Lessie kehrt zurück (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar // Slowenien
Konzertdatum: 04.04.2013
Besucherzahl: 150
Eintrittspreis: 10,00€
Was wäre nur ohne Magnifico? Keine Da Phenomena! Die Welt wäre halb so lustig. Die Welt der Musik. Die Welt des slowenischen musikalischen »Mainstreams«. Und eben jene Da Phenomena, die mit zwei Alben überzeugend unter Beweis gestellt hat, dass sie die Kombination zweier hochtalentierter Musiker mit exzellenter gegenseitiger musikalisch-wahrnehmbarer Kommunikologie darstellen, kehren zurück. Mate Brodar und Anže Petrovič Langus – umbenannt zum »kleinen Wimbish« der Bassgitarre, »Dagi«. Die beiden haben zuletzt im Orto bar vor fast genau vier Jahren gespielt. Ja, und auch damals hielt Jure Rozman das rhythmische Fundament zusammen. In der Zwischenzeit kamen Nula Kelvina, mit denen Jure bereits zwei Studioalben aufgenommen hat, und inzwischen ist so viel Wasser den Bach runtergeflossen, dass »Dagi« und »Bro« sich gegenseitig zu vermissen begannen und sich deshalb entschlossen, das Duo zu neuen Aktivitäten zurückzuführen.
»Bro« ist noch heiß von der Promotion seines frisch veröffentlichten Soloprojekts »The Smoods«, Dagi hat sich zuletzt den musikalischen Aktivitäten von Nana Milčinski gewidmet. Und dann kam »Nov dan«. Eine neue Single, ein neues Zeichen, dass Da Phenomena tatsächlich aufgewacht sind. Und mehr. Die Ankündigung eines neuen Albums. Und dazu ein Comeback-Auftritt. Beim Orto fest 2013!
Die beiden haben voll reingebissen. In jeder Sekunde des Konzerts war spürbar, wie sehr es sie treibt, dieses nur ihnen vertraute Gefühl wieder zu genießen, wenn sie gemeinsam die Bühne als Da Phenomena teilen. Gereifter, weiser und gewichtiger (um das eine oder andere bescheidene Kilo) legten sie das Repertoire enorm laut an. Nahezu ohrenbetäubend laut (»Phenomena«). »Bros« Strat durchbrach das Klangbild mit voller Leistung. Steht etwa eine Funk-Metal-Invasion bevor? (Der Autor dieses Beitrags verzog sich schnell an den vorderen Barbereich auf sicheren Abstand und stieß dort auf ohrenfreundlichere Vibrationen). Ansonsten alles okay und unter Kontrolle. Am Mischpult diesmal der legendäre 2.2.2.7.-Bassist Jani Mujič. Alles läuft, wie es soll. Dann folgt »Nov dan«. Neuer Song. Neue Single. Nach dem Genuss ist klar, dass das dritte Album einen Tick zündender sein wird. Nun, lassen wir uns überraschen. »Nov dan« trägt jedenfalls solche Anlagen in sich. Aber keine voreiligen Schlüsse.
Das Publikum hat die freche Energie des Duos nicht vergessen. Anders als beim schwach besuchten Auftritt vor vier Jahren, ebenfalls im Rahmen des Orto fest, hat das Publikum den Orto bar diesmal brav mit 150 Köpfen gefüllt und damit gezeigt, dass das Duo in den letzten Jahren vermisst wurde. »Dagi« und »Bro« sind Besondere in dem Sinne, dass sie durchgehend maximal positiv auftreten. Alles ist auf Positiv gedreht. Sie besitzen einen Typ Humor, der das eisigste Herz brechen und auftauen kann. Sie sind ansteckend. Extrem ansteckend. Und dann sind da »In če hočeš«, »Punce – fantje«, superb kombiniert mit dem John-Mayer-Cover »Vultures«, dann »Do sonca«, »Upam, da za vedno«, »Iznad neba«, das unverzichtbare »Jočem«, dazu »Skupaj sva«, »Rad te mam (ne dovolj)« und ganz zum Schluss das obligatorische »Nočem te nazaj«. Zwischendurch fand sich Raum für vergnügliche Cover-Versionen, wie Princes »Purple Rain« oder/und das in Dub getauchte Cover des The-Police-Songs »Walking On The Moon«.
Rhythmisch ist den beiden alles klar. Mit dem extrem präzisen Mann am Kanonenschuss auf die Snare, Jure Rozman, ist der Anspruch auf einen Doktortitel in Sachen Rhythmik bei Da Phenomena umso stärker begründet. Obwohl es beim Konzert im Orto bar in erster Linie ums »Ertasten« der Band ging – wo sie gerade stehen, wie viel und was noch geübt und ausgebaut werden muss, damit künftige Konzerte noch optimaler funktionieren –, hat das Publikum durch seine großartige Mitarbeit bewiesen, dass Da Phenomena sich dem Fluss der jeweiligen Situation frei und sorglos überlassen können. Die Hits sind in den Herzen verankert geblieben. Und selbst wenn mal ein Patzer passiert oder sich eine unkontrollierte Klangstruktur in die Bühnenausführung der Songs einschleicht, hält das Publikum die Band durch den Auftritt in »eregierter Haltung«, da es die Texte der Evergreens souverän beherrscht. Da Frauen den Großteil ihres Publikums ausmachen, ist klar, dass die beiden auf das Herzstück des slowenischen musikalischen »Mainstreams« abzielen.
Kurzum. Der Vibe der unverkennbaren Da Phenomena-Musikfrisur hat gestrahlt! Klar herausgestellte und präzise dosierte Funk- und Disco-Rhythmen, gekrönt vom unverwechselbaren Jungs-Gesang von »Bro«, auf der einen Seite mit Pop-Formen beschmiert, auf der anderen mit Dub-Reggae und sogar zerstörerischen Rock-Riffs gewürzt. Alles sitzt an seinem Platz. Die gelegentlichen Eskalationen besonders angenehm hybrider Natur, die sich »aus dem Hintergrund« in die Geschichte von Da Phenomena einschleichen, haben natürlich nach einer Fusion von Funk und Metal geduftet. Da Phenomena bleiben im Fokus. Ein sehr schöner Auftritt, verrückt garniert, voller toller Energie, der kein Ende nehmen wollte. Die beiden hätten einfach weiter und weiter gespielt. Und weiter. Weit nach Mitternacht. Auch die Blauen schauten vorbei – aber das passt halt nicht mehr in Rock ’n‘ Roll, oder?
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