Metal-Blasphemie über Kamnik (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Kamnik / Mali Grad / Slowenien
Konzertdatum: 10.08.2015
Besucherzahl: 250
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt)

Noctiferia gilt als die slowenische Metal-Band, die auf der internationalen Bühne mit Abstand am weitesten vorgedrungen ist. Man kann sie getrost als Veteranen der Szene bezeichnen, als so eine Art Metal-Gurus. Dafür haben die Jungs unter der unerschütterlichen und ungemein charismatischen Führung von Gitarrist Igor Nardin jahrelang geschuftet und Blut und Wasser geschwitzt, haben furchtlos an ihrer musikalischen Vision festgehalten – und ihre Alben sind allesamt Ausdruck einer einzigartigen künstlerischen Haltung und einer Entwicklung, hinter der eine große Aufrichtigkeit steckt. Treue bis ins Grab. Sich selbst und seinem Herzen gegenüber. Das ist der Zauber der künstlerischen Freiheit, die dir niemand nehmen kann und die am Ende einzig zählt.

»Pax« (2014) ist das neue und insgesamt fünfte Studioalbum der Band, auf dem Noctiferia weiterhin schamlos und höchst wirkungsvoll mit klanglichen Experimenten handelt. Nach »Slovenski Morbidi« und »Death Culture« haben wir ein weiteres Album bekommen, das sich stilistisch anders und frisch anhört und mit dem die Band immer neue Entwicklungshorizonte erschließt! Ein mutiges, abwechslungsreich strukturiertes Album, das alle Aufmerksamkeit verdient.

Die Band ist dieses Jahr live unglaublich aktiv, engagiert und präsent! Hinter sich hat sie sogar eine komplette China-Tour, und erneut krönte Noctiferia ihren neu entfachten Schwung mit Auftritten beim diesjährigen Metaldays sowie beim renommierten deutschen Wacken Open Air. Der Sommerteil der »Pax«-Tour brachte die Band auch zur idyllischen Location Mali Grad im Rahmen des diesjährigen Kamfest, wo sich eine bunte Metalgemeinde versammelte – da war eine richtig handfeste schwarze Messe mehr als nur angesagt! Der starke Besuch hat einmal mehr bewiesen, wie sehr Noctiferia heute zu respektierten und geschätzten Matadoren des slowenischen Metals geworden sind.

Die Band präsentierte ihr neues Studioalbum in voller Breite, webte ins Set auch älteres Material wie Demoncracy, Holymen und Deluders And Followers ein und schloss den Auftritt erwartungsgemäß mit dem »zur Hymne gewordenen« und allseits gefordertem, famosen Fond Of Lies ab!  Noctiferia lieferte erwartungsgemäß eine ausgezeichnete Show ab. Das Sextett ist brillant eingespielt. Das Riff-Duo  Nardin/Fileš erzeugt mit seinen achtsaitigen Brettern einen außergewöhnlichen Groove einer massiven Klangwand, die durch den Kontrast des abwechslungsreich strukturierten Schlagzeugparts und in Verbindung mit Perkussion sowie Industrial-Sounds eine ungemein unheilvolle Atmosphäre schafft – wo der einzige Weg in den Abgrund des bösen Verderbens führt, aus dem es keine Rückkehr gibt, bis hin zur finalen Purifikation. Die Band geht das durch und durch professionell an und gibt damit hoffentlich den anderen Bands der slowenischen Metal-Szene ein leuchtendes Beispiel. Vom ausgefeilten Outfit bis zur internen »Politik« der Bühnenaufstellung und den präzise durchdachten Bewegungen der vorderen Frontlinie (Gesang, beide Gitarren, Bassgitarre) zwischen den einzelnen Songs. Am meisten Akrobatik lieferte erwartungsgemäß der aufgedreht-durchgestylte Schamane und Sänger Gianni, der neben all seiner Bühnenturnerei eine außerordentliche Gesangsdarbietung hinlegte, vollgepackt mit unterschiedlichsten »Screams« und »Growls«, während die Kulisse der instrumentalen Begleitung – trotz aller Schärfe und des Spielens auf volle Power – eine außerordentliche Stimmigkeit und Präzision lieferte, die an das Werk der genauesten Schweizer Uhr erinnert.

Auf dem »hügeligen« Gelände stand und saß das Publikum (aus Verantwortung gegenüber der eigenen Gesundheit und dem eigenen Leben) lieber vorsichtig auf den herausragenden Felsen, die vereinzelt aus dem Hang unterhalb der Burgmauern hervortreten – verbergen konnte es dabei jedoch keineswegs die ausgesprochen positiven Vibes und die pure Begeisterung angesichts der Blasphemisierung Kamniks durch Noctiferia! Vor der Bühne auf der rechten Seite, also vor Roman und Uroš, wo das Gelände etwas flacher wird, schaffte Gianni es, die heißesten Fans auf die Beine zu bringen, die sich mit der Band in einem wilden Tanz der Purifikation so richtig austoben konnten. Erwartungsgemäß trieb die Band den Auftritt beim abschließenden Demolierer und berühmten Tornado namens Fond Of Lies auf den Höhepunkt – ohne den ein echter Noctiferia-Konzert nun mal nicht denkbar wäre. Energische Ausführung, eine neue brillante Show, die außerordentliches Selbstbewusstsein, Reife und die Uneinnehmbarkeit der Festung namens Noctiferia zum Ausdruck bringt! 

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