Live & Life
Autor: Peter Podbrežnik
Künstler: Arena
Label: Verglas Records
Erschienen: 2004
Laufzeit: 110:59
Wertung: 5/5
Die kultigen Neoprog-Größen Arena veröffentlichten nach der Tour, auf der sie ihr konzeptuelles Meisterwerk »Contagion« (2003) präsentierten, ein Doppel-Konzertalbum mit dem Titel »Live & Life«. Es enthält den vollständigen Konzertauftritt bzw. das komplette Set, das Arena auf der gesamten Tour 2003 gespielt hat, bei der die Band die meisten europäischen Länder besuchte (unter anderem auch die Slowakei; Slowenien war natürlich erwartungsgemäß nicht dabei) sowie Kanada (die Städte Quebec und Montreal). Nach der Veröffentlichung von »Contagion« gelang es Arena endlich, eine stabile Studio- und Konzertbesetzung zu formen, die am Ende gut zehn Jahre zusammenhielt. Die tragenden Säulen und Gründer der Band, der brillante Keyboarder Clive Nolan und Marillions Original-Schlagzeuger Mick Pointer, schufen gemeinsam mit dem verblüffend talentierten Gitarristen und Gelegenheitssänger John Mitchell, dem hervorragenden Sänger Rob Sowden und dem versierten Bassisten Ian Salmon – den Clive noch aus den Zeiten der Band Shadowland kannte – eine Band, die unter zahlreichen Neoprog-Fans außerordentlich hohes Ansehen genoss. »Live & Life« hält ihre gegenseitige Bühnenchemie auf bestmögliche Weise fest und präsentiert einige der besten Werke ihrer bisherigen musikalischen Karriere.
Die erste CD von »Live & Life« enthält die Konzertinterpretation des kompletten Albums »Contagion«, was auf der Tour 2003 typischerweise den ersten Teil des Auftritts dieser kultigen Neoprogger ausmachte, die irgendwie still und heimlich immer noch auf die verdiente kommerzielle Anerkennung warten. Alle Arena-Fans, die »Contagion« bis ins kleinste Detail kennen, werden zugeben müssen, dass die Konzertversion des Albums auf »Live & Life« der Studioaufnahme so gut wie ebenbürtig ist, während das Publikum für eine noch intensivere Atmosphäre sorgt. Schon von der ersten Sekunde an, wenn sie mit dem kataklystischen Klopper »Witch Hunt« – einem der Höhepunkte ihrer Karriere – auf die Bühne loslegen, nimmt die Konzertatmosphäre begeisternde Dimensionen an. Diese atmosphärische Magie setzt sich fort auf der kurzen Ballade »An Angel Falls«, der düsteren postapokalyptischen Séance »Painted Man«, dem melodramatischen Instrumental »This Way Madness Lies«, dem epischen »Spectre at the Feast«, dem treibenden »Skin Game« und so weiter bis zum triumphalen Abschluss mit »Ascension«. Alles ist auf den Punkt gespielt – von Nolans vielseitigem Keyboard-Königreich über Mitchells intelligente Gitarrenpassagen und Pointers kraftvolle Schlagzeugübergänge bis hin zu Salmons melodischen Basslinien, so wie es diese Meister ihrer Instrumente eben draufhaben, während der vokal stets exzellente Sowden auf dieser Aufnahme besonders aufgelegt war.
Die zweite CD enthält Interpretationen einiger der beliebtesten Stücke von früheren Arena-Studioalben, nämlich »Immortal?« (2000), »The Visitor« (1998), »Pride« (1996) sowie »Songs From The Lions Cage« (1995). Mit den meisten Songs vertreten ist, wie zu erwarten, das Meisterwerk »The Visitor«, von dem sie das melancholische Instrumental »Serenity« spielten – beherrscht von Mitchells ‚weinendem‘ Gitarrensolo –, das spannungsgeladene »Double Vision«, die melodramatische Epopöe »The Hanging Tree« sowie »Enemy Without«, den atmosphärischen Höhepunkt des Albums. »Immortal« war mit dem verschwörerisch brillanten postapokalyptischen Klopper »Chosen« und dem stets gänsehautauslösenden, erschütternd düsteren »The Butterfly Man« vertreten – zwei scharfen Abrechnungen mit der modernen neoliberalen Entfremdung, Habgier und emotionalen Robotisierung. Als Abschluss wählten sie drei langjährige Konzertfavoriten: den epischen, knapp 14-minütigen Leckerbissen »Solomon«, die unvergessliche Hymne »Jericho« – zweifellos der beliebteste Song vom Debüt »Songs From The Lions Cage« – und »Crying For Help VII«, bei dem das obligatorische Mitsingen des Publikums einfach dazugehört.
»Live & Life« ist das beste offizielle Konzertdokument unter der Regie der bislang langlebigsten Inkarnation dieser kultigen britischen Neoprogger und gehört daher zwingend in die Sammlung jedes Arena-Fans – und all jener Musikliebhaber, die das Geschehen in der Welt des Progressive Rock auch nach dem Ende der Achtziger aktiv verfolgen. Arena haben bislang eine ganze Reihe sehr guter offizieller Konzert-Releases veröffentlicht, sowohl als CDs als auch als DVDs, doch Krone und Zepter unter ihnen verdient eindeutig »Live & Life«, denn es hält die Band auf dem Höhepunkt ihrer Live-Kräfte fest – mitten in der äußerst erfolgreichen Konzertpräsentation eines ihrer besten Studiowerke. Die limitierte Sonderausgabe von »Live & Life« ist außerdem mit einer ziemlich überflüssigen Bonus-DVD ‚ausgestattet‘, die eine Doku über die Band mitten auf der »Contagion«-Tour sowie diverse, hauptsächlich konzertbezogene Fotos enthält.
Besetzung
Rob Sowden – Gesang, Akustikgitarre
Clive Nolan – Keyboards, Hintergrundgesang
John Mitchell – Gitarre, Hintergrundgesang
Mick Pointer – Schlagzeug
Ian Salmon – Bassgitarre
Produktion
Clive Nolan und Karl Groom
Trackliste
CD 1: 1. Witch Hunt (4:15)
2. An Angel Falls (1:11)
3. Painted Man (4:22)
4. This Way Madness Lies (3:43)
5. Spectre At The Feast (6:10)
6. Skin Game (4:26)
7. Salamander (3:35)
8. Bitter Harvest (1:17)
9. City Of Lanterns (1:31)
10. Riding The Tide (4:23)
11. Cutting The Cards (5:18)
12. Ascension (5:47)
CD2:
1. Serenity (2:27)
2. Chosen (6:38)
3. Double Vision (4:17)
4. The Hanging Tree (7:12)
5. (Don’t Forget To) Breathe (5:23)
6. The Butterfly Man (9:06)
7. Enemy Without (5:37)
8. Solomon (13:47)
9. Jericho (6:42)
10. Crying For Help VII (3:52)