Lene kosti heizen dem Patrick`s Irish Pub ein (2013)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Patrick`s Irish Pub / Slowenien
Konzertdatum: 21.12.2013
Besucherzahl: 100
Eintrittspreis: 0,00€

Der Kompasszeiger zeigte an diesem Freitagabend Richtung Patrick’s Irish Pub in Ljubljana! Hm… Es ist schon halb elf abends. Ach, wieder dieser herbstliche Wetterzauber. Regen, Nebel,… Auf dem Weg vom SiTi Teatra, wo Avtomobili gerade ihr Konzert beendet hatten, finde ich kaum noch einen Parkplatz beim Kino Dvor, und dann heißt es: Fußmarsch ans andere Ende Ljubljanas! Ich irre von Geldautomat zu Geldautomat! Schließlich finde ich einen, der noch einen Zehner ausspucken kann. Unterwegs kreuzt auch die Roxly Bar den Weg. Davor eine Meute blutjunger Leute, völlig (bescheiden) zufrieden mit der Begleitung seichter „Plastik“-Klangstrukturen (beleidigenderweise Musik genannt), die aus den Boxen des Lokals hämmern. Ich bin nah dran. Ein Stück weiter, genauer gesagt die Prečna ulica runter, bietet sich ein völlig anderes Bild. Vor dem Patrick’s Irish Pub drängelt sich ein Haufen Rocker, die kurz für einen Zigarettenstopp rausgekommen sind. Lene kosti hatten nämlich gerade den ersten Teil ihrer Show gespielt und das Publikum mit einer 20-minütigen Pause »bewirtet«.

Überall bekannte Gesichter voller guter Laune. Schön, sie wiederzusehen. Noch schöner aber ist der Blick auf die Bühne, wenn die Mitglieder der neu formierten Lene kosti einer nach dem anderen auf die Bühne marschieren und ihre Positionen einnehmen. Marc und Giovanni Kavaš sowie Janez Dagarin »Dago«. Drei Originalmitglieder der Lene kosti. An den Drums der nicht minder erfahrene Schlagzeugmeister Vlado Janež (Teška Industrija, Neda Ukraden, Moj Boogie Band,..) und der kaum 22-jährige »enfant terrible« namens Jan Tehovnik (auch bei Pyroxene), der zu diesem Zeitpunkt in Bezug auf die Karriere der Lene kosti die wohl wichtigste Rolle übernommen hat. Die Rolle des Sängers!

Der Raum war zum Bersten voll. Streichhölzer. Das Atmen war kaum möglich. Voller positiver Energie. Überall. Und unglaublich! Einige namhafte Musiker beobachteten den Auftritt aus sicherer Distanz. Und sie genossen ihn. Das ist ein gutes Zeichen. Auch an weiblichen Gästen mangelte es nicht, was bedeutet, dass der »Charme« der Lene kosti im letzten Jahr, in dem sie sich kaum oder gar nicht in der Öffentlichkeit gezeigt haben, nicht verloren gegangen ist. Vielleicht haben sie sogar noch hinzugewonnen. Die Show zeigte, dass die Band live nach wie vor das gesamte Album »Do Or Die« spielt, während sie für Konzertauftritte aus dem Album »Penetrator« vor allem die Stücke auswählt, die vom Arrangement her näher an ihren Boogie-Wurzeln liegen. Das sind der Titeltrack, mit dem die Besetzung den Auftritt beendete, Let’s Rock sowie Spread Your Legs! Lene kosti überraschten all jene, die ihr Album »Park Bar« aus dem Jahr 1990 kennen, als sie sich Lady Evil vornahmen. Dieser Song hat im Vergleich zum Original eine gründliche Arrangement-Überarbeitung erfahren und kann sich in der Setlist problemlos mit den Tracks von »Do Or Die« und »Penetrator« messen. Bombe! Einer der Antriebe der Band in der neuen Besetzung ist nämlich, das gesamte Album »Park Bar« neu einzuspielen. Mit neuen Arrangements. Und offensichtlich haben Lene kosti tatsächlich begonnen, sich in diese Richtung zu bewegen. Im ersten Teil des Auftritts spielten sie auch Highway to Nowhere.

Und die Performance? Am meisten interessierte uns, was Jan Tehovnik draufhat. Die Stimmfarbe? Wird sie zum »Boogie Metal« der Band passen? Auf jeden Fall. Allein die Farbe des klaren und melodischen Gesangsansatzes passt hervorragend. Stellenweise erinnert er sogar an Milan Krušič, doch da liegt auch ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden. Jan kann problemlos alle Sequenzen der anspruchsvollen Stücke beider Alben singen, besonders des Albums »Do or Die«, wie Iron Dragon, Time For Love und natürlich Russian Girl, mit dem die Jungs das Publikum im zweiten Teil der Show aufzuwärmen begannen. Bei gleicher Stimmung der Band wie in der Ära mit Krušičem kann Jan dem Vocal noch mehr entlocken. Er kann nämlich extrem hoch singen. Und gerade in den höchsten Passagen entfaltet er eine ausgeprägte Stärke des Gesangsperformances. Es passiert sogar, dass er manchmal zu hoch singt. Was überhaupt nicht schlimm ist. Keineswegs. Auch wenn du das manchmal  bewusst im Performance einsetzt. Natürlich darfst du es dabei nicht übertreiben. Es ist nämlich ein hervorragendes »Schmuckstück«, wenn du es verstehst, damit Songs an den richtigen Stellen zu färben. Etwas Ähnliches nutzte Rob Halford auf den Judas Priest-Spektakeln Mitte der Achtziger in seinen besten Jahren. Ja. Jan Tehovnik ist ein junger Sänger. Gerade mal 22 Jahre alt. In dieser Hinsicht wird er künftig etwas mehr Aufmerksamkeit auf das richtige Halten der Tonalität in einzelnen Stücken legen müssen (Sunrise). Leider habe ich nur den zweiten Teil des Auftritts erwischt. Im ersten folgten noch Uninvited Guest (als Konzert-Opener – Jan legt ihn angeblich phänomenal hin, was Giovanni im späteren Gespräch bestätigte). Dazu gab es noch I Got The…, Stones Of Death, Rock Power, Play With Fire, und die Band beendete den ersten Teil mit den halsbrecherischen Warrior sowie Nightmare.

Was Nightmare betrifft: Die Band spielte ihn diesmal statt Russian Girl noch einmal auf den lautstark gerufenen musikalischen Wunsch eines der ersten Fans der Gruppe, ihres ehemaligen Mitglieds und des Mannes, der beim Drücken des Auslösers immer rechtzeitig ist, Dare Brenk. Damit war das Konzert zu Ende.

Sound: fantastisch. Energie: fantastisch. Angesichts der Tatsache, dass Lene kosti dieses Jahr nicht viel aufgetreten sind – in Slowenien nur noch in Gančani in der Prekmurje-Region, gefolgt von einigen Auftritten in Ungarn –, ist die Eingespieltheit beeindruckend. Die Band spielt ausgezeichnet. Über Dago kann man sagen, dass der »verlorene Sohn« ins Team zurückgekehrt ist. Wo er nur all diese Jahre unterwegs war. Der charismatische Bassist sorgte für einige unterhaltsame Einlagen, unter anderem kletterte er im Abschlusspart des Konzerts schnurstracks auf die Theke. Vlado Janež hat sich mit seiner Weisheit und Erfahrung als äußerst zuverlässiger Schlagzeug-Matador erwiesen, jedes Vertrauens würdig. Man spürt, wie Jan sich reinhängt und sein Maximum gibt. Mit so einem engagierten Sänger im Team brauchen die neu aufgestellten Lene kosti überhaupt nichts zu befürchten. Sie können nämlich bedenkenlos, in aller Entspanntheit, die neuen Arrangements für das überarbeitete »Park Bar« schleifen – und das ist das Wichtigste, das Wesentliche! Mit so einer Energie, wie sie im Patrick’s Irish Pub zum Greifen nah war, können sie in einem entspannten, ungezwungenen Klima Material für ihr neues Studioalbum erschaffen! Die Aussichten sind außergewöhnlich! Hoffen wir, dass die Band im kommenden Jahr öfter auftreten wird!

Man möchte nur eine Anmerkung machen. Persönlich bin ich der Meinung, dass Refuse To Die, das auf der Setlist im Patrick’s Irish Pub nicht dabei war, unbedingt  in jeden Auftritt der Lene kosti aufgenommen werden sollte. Ansonsten aber: Bombe von einem Konzert!

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