Kranjski Metal Weekend 2018 – zweiter Tag

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Trainstation Kranj
Konzertdatum: 14.04.2018

April ist nicht nur der Monat des launischen Wetters, sondern auch der Monat des alljährlichen, traditionellen Metal-Weekends im TrainStation Subaru in Kranj. Der zweite Tag davon war dieses Jahr mit einer interessanten und abwechslungsreichen Auswahl an Acts mehr als einladend – umso mehr dank des warmen Frühlingswetters, das eine stattliche Anzahl an Leuten ans Tageslicht gelockt hat. Die Kombination aus einer jungen, frischen Band, die nicht wenige extra zum Reinschauen gebracht hat, und den bewährten Veteranen im weiteren Verlauf des Abends erwies sich als hervorragender Schachzug und wird zweifellos als eines der schöneren Frühlingsevents in Erinnerung bleiben.

Um nicht lange zu schwafeln: Als erste erklomm eine neue Kraft des heimischen Heavy Metal die Bühne, die so lautstark auf sich aufmerksam gemacht hat, wie es schon lange keine andere Band mehr getan hat. Die Rede ist von der Ljubljanaer Heavy-Metal-Band SkyEye, die nach der Veröffentlichung der Debüt-EP Run For Your Life wie ein Sturm auch die Konzertbühnen überrollt hat und dort beweist, dass die EP kein bloßes Anfängerglück oder Studiokniff ist. Die Jungs haben erneut mit einer außergewöhnlichen Vorstellung geglänzt, die geradezu nach viel, viel größeren Bühnen schreit. Die Band spielte am Samstag erneut die gesamte EP durch – ein Gänsehautfest von Anfang bis Ende. Trotz gelegentlich etwas schwächerem Sound war es ein Genuss, den abwechslungsreichen und durchdachten Riffs des Gitarrenduos sowie der treibenden Rhythmussektion zuzuhören; die Aufmerksamkeit klaut einem aber ob man will oder nicht Vokalist und ausgebuffter Frontmann Jan, der die Bühne ganz nach »Dickinson-Art« vollständig für sich vereinnahmte. Die offenen Münder schnappten bei seinen Vokal-Eskapaden wieder mal Fliegen, und das Publikum ließ sich von der Band schnell mitreißen und headbangte zu den Brechern Fire, Book of Life, Run For Your Life und Stardust. Die treu und energisch dargebotene Maiden-Klassiker Trooper war das i-Tüpfelchen, und das epische Tsunami nur eine weitere Bestätigung, dass die Band nicht auf den Lorbeeren der hervorragend aufgenommenen EP ausruht und kompositorisch immer höher greift. Erstklassig!

Die einzigen ausländischen Gäste des zweiten Tages des diesjährigen Metal-Weekends kamen aus dem italienischen Nebel – und waren dennoch kein völlig unbekanntes Flugobjekt. Die toskanischen Tech-SciFi-Thrasher Vexovoid hatten sich dem slowenischen Publikum nämlich erstmals auf der New Forces Stage des letztjährigen Metaldays vorgestellt; diesmal landeten sie jedoch in Kranj mit ihrem nahezu brandneuen Erstling Call of the Starforger, der letzten Dezember erschienen ist. Bei Vexovoid werden vor allem Fans von progressivem/technischem Thrash Metal à la Vektor, Obliveon und Droid die Ohren spitzen – und Hand in Hand mit dem technischen Thrash geht natürlich auch die SciFi-Thematik. Vexovoid haben davon reichlich und auf einem ziemlich hohen Niveau. Die Jungs präsentierten sich diesmal – im Gegensatz zu Metaldays – als Quartett mit zwei Gitarren, was sich deutlich im Klangbild bemerkbar machte, das viel reicher war; dissonante Riffs und maj7-Akkorde flogen von allen Seiten, und auch die kompetente Rhythmussektion erledigte ihren Job solide. Als kleines Minus muss man den Italienern ankreiden, dass sie stellenweise Vektor etwas zu nahe kommen – aber die gezeigte Energie, das ausgezeichnete Zusammenspiel und die sympathischen Ansagen von Frontmann Danny in gebrochenem Englisch ließen das problemlos übersehen.

Noch unmöglicher zu übersehen war, dass Eruption eines der besten Konzerte abgeliefert haben, die ich von ihnen persönlich in Kranj erlebt habe. Das Mädchen und die Jungs explodierten wie eine Bombe aus purer Energie und ihrem ganz eigenen Blick auf Thrash Metal, der seinen Höhepunkt zweifellos auf dem aktuellen Meisterwerk Cloaks of Oblivion erreicht hat – das völlig zu Recht auch jenseits unserer Grenzen Aufmerksamkeit bekommt. Eruption präsentierten so vor allem einen Track vom neuen Album in bestem Licht und überraschten die Old-School-Fans mit The Sands of Time vom Erstling Lifeless Paradise. Genau dabei kam mir der Gedanke, dass es manchmal fast schwer zu glauben ist, zu was für einem reifen, souveränen und selbstbewussten Frontmann sich aus dem Jungen, der vor Jahren im Kranjski Bazen James Rivera während Helstar auf die Nerven gegangen ist (he he), Buco entwickelt hat. Und nicht nur er – die ganze Band (Umbesetzungen mal beiseite), was sich in der Bühnenpräsenz zeigt: Man wird sich schon ganz schön anstrengen müssen, um hierzulande eine besser eingespielte Band zu finden. Von den zerfetzten Soli des Duos Čuk/Kamenšek, Nikis klirrenden Basslinien und Teglis erdbebenartigem Schlagzeug, dazu Bucos mächtiger Stimme… einfach alles funktioniert makellos. Es war also völlig klar, dass das Publikum Eruption nach dem brillanten The Prophet nicht einfach so von der Bühne lassen würde – und so bekam es als Zugabe noch The Yearning. 

Den Kranjski Metal Weekend 2018 beschlossen die Locals Armaroth, die nach drei äußerst starken Bands eine verdammt schwere Aufgabe hatten – die sie aber ohne größere Probleme meisterten. Die Jungs sind halt die Locals und die Unterstützung des heimischen Publikums war zu erwarten. Wahr ist aber auch, dass Armaroth diesmal eine ziemlich undankbare Rolle hatten, da sie die größte Genreabweichung des Abends darstellten – tief hinein in die Gewässer des Extreme Metal. Trotzdem erledigten auch sie ihre Aufgabe mühelos und sorgten dafür, dass sich das Publikum am Ende noch einmal ordentlich die Haare zerzauste und moshen konnte.

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