Man And Machine
Interpret: U.D.O.
Label: SPV Records
Erscheinungsjahr: 2002
Bewertung: 3/5
Die Dinosaurier leben wieder. Die Legende von Accept, verwandelt in U.D.O., geht weiter. Udo Dirkschneider rückt keinen Zentimeter von seinem musikalischen Rahmen ab. Jede Platte aus der Feder des Altmeisters bedeutet also eine Rückkehr ins goldene Zeitalter der Achtziger, als Accept und Judas Priest Seite an Seite in der Schlachtreihe marschierten. Das Eröffnungsriff von „Private Eye“ erinnert deshalb an „Electric Eye“ (Judas Priest), und der passende Text obendrauf passt wie die Faust aufs Auge. Auch die erste Zeile des Refrains von „Black Heart“ geht so: „Black Heart, Dark Mind“ („Rock Hard, Ride Free“ – Judas Priest), und auch das Refrain-Riff ist genauso aufgebaut wie bei diesem Judas-Priest-Klassiker. Ich gebe zu, ich stehe jetzt als Depp da, weil ich die beiden Bands überhaupt verglichen habe. Accept und Judas Priest haben sich zeitgleich, aber völlig unabhängig voneinander entwickelt. Letztere sind schon 1986 experimentell stark vom Stil abgebogen, der sie vorher irgendwie mit Accept verbunden hat, U.D.O. dagegen sind die logische Fortsetzung von Accept (daher das mit den Dinosauriern) und weichen mit jeder neuen Veröffentlichung stilistisch kein bisschen ab. U.D.O. haben uns deshalb nichts Frisches aufgetischt. Wir haben eine Platte nach Erwartung bekommen. Druckvolle Musik mit offenen Riffs. Waschechter, elementarer Heavy Metal, das ist die Heavy-Metal-Schule. „Silent Cry“ ist ein super Beispiel dafür, wie die Jungs es draufhaben, in ihren Songs auch Atmosphäre aufzubauen.
Schlagzeuger Lorenzo Milani ist die neue Frischzellenkur der Band. Er setzt sein Arsenal abwechslungsreich ein, die Becken sind besonders in den Übergängen markant und decken Lorenzos Gedresche auf Snare und Toms perfekt ab. Udo hat Lorenzos starke Arbeit genutzt und als gestandener Produzent die Lücke gefüllt, die der stets hochgedrehte, klassische Sound der E-Gitarren hinterlässt.
Durch alle Songs hindurch finden wir in sämtlichen Übergängen oder auch nur zwischen den Strophen jede Menge Gitarrenverzierungen. Viele Slides und Saitenziehen gönnen sich die beiden Gitarristen. Die Soli sind stilistisch typisch Achtziger. Kein Rumgeprügel, sondern ein sorgfältiger Umgang mit den ausgewählten Tönen, die sich perfekt in die Songs einfügen, die ganze Durchschlagskraft des Albums erhalten oder sie höchstens noch steigern. Der Gitarrensound ist astreiner „Gibson“ und sehr lebendig, deshalb hat er nur wenig Produzenten-„Bügeln“ abbekommen.
„The Down Of Gods“ hat einen kindischen Text: „Ohhhh heavy metal, the law for one and all“. Das hängt mir langsam zum Hals raus. Ist Udo wirklich noch so kindisch? Glaubt er das echt? Übrigens hat der kreischende Zerstörer seinen Gesang in den Refrains auch diesmal mit Mehrfachspuren zugedeckt.
Ja, eine knappe Stunde Durchschlagskraft liegt wieder vor euch, mit offenen, fließenden Riffs und natürlich dem einzigartigen Gekreische. Die Platte endet mit dem romantischen „Unknown Traveler“. Der beginnt mit einem verzerrten Riff, das gleich in ein Terzett aus Kompressor-Klängen beider E-Gitarren übergeht, die in den Hintergrund geschoben sind. Im Vordergrund stehen die Akustikgitarre und die Rhythmuslinie, natürlich bis zum Refrain. Dann werden U.D.O. wieder komplett stählern. Die Soli sind in diesem Song geschmackvoll auf akustisch und verzerrt aufgeteilt.
Die Idee für den Song und den Albumtitel „Man And Machine“ kam Udo, als er seine 14-jährige Tochter beobachtete, die ganze Tage vor dem Computer hockt, Hamburger und Popcorn isst und Cola trinkt. Der Schlager „Dancing With An Angel“ teilt die Platte in zwei Hälften. Das ist ein Duett von Udo mit Sängerin Doro. Die beiden harmonieren schön. Der Beweis, dass nicht alles nur Draufhauen ist. Kurzum: ein „Ja“ für den neuen U.D.O.-Klassiker.
Besetzung
Udo Dirkschneider – Gesang
Stefan Kaufmann – Gitarre
Igor Gianola – Gitarre
Fitty Wienhold – Bass
Lorenzo Milani – Schlagzeug
Produktion
Stefan Kaufmann
Tracklist
1. Man And Machine
2. Private Eye
3. Animal Instinct
4. The Dawn Of The Gods
5. Dancing With The Angel
6. Silent Cry
7. Network Nightmare
8. Hard To Be Honest
9. Like A Lion
10. Black Heart
11. Unknown Traveller
Spielzeit: 52:56