen einzigen neueren Song, der schon allein deswegen interessant gewesen wäre, weil alle Texte auf Norwegisch sind – das alte Material klingt aber, obwohl es als eines der ersten Wikinger-Metal-Alben überhaupt gilt, dennoch ziemlich monoton. Fans der Band hatten ihren Spaß, die anderen wachten langsam aus dem heidnischen Nachmittagsschlaf auf. (t: David)
Vor den Legenden Exodus auf der Hauptbühne kaperten die Abgedrehten Gutalax die kleine Bühne. Definitiv einer der bizarrsten Auftritte beim diesjährigen Metaldays. Man weiß gar nicht, in welche Schublade man sie stecken soll. Ein ziemlich eigenartiger Stil, kombiniert mit einer Menge thematischer Grusel-Maskerade – auf der Bühne wie unter dem zahlreichen Publikum. Offensichtlich interessierte sich alle Welt für den Auftritt dieser Sonderlinge. Live interessant anzuschauen, aber man kann sich kaum vorstellen, ihr Album auf Dauerloop im CD-Player zu haben. Auch solche Abwechslungen müssen sein. (t: Klemen)
Den Weckruf bereiteten Exodus, denen 2014 am Mikro Steve „Zetro“ Souza wieder beigetreten ist – in den letzten Jahren tritt die Band aber zur großen Enttäuschung der Fans ohne Gary Holt auf, der als einziges Mitglied auf allen Alben mitgespielt hat. Trotz seiner Abwesenheit sind Exodus nach wie vor mehr als sehenswert, und ein riesiges Lob geht an Kragen Lum, den Ersatzgitarristen, der seinen Job mehr als hervorragend erledigte. Die Bay-Area-Thrash-Legenden zeigen trotz einer fast 40-jährigen Karriere keine Schwächezeichen – man kann nur hoffen, dass Gary zumindest bei der Aufnahme des nächsten Albums wieder dabei ist und sich mit ihnen auf einen weiteren Thrash-Metal-Eroberungsfeldzug aufmacht. (t: David)
Rüber zur zweiten Bühne, wo im Abenddunkel bereits die schwedischen Black-Metaller Valkyrja spielten, die zum Glück außer ihrem Namen keinerlei Verbindung zur Wikinger-Heiden-Thematik haben (was an sich kein Problem wäre, aber nach vier solchen Bands an einem Tag wäre noch eine vielleicht ein bisschen zu viel). Das altbekannte Black-Metal-Problem der zu hohen Lautstärke und damit verbundenen Undurchsichtigkeit tauchte wieder auf, aber als sich die Ohren ans Dröhnen gewöhnt hatten, habe ich den Auftritt wirklich genossen. Ich frage mich, wie ihr nihilistischer, misanthropischer Black Metal in all seiner düsteren Größe in einem intimeren, clubähnlichen Rahmen klingt – und hoffe, dass sich die Gelegenheit, das zu erleben, bald bietet. (t: David)
Die ersten Headliner des Freitagsprogramms auf der Hauptbühne waren die Epic-Power-Metaller Blind Guardian, die vor der Bühne die größte Menge des gesamten Festivals versammelten. Die Deutschen sind seit jeher bekannt dafür, dass ihre Auftritte zu den qualitativ hochwertigsten der Metal-Szene zählen – diesmal waren sie aber nicht ganz so überzeugend. Wenn ich mich auf den akustischen Aspekt konzentriere, wäre kaum ein Einwand zu finden, denn der Sound war von Anfang an, als sie mit The Ninth Wave aus ihrem letzten Album Beyond the Red Mirror eröffneten, hervorragend. Das meiste Lob verdient sich einmal mehr Sänger Hansi Kürsch, der zu den besten noch aktiven Vokalisten der Metal-Szene zählt. Was den Auftritt selbst angeht, fehlte aber irgendetwas – die Mitglieder wirkten sehr statisch und müde. Dennoch lieferten sie uns eine gute Stunde erstklassigen epischen Power Metals, auch wenn man sich von den legendären blinden Wächtern vielleicht etwas mehr Energie gewünscht hätte. (t: David)
Als letzte betraten ein Brite, ein Franzose, ein Italiener, ein Ukrainer, ein Chinese und ein Norweger die Bühne – nein, das ist kein Anfang eines Witzes! Wer die multiethnischen Nintendo-Metaller Dragonforce kennt, hat wahrscheinlich schon bemerkt, dass ich statt eines weiteren Briten einen Norweger erwähnt habe. Der Grund liegt darin, dass Stammsänger Marc Hudson erkrankt war und von Per Fredrik Åsly „PelleK“ vertreten wurde. Über ihn sei nur gesagt, dass er Anime-Coversongs aufnimmt und auf YouTube sehr populär ist. Was soll man da noch sagen – einen besseren Ersatz für Dragonforce kann ich mir kaum vorstellen, vor allem nachdem Per zu singen begann. Seine Stimme und sein Auftreten passen noch besser zum Gesamtkonzept der Band. Leider war er während des auf fünf Songs verkürzten Konzerts großteils am Bühnenrand verankert und las die Texte vom Boden ab – eine logische Entscheidung, da er gerade so viel Zeit hatte, von Norwegen nach Tolmin zu reisen. Die Auflockerungsübungen übernahmen dafür die anderen Bandmitglieder, die ein wirklich hervorragendes Konzert ablieferten. Wer Dragonforce nicht ausstehen kann, dem hätten sie so oder so nicht gefallen, aber man kann ihnen nicht absprechen, dass sie sich in den letzten Jahren zu einer der präzisesten und eingespielsten Bands der Szene entwickelt haben. Wer Spaß haben wollte, kam trotz des verkürzten Konzerts voll auf seine Kosten. (t: David)
Das Festival-Konzertprogramm auf der zweiten Bühne beschloss niemand Geringeres als Satan. Wer auch immer diese Band ausgegraben und als letzten Act des Festivals zum Metaldays gebracht hat, verdient dafür vom Staatspräsidenten einen Orden für außerordentliche Verdienste. Da sie zugleich die letzte Band des Berichts sind, verdienen sie eine etwas tiefgreifendere Würdigung.
Satan sind ein klassischer Name auf der Heavy-Metal-Kanzel der Welt. Nach ihrer Rückkehr auf die Bühne im Jahr 2013 mit dem phänomenalen Album „Life Sentence“ (die Karriere der Gruppe war stets äußerst turbulent, mit ständigen Wechseln und sogar vorübergehenden Namensänderungen) hält auch das neue Album „Atom by Atom“ aus dem vergangenen Jahr außerordentlich Inspiriertes bereit. Und so inspiriert und blutdurstig stürmten Satan auf die Bühne des Metaldays-Festivals in Tolmin.
Satan ist eigentlich kein repräsentativer Name für ihre musikalischen oder lyrischen Themen, denn sie spielen hervorragenden britischen Heavy Metal und singen über Gesellschaft und Ungerechtigkeit.
Die Band präsentierte also das aktuelle Studioalbum „Atom by Atom“, eröffnete das Konzert aber mit dem kultigen Klassiker Trial By Fire aus „Court in the Act“, in den Satan nach einer eingespielten Intro (Into the Fire) hineinstürmten. Die Band blieb beim genannten Klassiker bzw. dem kultigen Debüt aus den Achtzigern und raste weiter mit Blades of Steel, bevor der Blick in die neue Ära ihres Schaffens fiel, als sich The Devil’s Infantry, Break Free und Ruination (alle aus „Atom by Atom“) sowie Twenty Twenty Five, Siege Mentality, Incantations und im letzten Teil des Konzerts Testimony sowie Time to Die (alle aus „Life Sentence“) aneinanderreihten. In der zweiten Konzerthälfte spielte die Band noch zwei brandneue Songs: das äußerst zornige und scharfe Farewell Evolution, dem die ausgezeichnete kleine epische Suite voller Düsternis und okkulter Aussichten namens The Fall of Persephone folgte. Satan beschlossen ihr Konzert mit dem kultigen Kiss of Death, einem der ältesten Songs in der Karriere der Gruppe. Leider veröffentlichte Satan (unter dem Namen Satan) insgesamt nur vier echte Studioalben im Laufe ihrer Karriere, und es war irgendwie naheliegend zu erwarten, dass vor allem die letzten beiden – also „Life Sentence“ und „Atom by Atom“ – in der Setlist ordentlich vertreten sein würden.
Die Fünfzigjährigen heizten um ein Uhr nachts über eine gute Stunde so intensiv ein, als wären sie halb so alt, und das Publikum rastete trotz fünf langer Festivaltage das gesamte Konzert hindurch aus und vermittelte das Gefühl, tatsächlich von Satan selbst besessen zu sein. Absolut klischeehafte Metal-Atmosphäre!
So endete eine weitere Ausgabe des Metaldays-Festivals, die dieses Jahr im Zeichen wechselhaften Wetters, hervorragender Konzerte, starkem Besucherandrang, der bislang besten Organisation und einer sehr angenehmen Atmosphäre stand. Metaldays 2017 findet am selben Ort vom 23. bis 27. Juli statt, und die ersten Acts sind bereits bekannt.
Text: Klemen Udovč & David Bordon
Text (Satan): Aleš Podbrežnik
https://www.youtube.com/watch?v=l1-WbE5Uiak
Bildergalerie


















































































































































































































