Bang Your Head!!! 2013 – erster Tag
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Balingen / Messegelände / Deutschland
Konzertdatum: 12.07.2013
Besucherzahl: 10.000
Ticketpreis: 95,00€
Die Morgen auf dem Bang Your Head!!!-Festival gelten als die kürzesten. Nach dem „Warm-up-Tag“ – RockLine-Report HIER – ist eine Regenerationsphase unvermeidlich. Und wenn dir schon eine Viertelstunde vor zehn der Riff der deutschen Thrash-Metal-Heimatband Wanted Inc. im Dachgeschoss der Schädeldecke herumhackt, ist das keine sonderlich schöne Erfahrung. Anders als bei mir mit meinem »durchgeräucherten« Kopf und der versauerten Wahrnehmung der Umgebungsreize dachten sich Gitarrist Andy Meier, Sänger Frank N. Stoner, Bassist Lukas Semmelbauer und Schlagzeuger Hermann Weiss auf der Bühne zu dieser Tageszeit mit Sicherheit nichts dergleichen, denn sie präsentierten ihre Musik mit großem Stolz. Die ist eine Art Zusammenfassung des deutschen teutonischen Thrash-Metal-Erbes. Von Tankard über Sodom und Inslumber und Paradox bis hin zu Purgatory. Rechnet man das frisch veröffentlichte neue Studioalbum »Demons We Created« dazu, das genau im Juli dieses Jahres erschienen ist, sind die aufstrebenden Jungs zu Recht stolz auf die Lage, die sich für sie bislang recht günstig entwickelt. Leider sind Wanted Inc. aber vor allem eine generische Band, was heißt, dass in Zukunft noch viel Arbeit auf sie wartet.
Den echten Retro-Vibe der Old-School-Hommage an den Euro-Thrash-Metal brachten dann die dänischen Artillery auf die Bühne. Die Veteranen, deren Kern die Gitarristen und Brüder Morten und Michael Stützer sowie ihr treuer Kumpan am Bass, Peter Thorslund, bilden, fingen gnadenlos an, mit dem Maschinengewehr alles niederzumähen, als der prähistorische Klassiker The Challenge vom zweiten Artillery-Album »Terror Squad« von der Bühne ratterte. So bekam das Festival die ersten echten Konturen und den richtigen lärmenden Antrieb kompakter, eigenständiger Authentizität. Artillery haben Ende vergangenen Septembers einen neuen Sänger aufgenommen, Michael Bastholm Dahl, und es ist auch noch nicht lange her, dass sich der Originaldrummer Carsten Nielsen in den Ruhestand verabschiedet hat; seinen Platz nimmt jetzt Josua Madsen ein. Die Setlist, reichlich bestückt mit den ersten beiden Alben der Band, gab dem schon ordentlich gefüllten Innenraum vor der Fassade der riesigen Festivalbühne reichlich Grund zur Freude. Der neue Sänger Michael Bastholm Dahl hat leider nicht so ein überzeugendes Bühnenspiel wie sein Vorgänger Søren Adamsen (der während der Gesangsdarbietung auf der Bühne einen Helm benutzte), der sich geschmackvoll in die Runde reifer Haudegen einfügte, die ganz sicher gerade einen neuen kreativen Frühling erleben. Die Band soll dieses Jahr ein neues Studioalbum veröffentlichen. Artillery behielten die Vehemenz der anfänglichen Kompromisslosigkeit auch im Schlussteil bei, als sie ihr Repertoire mit noch einem Klassiker abrundeten. Erwartungsgemäß schickten sie noch ihr letztes Geschoss ins Publikum, als sie den Song The Almighty raushauten.
Vom morgendlichen Thrash-Getöse zu milderen Klängen. Aber nicht weniger zupackend. Dafür sorgten nämlich die schwedischen Sleaze-Rocker Crazy Lixx mit ihrem Dreiviertelstündchen Repertoire, das sehr intensiv ablief. Mit einem nicht ganz so berüchtigten Outfit und weniger theatralischem Auftreten als ihre Landsleute Hardcore Superstar stellten die Jungs die Stimmung des Festivals auf den Kopf! Sie lockten ein ganz anderes Publikum vor die Bühne, das den einfachen, aber frech abgehackten Galopp genoss, den der stampfende Rhythmus hymnisch ansteckender Marschlieder vorgibt. Dieser Mix aus potenter Rock-Attitüde und melodischer Eingängigkeit brachte natürlich die Pointe des neuen Albums »Riot Avenue« (2012) rüber, vom Opener Young Blood über den Titelsong des Albums bis zum Schlusspunkt Whiskey Tango Foxtrot. Die Band hielt die Dynamik des Auftritts auch mit einem leicht billig-vorhersehbaren taktischen Kniff hoch, als sie sich an Evergreens von Quiet Riot und Twisted Sister versuchte, und ergänzte den Gig außerdem um die beliebten Singles Heroes Are Forever und Want It. Keine Überflieger, aber sehr gefällig.
Dream Evil gelten als abgehärtete Band, schließlich sind sie schon seit 1992 aktiv. Obwohl ihre Diskografie recht bescheiden ist, haben die Jungs ein paar richtig hochwertige Alben mit den typischen Merkmalen des Euro-Power-Metal rausgebracht. Klar, die Zeiten, in denen Drummer Snowy Shaw (XXX, ex-Therion, ex-Mercyful Fate, ex-King Diamond) und Solo-/Rhythmusgitarrist Gus G. (Ozzy Osbourne, Firewind) fester Bestandteil dieses Quintetts waren, sind Vergangenheit. Trotzdem hält in der Band weiterhin mit unverminderter Intensität der Veteran unter den skandinavischen Produzenten die Zügel in der Hand, Fredrik Nordström, der in der Truppe die Rhythmusgitarre schrubbt. Die Mannschaft wirkt auf der Bühne solide, kohärent, unzerbrechlich und in allem souverän. Power Metal, schön dreist frontal. Das Riff-Schmiede-Muster à la Accept – Priest – Primal Fear gilt heute als geradezu exotisch, und doch halten Dream Evil weiterhin treu und effektiv daran fest. Die Band kündigt für dieses Jahr ein neues Studioalbum an. Sänger Niklas Isfeldt hat keineswegs etwas von seiner Durchschlagskraft als überzeugender Interpret eingebüßt. Der kurzhaarige Sänger, der in den Jahren des Durchhaltens ein paar graue Haare und ein überflüssiges Kilöchen zugelegt hat, hatte das Publikum sofort auf seiner Seite, als die Band mit dem Song Immortal loslegte und ihren Metal-Marsch über bewährte Standards fortsetzte: In the Night, United, Bang Your Head, In Flames You Burn, Children of the Night, The Chosen Ones, Chasing the Dragon und zum Schluss The Book Of Heavy Metal (March Of The Metallians). Der Auftritt von Dream Evil auf dem Bang Your Head!!!-Festival galt als exklusiv. Es war nämlich gerade mal der vierte der Band in diesem Jahr. Vermutlich auch der erste und einzige Sommerauftritt der Band in diesem Jahr.
H.E.A.T. – der heiße Glam-Revival-Artikel aus Skandinavien setzte die schwedische Invasion auf der Hauptbühne des ersten Festivaltags fort. Die Band, die letztes Jahr ihr aktuelles Studioalbum »Address the Nation« veröffentlicht hat, nutzte die Sommerauftritte natürlich zu dessen Promotion, denn für 2014 kündigen die aufstrebenden Jungs schon den Nachfolger an. RockLine hat sich die Band Anfang Juni 2013 auf den Bühnen des »weggespülten« Hi-Rock Festivals angesehen und war angenehm überrascht von der Intensität der Bühnendynamik bei der Interpretation des Repertoires, von der Geschlossenheit und Eingespieltheit, zu der der angeborene schwedische Hang zur Perfektion beiträgt. Auch bei diesem Konzert war der Band keinerlei Patzer in der Ausführung anzumerken. Der wichtigste Antriebsmotor der Band auf der Bühne bleibt der ungezähmte Sänger Erik Grönwall, der voll in seine Schauspielrolle eingetaucht ist und als Erster auf dem Festival auch richtig den »Cat Walk« der Bühne ausnutzte. Vom Opener Breaking the Silence bis zum Schlusspunkt It’s All About Tonight hielten die Jungs eine ausgesprochen sympathische und ansteckende Energie der Bühnenpräsenz aufrecht, die die Zuhörer mit hervorragendem Sound und einer perfekt abgestimmten Darbietung belohnte, aufgewertet vor allem durch die ungemein gelungenen mehrstimmigen Harmonien. Laute Ovationen und intensive Reaktionen des Publikums bestätigten, dass die skandinavische Welle des »Glam-Rock-Revivals« derzeit sehr beliebt und geschätzt ist. In allem ein aufgekratzter Auftritt!
Masterplan gelten als deutsche Power-Metal-Band jüngeren Jahrgangs, die aber vom erfahrenen Musikveteranen und Gitarristen Roland Grapow angeführt wird. Nachdem es schon so aussah, als würde sich der wohl unersetzliche Gesang von Jorn Lande nach der Veröffentlichung des Studioalbums »Time To Be King« (2010) doch in der Band festsetzen, überließ dieser wegen Verpflichtungen gegenüber seiner Band und anderen Projekten den Platz bei Masterplan wieder einem anderen Sänger. Den übernahm der At-Vance-Sänger Rick Altzi. Masterplan sind eine der letzten Bands, die „am Schwanz“ des Power-Metal-Booms aufgetaucht sind (der begann in der zweiten Hälfte der Neunziger mit HammerFall) und die Flut an Bands desselben Genres überlebt haben. Vermutlich dank genau des Namens Roland Grapow. Der verließ die Band nach einem der meistgeschätzten Helloween-Alben, »The Dark Ride«, im Jahr 2001 zusammen mit Drummer Uli Kusch und gründete Masterplan. Der Grund? Der konservative Flügel bei Helloween ließ keine Änderungen von Sound und Stil der Band zu, was richtig schade ist, denn »The Dark Ride« war eine willkommene Abkehr von den schon zigmal durchgekauten und abgenutzten Figuren der Band. Wie auch immer, Masterplan sind eine Truppe abgehärteter Musiker, die ihren Auftritt in Balingen bestens genutzt haben. Eröffnet haben sie ihn mit den zwei berühmtesten Songs ihrer Karriere. Mit den Singles Enlighten Me und gleich danach Spirit Never Dies. Ansteckende, zupackende Eröffnung, das muss man schon sagen! Die Band hat sich im vergangenen Jahr komplett erneuert. Neben Grapow ist von den Originalmitgliedern nur noch Axel Mackenrott an den Keyboards geblieben. Neben dem neuen Sänger Altzi – der in der Darbietung würdig bewies, dass er den Platz verdient, den ihm Lande überlassen hat – haben im vergangenen Jahr noch der tschechische Drummer Martin Skaroupka, der zuvor bei Cradle of Filth getrommelt hat, und Jari Kanulainen die Besetzung vervollständigt, der viele Jahre lang bei der klassischen »Tolkki era«-Besetzung von Stratovarius den Bass gespielt hat. Grapow überlässt also nichts dem Zufall. Interessant ist, dass die Band vom frisch erschienenen Album »Novum Initium« (2013) beim Konzert gerade mal zwei Songs gewählt hat (Keep Your Dream Alive, Betrayal) und das Repertoire der Darbietung des Debüts »Masterplan« (2003) unterordnete. Für einen Konzert-Veteranen meines Schlags würde ich sagen: eine ideale Wahl. »Masterplan« ist der hellste Punkt der Masterplan-Karriere! Grapow ist sich bewusst, dass Masterplan in einer Phase der Neukalibrierung und Regeneration sind (das bestätigt schon der Albumtitel), deshalb hat er den bewährten Zug des »vorsichtigen Bodentastens« gewählt. Den Namen der Band wird er eine Weile auf alten Lorbeeren festigen, erst mit dem nächsten Album (also dem, das »Novum Initium« beerben wird) bekommen wir die Bestätigung, ob sich die Band noch traut, sich künstlerisch weiterzuentwickeln, oder ob sie weiterhin in generischen und erprobten Rahmen des musikalischen Komponierens verharrt. Ein sehr starker Auftritt, den die Musikveteranen in Balingen natürlich mit Routine, Erfahrung und großem Können hingelegt haben!
Legendäre Pioniere des Death Metal aus Skandinavien, die eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des markanten Death-Metal-Sounds des alten Kontinents gespielt haben, dem viele Bands nachgeeifert sind, sind ganz sicher Entombed. Nach dem Album „Wolverine Blues“ verloren sie wegen einer längeren Pause den Kontakt zur Szene, und von den Originalmitgliedern halten heute nur noch Sänger Lars Goran Petrov und Gitarrist Alex Hellid die Stellung. Der Auftritt der Band brachte eine außerordentliche Bereicherung für den ersten Festivaltag, denn bis dahin hatten, mit Ausnahme von Artilery, mehr oder weniger Bands jüngeren Jahrgangs das Publikum unterhalten, die musikalisch keine besondere eigenständige Ausdruckskraft mitbringen. Bei Entombed gilt das ganz und gar nicht. Das ist eine Band mit streng wiedererkennbarer musikalischer Ausdrucksform. Und der Winzling mit zerzaustem Haar, Lars Goran Petrov, ist alles andere als ein Leichtgewicht. Er bringt noch immer ein ohrenzerfetzendes Grunzen hervor, das qualitativ keineswegs nachgelassen hat. Entombed blickten der größten Nachmittagshitze ins Auge! Die Band haute mit dem Brecheisen voll dazwischen, als sie den Auftritt mit dem klassischen Death-Metal-Marsch Living Dead (Album »Clandestine«, 1991) eröffnete. Mosh! Zum ersten Mal auf dem Festival! Die Band mischte das Repertoire größtenteils mit Klassikern der ersten drei Alben (Revel In Flesh, Stranger Aeons, Out Of Hand), und auch im Schlussteil des Auftritts ließ sie dabei nicht nach, als sie mit Eyemaster, I For An Eye, Left Hand Path und dem erwarteten Wolverine Blues darauf aufmerksam machte, dass wir uns auf ein neues Studioalbum freuen können, geschnitten nach den echten Old-School-Federn der Death-Metal-Wurzeln der Band. Der Auftritt von Entombed ist eine Mischung aus der hervorragenden Chemie der Bandmitglieder, die für ausgesprochen präzise Umsetzung des Repertoires sorgt. Die Rhythmuslinie war ergreifend filigran, während die markante Figur der Band im Jahr 2013 jedenfalls in erster Linie Sänger Lars bleibt. Von der Statur her eher ein »diensthabender Kobold« als ein gottesfürchtiger Donnerer, wie man ihn an der Stelle eines Death-Metal-Sängers erwartet. Aber das ist kein Beurteilungsmaßstab. Lars Goran Petrov bleibt nämlich neben seiner witzigen Erscheinung ein hervorragender und in allem überzeugender Growler und ein essenzieller Baustein von Statur und Stimme von Entombed!
Um diese Zeit kam auch die Bühne in der benachbarten Halle Volksbankmesse zum Leben, wo die deutschen Death-Metaller Fleshcrawl unbarmherzig loszudonnern begannen. Die gereizten Reiter der Apokalypse, die sich im Sound und auch im Stil an den schwedischen Dismember orientieren, haben in der Halle alles Lebendige abgeschlachtet! Schon der Beginn entwickelte sich intensiv, als die Band ihre Wut gnadenlos durch die Songs As Blood Rains From The Sky, dann das hervorragende Soulskinner und den älteren Klassiker Dark Dimension jagte. Die Reaktion des Publikums war ein klein wenig anders als bei der Ausgelassenheit der Festivalerfahrung der letztjährigen Metal Manie auf dem Karst von Komen, was darauf hindeutet, dass die Deutschen eben ein etwas abgestumpfteres Publikum sind, weil sie Konzerte im Überfluss bekommen. Trotzdem verbreitete sich schon mitten am Nachmittag in der Halle der Geruch von überschüssigen Alkoholdämpfen, die die Münder zahlreicher deutscher Biertrinker gebraut hatten, was sich natürlich auf die vielen »steifen« Körper auswirkte, die durch die Halle humpelten. Die »Löcher« vor der Bühne zeugten von intensivem Moshen, und Fleshcrawl krönten ihren Hallenauftritt mit exzellenter Eingespieltheit. Besonders beeindruckte mit seiner Figur der charismatische Sänger Sven Gross! Die Riff-Geschlossenheit beider Gitarren und die geschmeidige, dynamisch bewegte Rhythmusgruppe sind in der Summe eine bewährte Garantie für die Explosivität dieses abgehärteten Death-Metal-Quintetts. Mit dem Schluss überraschten Fleshcrawl, als sie sich an die Coverversion von The Day Man Lost machten, im Original von Carnage.
Für Abwechslung im weiteren Verlauf sorgte auch der Auftritt der legendären Doom-Metal-Veteranen aus Schweden, Lake Of Tears. Am Warm-up-Tag zuerst der Auftritt von Candlemass, dann am nächsten Tag Lake Of Tears. Schön, oder? Das ist eine Band, die was zu sagen hat, denn es gibt sie seit Anfang der Neunziger. Das Album »Illwill«, letztes Jahr erschienen, setzt den bekennenden Trend seines Vorgängers »Moons And Mushrooms« (2007) fort und liefert in der neuen Ära für die Band ein betont aufgedrehtes, düsteres Doom-Metal-Album, das sogar Death-Metal-Elemente enthält. Man kann also sagen, dass Lake of Tears in dieser Hinsicht auf gewisse Weise ihren Entwicklungskreis schließen, denn sie sind den grundlegenden Ansätzen des Albums »Greater Art« (1994) nahegekommen. Gleichzeitig trägt das neue Album eine überzeugende Reichweite künstlerischer Reife in sich, denn es hat sowohl progressive als auch psychedelische Elemente, neben der erwähnten Lieferung von »Doom/Gothic«- und »Death-Metal«-Elementen. Es ist keine große Neuigkeit mehr, dass Lake Of Tears ein Beispiel für eine Band sind, die auf ihren Alben die Pointe des Metal-Erbes in verschiedenen Hybridformen entwickelt hat, und das Album »Illwill« bewahrt dieses Markenzeichen der Band mächtig überzeugend für neue Zeiten. Die Band legte zu Beginn mit zwei klassisch angelegten, aber neuen Lake-Of-Tears-Nummern los, nämlich Taste Of Hell und Illwill. Eine allerdings vorhersehbare Fortsetzung des Auftritts im Vergleich zur Erfahrung vom November, als wir die Band in Wien erwischt haben (damals eröffneten sie Konzerte vor Pain und Moonspell). Das Repertoire bereicherten sie um den Song Sweetwater, außerdem erklangen noch The Greymen, Boogie Bubble und Raven Land.
Nach dem »Hitzegewitter« mit Entombed übernahmen die dänischen Hard-Rock-Veteranen Pretty Maids die Hauptbühne. Dass Pretty Maids in Deutschland weiterhin eine hoch geschätzte und anerkannte Band sind, belegen die außerordentlichen Reaktionen des Publikums bei ihren Konzerten. Zwar hatte sich das Publikum vor der Bühne nach Entombed gründlich durchmischt, aber der innere Kreis des Innenraums war außergewöhnlich voll. Bis zum Auftritt von Pretty Maids ganz sicher am vollsten. Die Truppe trat in identischer Besetzung auf wie vor zwei Jahren auf demselben Festival. Damals hatte ihr der Veranstalter des Bang Your Head!!!-Festivals eine kleinere Hallenbühne zugewiesen. Pretty Maids kamen diesmal wieder mit einem neuen Studioalbum in der Tasche nach Balingen! Die Band servierte sofort davon, als sie sich die aggressivere Mother Of All Lies und danach das melodische I See Ghosts vornahm. Schon der dritte Song brachte eine Überraschung! Needles in the Dark vom Kultalbum »Future World« – letzteres wurde auch weiter gewürzt, als die Band Yellow Rain und Rodeo raushaute und im Schlussteil das Publikum auf die Beine brachte, als sie (wie erwartet) auch den Titelsong spielte (natürlich durften auch die erwarteten Back to Back und Red, Hot & Heavy nicht fehlen). Auch das exzellente Album „Pandemonium“ (2010) blieb nicht unbeachtet, mit den melodisch ansteckenden I.N.V.U. und dem phänomenalen Little Drops Of Heaven. Pretty Maids sind aus dem richtigen Holz geschnitzt. Ronnie Atkins hat mitten in der Hitze die Gesangspflichten hervorragend gemeistert. Der Veteran unter den Hard-Rock-Sängern besitzt zwar nicht mehr die Frische von einst, aber mit seiner wertvollen Erfahrung und dem Können, wie man das Publikum während des Auftritts »führt«, hat er voll übernommen und überzeugt. Hände in der Luft. Von der ersten Reihe bis zum Mischpult. Auf knapp 100 Metern Länge! Unglaublich, wie viel Raum der abgehärtete Ken Hammer mit nur einer Gitarre abdeckt. Pretty Maids bleiben eine Bühnenattraktion, die Engagement und Biss behält! Nach dem, was wir auf dem Bang You Head!!!-Festival genossen haben, können wir uns aufrichtig darauf freuen, einen der bereits bestätigten Auftritte der Herbsttour der Band durch Europa zu sehen!
Die finnischen Power-Metaller Stratovarius sprangen »aus der zweiten Reihe« auf die Liste der Auftretenden des diesjährigen Bang Your Head!!!-Festivals! Nach der Absage von W.A.S.P. Auch das ist eine Truppe, die in ihrer Karriere schon einiges erlebt und überlebt hat. Von Höhepunkten bis zu halsbrecherischen Abstürzen. Das neue Album »Nemesis« (2013) gilt als das beste »post Tolkki era«-Album der Band. Die Truppe hat darauf etwas kreative Frische zurückgebracht, vor allem aber gefallen die Songs wegen der gelungenen hymnischen Eingängigkeit ansteckender Refrains. Verstärkt durch den neuen Drummer Rolf Pilve, der im vergangenen Jahr die in den Ruhestand gegangene Schlagzeuglegende Jörg Michael ersetzt hat, mischten Stratovarius unter die neuen Songs Abandon, Halcyon Days, Dragons und die Single Unbreakable ihre Klassiker Speed Of Light, Kiss Of Judas, die absolute Überraschung des Konzerts Against The Wind vom Album »Forth Dimension« (1995), das unvermeidliche Black Diamond und beendeten den Auftritt mit dem Klassiker Hunting High And Low von »Infinite« (2000). Der Auftritt bestätigte, dass Timo Kotipelto mit den Jahren etwas an Höhe verloren hat, die Band hat auch die Stimmung angepasst (sie war tiefer – so, wie es den aktuellen stimmlichen Eigenschaften des Sängers entspricht). Es tut aber gut zu erkennen, dass Tolkkis Nachfolger und Gitarrist Matias Kupiainen eine unaufhaltsame Maschine ist, ein echtes Perpetuum mobile, das mit seiner außergewöhnlichen Bühnenshow begeistert. Er ist einer der (wenn du so willst) lehrbuchmäßig »aufgemotzten« Gitarrenvirtuosen, die Finnland bis zum heutigen Tag hervorgebracht hat, und begeistert mit seiner Brillanz, höchste Geschwindigkeit, Präzision und Kontrolle über das Instrument namens E-Gitarre zu kombinieren. Stratovarius zeigen also noch lange keine Anzeichen von Rost oder Altersschwäche! Das bravouröse Kreuzfeuer der Solo-Eskapaden zwischen Matias Kupiainen und Jens Johansson war auch diesmal eine der größten Attraktionen des Stratovarius-Auftritts.
Wo wir schon bei den Finnen sind, hier kommen Lordi! Lordi haben bei der Ausgabe des Bang Your Head!!!-Festivals 2011 das Festival beschlossen. Sie traten in der Halle am zweiten Tag auf, nach dem Auftritt des Hauptacts des Festivals – der trat auf der Hauptbühne auf (Accept). Diesmal bekamen Lordi den Platz auf der Hauptbühne kurz vor dem Auftritt des Hauptacts des ersten Tages – Saxon. Entgegen den Erwartungen boten Lordi leider den schlechtesten Bühnensound des ersten Festivaltags. Bei dieser Band gibt es ohnehin viele Sound-Matrizen, auf die sich die Gruppe im Lauf ihrer Auftritte stützt. Aber diesmal zeigte das schlechte Klangbild besonders die Zähne. Die Gitarre war während des Auftritts fast nicht zu hören. Oder sie brummte unauffällig, irgendwo tief begraben unter den Klangschichten der anderen Instrumente. Lordi kompensierten ihre Beliebtheit natürlich mit ihrem berühmten Schock-Show-Theater. Das brachte zwar keinerlei Highlight, aber schon das bloße Maskenspektakel des Quintetts ist Attraktion Nummer eins, falls du Lordi vorher noch nicht live gesehen hast. Vom übrigen Theater voller Zombie-Rituale, Kannibalismus-Rituale und Obduktion wollen wir gar nicht erst Worte verlieren. Lordi präsentierten im Stil ihrer berühmten Satire und Parodie vom neuen Studiowerk »To Beast Or Not To Beast« (2013) die Songs The Riff, We’re Not Bad for the Kids (We’re Worse) und Sincerely with Love. Außerdem stellten sie die erneuerte Mannschaft vor. Den Drummer Mana, der den verstorbenen Otus ersetzt hat, und die neue Keyboarderin Hella, die ihre Vorgängerin Awa abgelöst hat. Neben all dem Bühnenkram ist der zweite Faktor, bei dem eine Band sich nicht fürchten muss, falls sie beim Konzert keinen guten Sound liefert, die Zahl der Hits, mit denen sie ihr Repertoire belädt. Das lösten Lordi mit der erwarteten Darbietung der Songs Who’s Your Daddy?, They Only Come Oout At Night, Devil Is A Loser, der Eurovision-Siegerin Hard Rock Hallelujah und zum Schluss Would You Love A Monsterman. Stärkende Unterhaltung? Ohne Zweifel. Aber nichts für Sound-Puristen!
Und was soll man zum Auftritt der Hauptstars des Abends am ersten Festivaltag sagen? Fast nichts. Saxon sind eben unsere alten Bekannten. Wenn du die Tagesnachrichten im Metal verfolgst, werden Saxon schnell zu »täglichen Bekannten«. Unglaublich ist nämlich die Tatsache, dass diese Veteranen, gegründet im fernen Jahr 1976, nicht nur auf der Szene geblieben sind, sondern in ihren reifen Schaffensjahren auch noch eine außergewöhnliche Produktivität im Studio erzeugen. Das gilt auch für ihre ständigen Besuche auf Europas Konzertbühnen (auf die USA haben sie schon vor langer Zeit ein Kreuz gemacht). Kaum hatten sie uns im Rahmen des ersten Teils der neuen europäischen »Sacrifice«-Tour in der slowenischen Hauptstadt besucht, lösten sie auch schon die Invasion der Festivalbühnen im diesjährigen Sommer aus. Die Band braucht keine Vorstellung, sie hat die größten und wichtigsten Bühnen der europäischen Festivals befehligt, einschließlich Wacken. Saxon kennen also keine Unbekannten und auch keine Versteckspiele. Die Jungs nutzten diesen Auftritt aber dazu, ihn maximal auszustatten. Mit pyrotechnischen Effekten, die gelegentliche Salven von Rauchschwaden, Funken und Feuer umfassten, über den Besuch des berühmten Adlers bis hin zur Implementierung der Bühne auf Grundlage zusätzlicher Bühnenbeleuchtung. Nigel Glockler wurde samt Drums während seines Solos mithilfe eines beweglichen Hebekrans hoch in die Luft gehoben.
Unter solchen Umständen spielt dem Boss und Sänger der Band, Biff Byford, sein ungezähmtes Metal-Herz besonders intensiv. Dem Mann stand während des Auftritts das Lachen ins Gesicht geschrieben. Der lebensfrohe Kommandant schüttelte in den Pausen ununterbrochen Anekdoten aus dem Ärmel und unterhielt das Publikum auf Kosten seiner Untergebenen in der Truppe. An diesem Abend lief seine Zunge besonders gut geschmiert. Bei einer Gelegenheit trat er sogar spöttisch an den Hauptveranstalter des Festivals, Horst, heran, der auf dem äußersten rechten Monitor sitzend das Konzert aus unmittelbarer Nähe verfolgte, und hielt ihm das Mikrofon vor die Nase, damit er die simple Refrain-Kombination »Wheels Of Steel« singt. Den abgebrühten Mann brachte das offenbar trotzdem so durcheinander, dass er nicht mal den Buchstaben »W« herausbrachte, obwohl klar ist, dass der Name Horst E. Franz für ein felsiges Gebirgsmassiv der deutschen Metal-Szene steht.
Um die slowenischen Fans zu trösten, die nicht auf dem Bang your Head!!!-Festival waren, aber am 12.06.2013 den Auftritt der Band im Kino Šiška gesehen haben! Saxon spielten auf dem Bang Your Head!!! ein gleich langes Konzert. Ohne besondere Überraschungen. Das Repertoire ordneten sie der Darbietung älterer Klassiker unter, genauer gesagt Kultnummern, die sie wieder in die Setlist geschoben haben (To Hell And Back Again, Motorcycle Man, The Eagle Has Landed, And The Bands Played On), dafür flog ein neuerer Song raus und zum Beispiel (leider) auch ein Leckerli wie die großartige Ballade Forever Free vom Album Iron Wheels (in Ljubljana einen Monat zuvor gespielt).
In der Lage, in der sich Saxon an diesem Abend befanden – eine Band mit enormer Laufleistung, Erfahrung und ausgefeilter Strategie, mit der sie jeder Bühne der Welt Paroli bieten – war der Sieg tatsächlich leicht zu holen. Dank der fantastischen Darbietung des Repertoires, das einmal mehr einige unvergessliche, elementare Old-School-Riffs aus der Zeit der N.W.O.B.H.M.-Bewegung lieferte, der Kommandoroutine von Biff Byford, der unter anderem eine Fahne nutzte, die ihm Fans aus dem Publikum reichten, um damit die Szenerie anzuheizen, und der sich im letzten Drittel des Konzerts wie immer dankbar die Jeansjacke voller Aufnäher überzog, der Nestor unter den Metal-Sängern, bis hin zum ganzen Theater der Bühnenszenografie des Konzerts! Bombastisch! Zugeschnitten auf eine mögliche Konzertveröffentlichung auf einem Audio-Video-Medium. Nicht mehr, nicht weniger. Magisch. Hypnotisch. Und wieder im Einklang mit der Authentizität des einzigartigen Heavy-Metal-Erbes der großen Saxon!
Wer Saxon schon in allen erdenklichen Inkarnationen und Bühnenvarianten gesehen hat, hätte angesichts des zugeteilten »Vorteils« der Hauptrolle am ersten Tag des BYH!!!-Festivals von Saxon 2013 trotzdem mindestens 15 Minuten längeres Repertoire und die Einbindung irgendeiner Überraschung erwartet. So aber konnte auch der ganze Bühnenkram und die daraus folgende Bombastik des Konzerts der Band auf dem Festival in Balingen die bittere Erkenntnis nicht verdecken, dass der große Wurf ausblieb. Etwas, das du auf den ersten Blick und Ton unter dem Einfluss »verführter Gefühle« gar nicht bemerkst, wird bei der Ernüchterung nach dem Konzert zur Erkenntnis der bitteren Wahrheit! Falls du Saxon zum zweiten oder dritten Mal im Leben gesehen hast und auf die Balinger Inszenierung gestoßen bist, konntest du nur applaudieren. Ohne Wenn und Aber.
Der erste Festivaltag war mit dem Konzert von Saxon aber noch nicht zu Ende. In der Halle randalierten Die Apokaliptischen Reiter, ein erfolgreiches Projekt von Sodom-Boss Tom Angelripper. Die Halle war aber »versiegelt«. Sie wurde so vollgestopft, dass keine Leute mehr hineingelassen wurden. So gingen wir noch auf eine Runde Sandwiches ins nahe Subway und dann schlafen. Das Konzert der britischen Veteranen Onslaught war für die Halle zwischen ein und zwei Uhr morgens angekündigt, aber die verträumten Flügel des Morpheus weckten uns bis zum Morgen nicht mehr aus dem süßen Schlafdusel.
Setlist
ARTILLERY:
1. The Challenge
2. In the Trash
3. At War With Science
4. Terror Squad
5. When Death Comes
6. By Inheritance
7. Death Is an Illusion
8. Rise Above It All
9. Khomaniac
10. The Almighty
CRAZY LIXX:
1. Young Blood
2. Lock Up Your Daughter
3. Riot Avenue
4. Cum On Feel The Noize
5. We’re Not Gonna Take It (Twisted Sister)
6. Want It
7. Rock And A Hard Place
8. Road To Babylon
9. 21 Til I Die
10. Heroes Are Forever
11. Whiskey Tango Foxtrot
H.E.A.T.:
1. Breaking the Silence
2. Better Off Alone
3. 1000 Miles
4. Late Night Lady
5. Straight For Your Heart
6. Beg Beg Beg
7. Downtown
8. Falling Down
9. Heartbreaker
10. Danger Road
11. Living on the Run
12. It’s All About Tonight
MASTERPLAN:
1. Enlighten Me
2. Spirit Never Die
3. Lost and Gone
4. Crystal Night
5. Betrayal
6. Crimson Rider
7. Back for My Life
8. Time to Be King
9. Keep Your Dream Alive
10. Heroes
11. Soulburn
12. Kind Hearted Light
13. Crawling From Hell
FLESHCRAWL:
1. As Blood Rains From The Sky
2. Soulskinner
3. Dark Dimension
4. Structures of Death
5. Damned in Fire
6. Into the Fire of Hell
7. Slaughter at Dawn
8. Under the Banner of Death
9. Beneath a Dying Sun
10. Written in Blood
11. From the Dead to the Living
12. Flesh Bloody Flesh
13. Made of Flesh
14. The Day Man Lost
PRETTY MAIDS:
1. Mother of All Lies
2. I See Ghosts
3. Needles in the Dark
4. Rodeo
5. I.N.V.U.
6. Yellow Rain
7. Little Drops of Heaven
8. Future World
9. Back to Back
10. Red, Hot and Heavy
ENTOMBED:
1. Living Dead
2. Like This With the Devil
3. Out of Hand
4. Revel In Flesh
5. To Ride, Shoot Straight and Speak the Truth
6. Stranger Aeons
7. Damn Deal Done
8. I for an Eye
9. Eyemaster
10. Supposed to Rot
11. Left Hand Path
12. Wolverine Blues
STRATOVARIUS:
1. Abandon
2. Speed of Light
3. Halcyon Days
4. The Kiss of Judas
5. Dragons
6. Against the Wind
7. Black Diamond
8. Unbreakable
9. Hunting High and Low
LORDI:
1. Intro (God Of Thunder)
2. We’re Not Bad for the Kids (We’re Worse)
3. Bringing Back the Balls to Rock
4. The Riff
5. Who’s Your Daddy?
6. Blood Red Sandman
7. It Snows in Hell
8. I’m the Best
9. Hard Rock Hallelujah
10. They Only Come Out at Night
11. Devil Is a Loser
—Zugabe—
12. Sincerely With Love
13. Would You Love a Monsterman?
SAXON:
1. Procession (intro)
2. Sacrifice
3. Wheels of Terror
4. Power and the Glory
5. Heavy Metal Thunder
6. Solid Ball of Rock
7. I’ve Got to Rock (To Stay Alive)
8. To Hell and Back Again
9. Night of the Wolf
10. The Eagle Has Landed
11. Conquistador
12. Drum Solo (Nigel Glockler)
13. Motorcycle Man
14. Stand Up and Fight
15. Dallas 1 PM
16. And the Bands Played On
17. 747 (Strangers in the Night)
18. Wheels of Steel
—Zugabe—
19. Crusader
20. Strong Arm of the Law
21. Denim and Leather
22. Princess of the Night
ONSLAUGHT:
1. Born for War
2. Killing Peace
3. Let There Be Death
4. Angels of Death
5. Destroyer of Worlds
6. Metal Forces
7. Fight With the Beast
8. Planting Seeds of Hate
9. Demoniac
10. Shellshock
11. Burn
—Zugabe—
12. The Sound of Violence
13. Power From Hell
14. Thermonuclear Devastation
Bildergalerie






















































































































































































