Masters Of Evil
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Denner / Shermann
Label: Metal Blade Records
Veröffentlichung: 2016
Laufzeit: 41:17
Wertung: 3.5/5
Michael Denner und Hank Shermann sind Namen, die untrennbar mit den legendären und leider zu Grabe getragenen dänischen Metal-Ikonen Mercyful Fate verbunden sind, die übrigens 1999 das Konzert in der damals noch aktiven Plečniks »Ruine« in Ljubljana eröffneten – vor niemand anderem als Metallica. Schon Hetfield und Kompanie erkannten offen die Verdienste von Mercyful Fate für die musikalische Entwicklung von Metallica in deren Anfangsjahren an und hegten gegenüber Mercyful Fate auch so etwas wie echte Ehrfurcht. Nun – Mercyful Fate gibt es zwar nicht mehr, aber die Riffs sind geblieben. In den Köpfen zweier ehemaliger Mitglieder dieser Band, die ihre Kräfte in einem Projekt vereint und beschlossen haben, sie wieder zum Leben zu erwecken.
Schon nach der EP »Devil’s Thomb« (2014), die einen neuen Angriff von Denner und Shermann auf die Metal-Szene ankündigte, ließ sich erahnen, dass im Hintergrund gute Dinge köcheln. Das Debüt »Masters of Evil« ist so ein Album, das prophetisch versprach, mit den Werken von Mercyful Fate mithalten zu können. Übrigens deutet schon das Cover selbst darauf hin – es erinnert an das Cover des kultigen Mercyful Fate-Klassikers »Don’t Break the Oath«, was kaum überrascht, da auch das Cover von »Masters of Evil« vom selben Künstler stammt. Von Thomas Holm also.
Was das Album »Masters of Evil« bietet, ist also eine Art flüchtiger Streifzug durch den diskografischen Opus von Mercyful Fate. Abseits vom Stück The Wolf Feeds the Night, das nicht nur aufgrund der Phrasenstruktur, sondern allein schon durch den Vokalansatz von Sänger Sean Peck (Cage) »Ozzy-haft« wirkt, ist der Rest des Materials eine Mischung aus klassischem Mercyful Fate aus der Ära der Achtziger (Son of Satan, das eröffnende Angel’s Blood) und der späteren Phase (die Neunziger), woran die Leitriffs von Pentagram and the Cross und Servants of Dagon erinnern. Auf der anderen Seite muss man Pecks Gesang Rechnung tragen, der mit seinem Ansatz stellenweise das typische Flair des amerikanischen Speed Metal heraufbeschwört (Escape From Hell) – und damit Verbindungen zu Wesen und Werk seiner früheren Band Cage herstellt.
Also. Vor uns liegt eine Unmenge erstklassiger Gitarrenriffs, die erfahrene Meister des Metal-Handwerks zum Leben zu erwecken wissen – was auch für das Einweben zahlreicher melodischer Verzierungen in den Passagen gilt, ganz zu schweigen von der tödlichen Würze der solistischen Exzesse, die beide »teuflischen« Gitarristen auf das Album mitbringen. Sean Peck dominiert durch das ständige Wechseln der führenden Vokalmelodien. In dieser Hinsicht ist sein Gesang stark und autoritativ in jeder Lage. Der Ausdruck seiner vokalen Impulsivität bleibt in der Kraftentfaltung konstant und entwickelt sich im Glanz einer durchgehend brillanten Ausführung.
Die Stimmung? Verderblich. Das Album ist angemessen düster, finster, zeitweise unheilvoll und beängstigend – doch bis zur Sattheit an Atmosphären ewiger Verdammnis und okkultem Blutopfer, grauenhaftem Psychomasochismus und generell dem Theater, wie es zum Szenario von Horrorfilmen mit Ausbrüchen ewiger weiblicher Hysterie passen würde, fehlt noch einiges. Darin waren die ewig blasphemischen Mercyful Fate mit King Diamond eben einzigartige Meister – daher ist das »An-der-Magie-Nippen«, auf das du dich beim Konsum von Mercyful Fate womöglich »angefixt« hast, diesmal Mission: Impossible. Vielleicht schon allein deshalb, weil Mercyful Fate eine feste, kohärente Gruppe von fünf dänischen Musikern mit klarem künstlerischen Fokus waren, während dieses Projekt natürlich (im Wachsen und Gedeihen) eine Art Derivat jener Band ist, die im besten Fall nur mehr oder weniger gelungen an die guten alten Zeiten von Mercyful Fate erinnern kann. Das letzte Stück, die Mini-Suite The Baroness, die besonders prägnant durch plötzliche Taktwechsel und wechselnde Leitmotive charakterisiert wird, stellt so etwas wie den kompositorischen Höhepunkt des Albums dar.
Störend ist auch die etwas ungeschickte Produktion, was vor allem den Drum-Mix im Klangbild betrifft – die Drums klingen dünn und kastig und wirken dadurch »ohne echte Verbindung« zu den übrigen Elementen des Klangbilds. Gemessen an den heutigen Standards der Metal-Produktion also gelinde gesagt veraltet. Schade, dass da klanglich nicht mehr herauszuholen ist, denn am Schlagzeug sitzt niemand anderes als der geschätzte Snowy Shaw (ex-King Diamond, ex-Mercyful Fate).
Wie auch immer – das Album »Masters of Evil« verschafft überaus erfolgreich Einblicke darin, aus welcher Metal-Schule Shermann und Denner nun mal kommen. Und wie gesagt: Das Gros der Riffs, wenn nicht gar alle, wären in einem anderen Szenario mühelos mit der einzigartigen ausdrucksstarken Charisma von Mercyful Fate vereinbar. Wer weiß? Vielleicht überlegt es sich King Diamond noch einmal und bringt Mercyful Fate wieder zusammen. Denner und Shermann wärmen sich derweil schon kräftig auf und wetzen die Finger!
Denner / Shermann – Angel’s Blood:
https://www.youtube.com/watch?v=bHoZbbxXMo8
Besetzung
Michael Denner – Gitarre
Hank Shermann – Gitarre
Sean Peck – Gesang
Snowy Shaw – Schlagzeug
Marc Grabowski – Bassgitarre
Produktion
Michael Denner & Shermann
Tracklist
01. Angel’s Blood
02. Son of Satan
03. The Wolf Feeds At Night
04. Pentagram And The Cross
05. Masters Of Evil
06. Servants Of Dagon
07. Escape From Hell
08. The Baroness