Last Of Our Kind
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Darkness, The
Label: Canary Dwarf
Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 41:27
Wertung: 4.5/5
Die britischen Satiriker-Rocker The Darkness schlagen zum zweiten Mal nach der Reaktivierung der Band zu, die 2011 stattfand. Das mehr als solide dritte und Comeback-Studioalbum mit dem Titel »Hot Cakes« hat gezeigt, dass The Darkness all ihre Markenzeichen und Charakteristika beibehalten haben, die sie zu Beginn des Jahrtausends unter die erfolgreichsten Rockbands katapultiert haben. Leider erlosch der Stern von The Darkness kurz danach auch schnell wieder.
»Last of Our Kind« wirkt noch reifer, noch fokussierter, verbissener, prägnanter und konzeptuell sogar abwechslungsreicher als jedes frühere The Darkness-Album. Stellt man Song für Song nebeneinander, ist das zweifellos das reifste und kompakteste Werk der gesamten The Darkness-Karriere. Qualitative Schwankungen zwischen den Songs, die eine ausgeprägte Portion rockiger Variabilität bieten, gibt es so gut wie keine. Das ist ein Album, das zu 100% für alle eingefleischten Fans der Band gemacht ist.
The Darkness bleiben extrem luzide Komödianten. Justin Hawkins bewahrt seine außergewöhnliche vokale Durchschlagskraft, mit zeitweise extremen Stimmlagen, die auf die höchstmöglichen vokalen Höhen zielen – an den Grenzen des menschlich Machbaren und Vorstellbaren. Justin bleibt in dieser Hinsicht das Hauptelement, das dem musikalischen Portfolio der Band Originalität und Einzigartigkeit verleiht. Seine Stimme funktioniert wie zu Beginn der Karriere, vor gut 10 Jahren.
Das Album eröffnet mit Barbarian. Das ist eine spöttische und augenzwinkernde Vertonung einer Geschichte aus dem 9. Jahrhundert, die vom Angriff dänischer Wikinger unter der Führung von »Ivar the Boneless« auf die ostanglische Küste und der Enthauptung des angelsächsischen Königs Edmund (damaliger König von Ostanglien) handelt. Das geschah, man glaubt es kaum, am 20.11. des Jahres 869. Einer der stärksten Songs des Albums gleich zum Auftakt – ein durchdringender, griffiger Riff, ein kristallklarer Chorus, eine Leistung auf Augenhöhe mit den bekanntesten Hits des zweiten Studioalbums der Band.
Der musikalische Ausweis der Band bleibt unverändert. Es ist ein neues Aufeinandertreffen im Ring von AC/DC, Thin Lizzy, UFO und Queen. Natürlich vereint nach der einzigartigen Rezeptur von The Darkness, die eine neue erstklassige Rock-Parodie erschafft. Barbarian, Open Fire, das »Zeppelin-hafte« Roaring Waters oder der Titeltrack wetteifern geradezu miteinander, wer wem die Show stiehlt – auf Basis der ausgefeilten, vollblütig charismatischen Gitarrenriffs, auf denen sie aufgebaut sind. Der Adrenalinstoß, den nur Rock’n’Roll vom Feinsten erzeugen kann. Auch wenn sich die Dinge in Wheels of the Machine beruhigen, bewahrt der Ausdruck der Band ihren immensen Sprengstoff und ihre Überzeugungskraft. Dieser Song trägt einen leichten Hauch von Southern Rock, zusammengehalten wird er am Ende aber wieder vom großartigen Justin, der dem Song eine neue Ladung glasklarer Falsetto-Kapriolen verabreicht. Mighty Wings liefert im Vers den dunkelsten und härtesten Moment des Albums, Pre-Chorus und Chorus stellen die Stimmung auf den Kopf und erzeugen so einen neuen bemerkenswerten Kontrast der Atmosphären. Das AC/DC-hafte Mudslide sorgt neben Barbarian für einen der unterhaltsamsten und ausgelassensten Momente des Albums. Das akustische Sarah O’Sarah hätten auch Thin Lizzy für eines ihrer Alben verwenden können. Hammer & Tongs bringt einen Ausflug in den Boogie Rock, und »Last of Our Kind« schließt das Album feierlich und im Stil einer Rock-Hymne mit dem mittelschnellen Conquerors ab.
Du willst einen richtigen Rock-Böller auf die Rübe? Auf schnellstem Weg? Funkensprühend luzides Rock’n’Roll-Feuer? Einen besseren Anlaufpunkt dafür als das neue The Darkness-Album gibt es gerade nicht! Es füllt dich bis über beide Ohren mit Adrenalin, und beim Hören der Verse und der vokalen Exzesse von Justin Hawkins werden dir die Wangen vom Lachen schmerzen. »Last of Our Kind« ist ein ausgezeichnetes neues The Darkness-Album, das beweist, dass das Quartett die Potenz von Hengsten – und mehr – bewahrt. Angesichts der kompositorischen Vollendung verkündet es, dass The Darkness erst jetzt ihrem kreativen Zenit nahekommen.
Besetzung
Justin Hawkins – Gesang, Gitarre
Dan Hawkins – Gitarre
Frankie Poullain – Bassgitarre, Gesang auf „Conquerors“
Emily Dolan Davies – Schlagzeug
MITWIRKENDE:
Trevor Weston – Monolog auf „Barbarian“
236 The Darkness-Fans – Gesang auf „Last of Our Kind“
Produktion
Dan Hawkins
Trackliste
1. Barbarian (3:34)
2. Open Fire (4:01)
3. Last of Our Kind (4:09)
4. Roaring Waters (4:38)
5. Wheels of the Machine (3:07)
6. Mighty Wings (5:46)
7. Mudslide (3:25)
8. Sarah O’Sarah (3:52)
9. Hammer & Tongs (4:02)
10. Conquerors (4:55)