Budgie
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Budgie
Label: Repertoire Records
Veröffentlichung: 1971
Bewertung: 3/5
Budgie konnten es kaum erwarten, bis der Tag kommt, an dem sie die Schwelle des Studios überschreiten und ihr Debüt aufnehmen! Roger Bain, der ein Jahr zuvor auch das Debüt von Black Sabbath produziert hatte, saß am Produzentenpult. Budgie sind eine Band, deren Riffs nicht gerade die hübschesten sind. Dafür sind sie verblüffend rockig-entschlossen und so arrogant, dass sie dich als echten Rocker definitiv „umhauen“ müssen!
Beim Entstehen des Debüts haben Budgie praktisch ein Konzert im Studio gespielt! Der Sound ist faszinierend lebendig, dank der Studiomöglichkeiten aber gerade genug aufgehübscht. Nicht zu viel, aber gerade genug. Die Band strahlt außergewöhnliche Eingespieltheit und unglaubliche Hingabe an den Rock’n’Roll aus. Budgie entwickeln sofort einen dreisten, dilettantischen Sound. Das ist der Sound einer echten Rock’n’Roll-Band.
Guts ist in gewaltige, dicke Gitarren-„Pull-offs“ gehüllt, wie sie damals zum Beispiel bei Tony Iommi an der Tagesordnung waren. Offenbar hat die damalige Rock-Strömung um Black Sabbath und Pentagram auch Budgie erfasst. Besonders verderblich in dieser Hinsicht ist der Song All Night Petrol. Verzerrung und lange „Pull-offs“ in halbtönigen Abschlüssen. Die Basslinie rasselnd und aufgedreht lebendig, die Drums forschend, bereit für jeden Ausbruch in eine waschechte „Jam“. Tony Bourge ist ein echter R & B-Gitarrist, auf den Hendrix großen Eindruck gemacht hat, was man auch an Bourges Spielstil hört. Mit dem Opener Guts stellen sich Budgie als obskure Rock’n’Roll-Krawallmacher vor. Mit den akustischen Preludes Everything In My Heart und You And I legen sie kurze psychedelische Fluchten hin und erinnern zugleich daran, dass die Zeiten von The Beatles noch nicht lange vorbei sind. Budgie kamen in erster Linie vom „White Blues“ und Rock’n’Roll, wurden aber definitiv auch durch Jazz-Erfahrung gehärtet, wovon die längeren „Jam-Session“-Lektionen mitten in den Songs zeugen. In The Author sind Budgie in ihrer unbeugsamen Rockerhaltung noch eine Stufe zerstörerischer, während sie in Nude Disentigrating Parachutist Woman schon richtige Banditen werden. Dieser Song charakterisiert auf schönste Weise das gesamte Repertoire der frühen Budgie, ihren Stil und ihre Mission! Er trägt alles Erwähnte in sich. Psychedelische Ausklinker, ein außergewöhnlich ausgedehntes „Jamming“ im Mittelteil und ein zerstörerisches, schweres Metal-Gitarrenriff, das in echtes mentales Leiden der Seele führt, gehüllt in Ketten. Dieser Song ist der Höhepunkt der Platte, und er gehört bei Budgie-Konzerten bis heute zum Pflichtprogramm.
Wenn zu Budgie der unverzichtbare, kreischende Gesang von Bassist Burke Shelley dazukommt, gibt es keinen Zweifel mehr: Vor uns steht ein echtes Power-Heavy-Rock-Trio! In allen äußerst mutigen Momenten des Debüts, für die damalige Zeit knapp 41 Minuten (was beneidenswert viel war), finden wir eine Menge richtig schwerer Gitarrenriffs, die Budgie stark vom R&B entfernen. Man kann von einem frühen Prototyp des Heavy Metal sprechen, mit klar erkennbaren Wurzeln im Blues und Rock’n‘ Roll. Das Debüt ist ein hervorragender „Jam“. Man spürt die Lebendigkeit und den echten Rock-Beat der Band. Die schönsten Proto-Stoner-Fingerzeige liefern Budgie vielleicht im fantastischen Schlusspunkt Homicidal Suicidal. Das ist echter schwarzer Rock’n’Roll .Unglaublich, wie Tony Bourge stilistisch nicht nur beim „Riffen“, sondern sogar beim Gitarrensolo an den Kollegen Tony Iommi bei den Zeitgenossen Black Sabbath erinnert.
Natürlich haben Budgie gleich auf dem Debüt auch mit einem feinen Gespür für schwarzen Humor geschockt. Rape Of The Locks, mit giftigem „Roll Drive“ in totale Schwärze gehüllt, ließe sich als „Vergewaltigung der Schlösser“ übersetzen. Budgie haben mit dem Debüt ihre Erscheinung fantastisch definiert. Sie spielten exzellenten schwarzen Rock’n’Roll aus schwer rollenden Riffs, was für die damalige Zeit provokant frisch und völlig neu war. Drei Jungs ohne Aufgeblase und Getue. Echte Rocker mit bescheidener Haltung, ihrer Sache verschworen. Anders als alles andere! Eine Band mit dickem Fell! „Budgie“ ist ein hervorragendes Debüt, das nichts anderes schmückt als puren, rohen, nackten Rock! Und das reicht!
Besetzung
Burke Shelley – Bassgitarre, Gesang
Tony Bourge – Gitarre
Raymond Phillips – Drums
Produktion
Rodger Bain
Tracklist
1. Guts (4:20)
2. Everything In My Heart (0:52)
3. The Author (6:28)
4. Nude Disintegrating Parachutist Woman (8:41)
5. Rape Of The Locks (6:12)
6. All Night Patrol (5:57)
7. You And I (1:41)
8. Homicidal Suicidal (6:41)
Laufzeit des Albums: 40:52